Historisches Gold für Bürgermeisterbaum in Gorbitz

Foto: Robin Kadura

Gestern, am 21. August, wurde dem jüngsten Stadtteil Dresdens ein kleines Geburtstagsgeschenk überreicht, denn am selbigen Tag im Jahre 1981 war die Grundsteinlegung für einen der grünsten Stadtteile Dresdens.

Aufgrund der aktuellen Lage konnten nur geladene Gäste an diesem Festakt teilnehmen. Dazu gehörten der Amtsleiter des Amtes für Stadtgrün und Abfallwirtschaft Herr Thiel, welcher in seinen ersten Jahren am Aufbau von Gorbitz beteiligt war, Herr Schubert vom Stadtplanungsamt Abteilung soziales Stadt, der Regionaldirektor Matti Steuer von Grand City property Ltd und eine ganz besondere Hausgemeinschaft, die des Helbigsdorfer Wegs 14 aus Gorbitz.

Der Festredner und Initiator dieses Projektes, Mathias Körner (42) Stadteilkümmerer und Chronist, erläuterte: „Das mit der heutigen Enthüllung dieser zweiten historischen Informationstafel in Gorbitz durch die Hausgemeinschaft, auf das Pflanzen der Bürgermeister-Blaufichte, anlässlich der Verleihung der Golden Hausnummer durch den Oberbürgermeister Berghofer, an einen sozialen Aspekt mit Stadtteilidentitäts-Charakter erinnert wird.“

Hintergrund

Am 1. April 1989 bekam die damalige und heute anwesende Hausgemeinschaft die goldene Hausnummer vom Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer verliehen.

Heute gibt es nur noch sehr wenige erhaltene goldene Hausnummern. Manche Stadt gar, initiierte dieses soziale Projekt jüngst neu. Während damals in der DDR viele Städte goldene Hausnummern verliehen und diese in unterschiedlichster Ausführung anfertigen ließen, bestand Berghofer für Dresden auf eine hochwertige Ausführung in Messing, wofür er von Funktionären aus Berlin gerügt wurde.

Anscheinend gestand man nur der Landeshauptstadt der DDR eine Messingausführung zu und Dresden sollte sich, wie andere Städte mit einem emaillierten Metall-Blech zufriedengeben. Bei der damaligen Verleihung 1989 entschied sich die Hausgemeinschaft spontan mit dem Oberbürgermeister eine von ihr besorgte Blaufichte vor dem Haus zu pflanzen. Diese Blaufichte reicht nun schon bis zur vierten Etage ihres geliebten 6 geschossigen WBS 70 (WohnungsbauSerie 70, Tafelbautyp der DDR) Blockes.

Mit nun 31 Jahren ist die Blaufichte gerade mal geschlechtsreif geworden und erwartet eine Lebensdauer von 600 Jahren. Mathias Körner verwies in seiner Rede auf die Beziehung des Menschen zu Bäumen, das Kommen und Gehen und die das unaufhörliche Fortschreiten der Zeit. Um dies zu untermauern zitierte er am Ende seiner Rede einen Text aus dem Jahre 1976 von der Musikgruppe Puhdys mit dem Titel „Alt wie ein Baum“.

Auch erwähnte er die kuriose Geschichte, dass kurz vor der Ehrung dieses Baumes mit seiner Informationstafel in diesem Jahr ihm fast das Fällen gedroht hätte. Dies konnte jedoch durch beherztes Eingreifen der Bewohner und des Eigentümers schnell verhindert werden. Dass die Hausgemeinschaft zurecht diese Ehrung seinerzeit erhielt und die Kriterien zum Bewerten und Vergeben diese Ehrung durch die Stadt Dresden nicht willkürlich gewesen sein kann, bezeugt der Fakt, dass die Hausgemeinschaft nun nach drei Jahrzehnten nicht mehr komplett im Haus wohnt, sich jedoch immer noch mehrfach im Jahr trifft. Vor Ort konnten noch historische Aufnahmen und die Ehrenurkunde von 1989 bestaunt werden.

Der Eigentümer Grand City property Ltd stellte fest: „Wir freuen uns, dass mit der Informationstafel zur Goldenen Hausnummer hier am Helbigsdorfer Weg auch an die Geschichte erinnert wird. „Wir engagieren uns aktiv im Stadtteil Gorbitz und legen großen Wert auf das lokale Netzwerk sowie die Nachbarschaft vor Ort. Daher unterstützen wir dieses traditionsreiche Projekt sehr gern und hoffen auf einen weiterhin starken nachbarschaftlichen Zusammenhalt“, sagt Katrin Petersen, Sprecherin von GCP. Zusammen mit der Stadt Dresden war auf Initiative Körners dieses identitätsstiftende Projekt realisiert worden.

Bedauert wurde bei diesem Festakt die Feststellung, dass heute in Dresden oft, sei es bei Semperopernball oder verschiedensten Ehrungen von Dresdnern, selten Menschen-Gemeinschaften und zu oft Einzelpersonen mit Ämtern oder unternehmerischen Funktionen für ihr Tun im Rahmen dieser Funktionen geehrt werden. Jedoch ist selten festzustellen, dass ein Bürger ohne diesen strukturellen Hintergrund eine Ehrung erfährt und dies mehr im gesellschaftlichen Handeln in Dresden verankert werden könnte.

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