Eine freundliche bitterböse Abrechnung

Philipp Schaller ganz nah: in seinem neuen Solo-Stück „Sie mich auch“ in der Keule. // Foto: Robert Jentzsch

Wegen Corona mit Verspätung, aber umso furioser: Philipp Schaller präsentiert sein neues SoloProgramm in der Herkuleskeule!

Herrlich! Es ist, als käme Philipp Schaller einfach nur mal kurz vorbei, um zu plauschen. So leicht kann schwere politische Kost manchmal serviert werden … In seinem neuen Soloprogramm „Sie mich auch“ spaziert der neue Chef der Herkuleskeule mit einer bitterbösen Abrechnung mit der Politik freundlich grinsend durchs Publikum, ohne dass dauernd Politikernamen fallen.

Philipp Schaller erklärt vielmehr wunderbar beiläufig, wie sich das auswirkt, was Politiker derzeit tun. Und zwar nicht nur die, die gewählt wurden, sondern vor allem die, die sich erwählt fühlen – und nun am Rande der Parlamente für politischen Wirbel sorgen. Am rechten wie am linken Rand übrigens, wie Schaller klarstellt. Und er erklärt, ohne zu schulmeistern, was das mitunter mit uns, den Betroffenen, macht. Und es macht ihn betroffen. Aber das sagt er eben nicht so, er belegt es vielmehr mit herrlich schwarzhumorigen Geschichten über Menschen.

Leute, die wir durchaus aus unserer Nachbarschaft kennen könnten. Sind sie typisch – oder ist es einfach so typisch, weil sich gerade Geschichte zu wiederholen droht? Weil sich gerade wieder einige einfangen lassen von – mal wieder – braunen Menschenfängern? Weil sich viele nicht mehr fragen, ob das auch wirklich stimmt, was ihnen da in den sogenannten sozialen Netzwerken erzählt wird? Alternative Fakten, was ist das eigentlich? Etwas Ausgedachtes? Was nicht passt, wird passend gemacht, sagt der Sachse ja gern. Und geht Montagabend in Dresden protestierend im Kreis laufen, weil man ja hier bekanntlich nichts mehr sagen darf, wie uns die Protestierer seit nun schon fast fünf Jahren in Dauerschleife sagen …

Ja, natürlich kommt auch Pegida vor, in Philipp Schallers Plauderei mit dem Publikum. Aber er haut eben nicht drauf, auf die derzeit vielgescholtenen und medial verlachten Sachsen. „Ich bin ja selber einer – und ich lebe gern hier“, sagt er. Um dann gleich–sozusagen von hinten durch die Brust – genüsslich mal wieder ein Beispiel zu erzählen von jemandem, der uns Sachsen dann eben doch wieder – sagen wir – unglücklich dastehen lässt.

Philipp Schaller–und das macht ja bekanntlich seine Texte aus – erzählt die große Politik am oft zitierten kleinen Mann. Und weil das Thema Gleichberechtigung natürlich wichtig ist, auch am Beispiel der bisher noch nicht so oft zitierten kleinen Frau. Politik ist eben doch vor allem das, was wir am Ende daraus machen. Und was Schaller spürbar nervt, ist wenn wir so tun, als könnten wir nichts tun. Wir sollten aber eben möglichst das Richtige tun … Und das geht schon mal damit los, uns nicht ständig beleidigt zu fühlen. Auch davon kann Philipp Schaller als Kabarettist eine Menge erzählen. Und tut es auch. köstlich!

Es ist jedenfalls ein Genuss, wenn Schaller seine spitzzüngigen, schwarzhumorigen Pointen gekonnt wie ein Dresdner Stollen-Bäcker die Rosinen mit leichter Hand und eben doch punktgenau in den Teig streut. Apropos: Rosinen, sagt er schnell noch mit hintersinnigem Lächeln, sollen in Anbetracht der ja bekanntlich drohenden Islamisierung des Dresdner Abendlandes künftig nur noch Sultaninen heißen … Das ist natürlich Unsinn. Aber könnte eben dennoch aus einer dieser aufgeregten Facebook-Gruppen stammen, die derzeit so treffsicher spalten helfen. Auch darüber kann Philipp Schaller wunderbar ironisch plaudern. Also: unbedingt hingehen!

JENS FRITZSCHE

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