Furiose anderthalb Stunden am Dresdner Staatsschauspiel

Henriette Hölzel als Amal im Hochzeitskleid und Laina Schwarz als Yael in Soldatenuniform Foto: Krafft Angerer

Er hatte einem Alten geholfen, die heruntergefallenen Münzen aufzulesen, und dadurch den Bus verpasst, der ohne ihn explodiert ist. „Gott wartet an der Haltestelle“ heißt die deutsche Erstaufführung am Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden.
Terror, die Gefahr ist in Israel seit Jahrzehnten Bestandteil des Alltags, jeder kann verdächtig sein. Zwei junge Frauen stehen einanderauf beiden Seiten eines Grenzpostensgegenüber: Die jüdische Soldatin Yael lässt die arabische Krankenschwester Amal aus Barmherzigkeit ohne Schein passieren. Kurz darauf reißt die vermeintlich Schwangere in einem Café sich und 29 andere in den Tod. Was hat sie in diese Radikalität getrieben?
Das Publikum hört eine Geschichte von Verlust, Ohnmacht und zermürbender Unterdrückung durch Besatzer und Patriarchen. Das Stück zeigt, wie Schmerz und Wut in Hass und Rachegedanken umschlagen, wie diese Gefühle ausgenutzt werden. .Beidseitig und an Tischen platziert, sind die Zuschauer mittendrin. Das Publikum isst, trinkt und feiert mit, wird platziert oder aufgefordert zu gehen. Und so erlebt es Angst und Mitgefühl, Machtgelüste und Fanatismus, hier wie dort, anhand furioser Rollenwechsel mit, die einen Perspektivwechsel ermöglichen: weg von vertikaler Teilung in Nationalitäten hin zu systemischen und psychischen Prägungen. l D Una Giesecke

23.12., 19.30 Uhr (einmal zahlen – zweimal oder zu zweit ins Theater), 30.12., 10. und 19.1., jeweils 19.30 Uhr, Karten zu 18 Euro unter Tel. 0351 4913555, www.staatsschauspiel-dresden.de

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