So verschwinden Schmierereien an Fassaden

Lars Kühnel mit seinem patentierten Arbeitsgerät Foto: meeco
Lars Kühnel mit seinem patentierten Arbeitsgerät Foto: meeco

Dresden. Viele Hauseigentümer kennen den Ärger: Ziert doch schon wieder über Nacht die frisch geputzte Fassade eine Schmiererei. Der eine zeigt den Vandalismus an. Der andere erträgt ihn zähneknirschend. Der nächste lässt die Hauswand neu verputzen oder zumindest reinigen. Doch das kostet Geld, sei es nun per Sandstrahlen, Heißdampf oder Chemiekeule. Zuweilen geht das sogar an die Bausubstanz.

„Weder Sandstrahlung noch Chemie sind wirklich schonende Verfahren“, erklärt Lars Kühnel, Geschäftsführer der Graffiti Stop Dresden GmbH. Letztere Methode kann zudem die Umwelt schädigen.

Seine Firma hat daher eine Art Riesen-Staubsauger entwickelt, der laut Kühnel Glas, Stein, Klinker und Metall reinigt, ohne die Oberfläche zu beschädigen und so den Originalzustand wiederherstellt.

Das von ihm patentierte Gerät arbeitet mit einer Glocke, in der ein Unterdruck erzeugt wird, durch welchen Granulat in die Glocke gesaugt und umhergewirbelt wird.
Trifft das Granulat auf den Untergrund, reibt es dort Farbpartikel ab – ohne zerstörerische Krafteinwirkung und ohne Konsequenzen für die Umwelt. Denn das Granulat wird wieder eingesaugt und durch Filterprozesse von der Farbe gereinigt, so dass es vielfach wiederverwendet werden kann. Das Verfahren koste pro Quadratmeter unter 60 Euro. Die erste Außenstelle im baden-württembergischen Heilbronn wurde bereits eröffnet. 2018 möchte die Dresdner GmbH deutschlandweit expandieren.

Vorbeugen hilft

Wie lange freilich die Fassade sauber bleibt, ist die bange Frage. Denn nach der bösen Tat ist vor der bösen Tat. Daher entschließen sich zunehmend mehr Immobilienbesitzer zu vorbeugendem Graffitischutz. Auf dem Markt finden sich beispielsweise abweisende Beschichtungen, an denen Farbaufträge einfach abperlen.
Manche Hausbesitzer lassen Überwachungskameras oder Bewegungsmelder installieren, damit sich potenzielle Täter beobachtet fühlen. Der Nachteil: Jede vorbeistreunende Katze löst die nächtliche Beleuchtung ebenfalls aus, was den Schlaf der Gerechten erheblich stören kann.

Eine weit verbreitete Variante in Dresden ist die Vergabe von Auftragsmalerei an Profis. Der einmalige Aufwand ist zwar teurer, hält aber erfahrungsgemäß sehr viel länger. Die erste bunte Giebelwand leuchtete bereits 1990 an der Ecke Alaun-/Louisenstraße mit einem Bild von Richaaard. Erst ein Vierteljahrhundert später war es so verblasst, dass es erneuert wurde.

Image verbessert

Dem Vorbild solcher Wände – seien es Spray- oder Pinsel-Kunstwerke – folgte die Drewag mit gestalteten Trafohäuschen und Umspannwerken. Nebeneffekt der seither halbierten Reinigungskosten ist ein enormes Imageplus in der Bevölkerung. So mancher Künstler signiert mit seiner Homepage oder Rufnummer in der Hoffnung auf weitere Aufträge.

Privateigentümer und Geschäftsinhaber von Einzelhandel im Erdgeschoss haben in der Regel sogenannte Tags, also Namenszüge, auf den problemlos erreichbaren Sockeln und Ladenjalousien zu beklagen. Speziell helle, glatte Flächen werden gern als „Tafelgrund“ von „Narrenhänden“ missbraucht. Auch hier haben sich in den vergangenen Jahren Auftragswerke weitestgehend bewährt, da in der illegalen Szene ein Ehrenkodex das Übersprühen „versiegelter“ Werke verbietet.

Die umweltfreundlichste und zudem eine relativ kostengünstige Alternative im vorbeugenden Graffitischutz freilich bildet die Fassadenbegrünung. Benötigt werden lediglich Rankhilfen für Kletterpflanzen, die nicht nur das Auge des Betrachters erfreuen, sondern auch einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität leisten können.

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