Mal so gesagt… Peng und Aus

Mal so gesagt...

Neulich schrieb ich doch an dieser Stelle über die Schnelligkeit von Versicherung, Finanzamt und Krankenkasse, als es um eine vielleicht zu versteuernde Einnahme ging. Heute folgt ein Beispiel aus der Rubrik „Ausgeschlafen“. Es geht um die „Zugüberfälle“, die ein Radebeuler Verein seit 1992 im Lößnitzgrund auf den Lößnitzdackel organisiert. Und zwar jedes Jahr zum Karl-May-Fest. Aus Spaß, versteht sich. Einige Mitglieder des Meißner Schützenvereins spielen die schießenden Outlaws und überfallen den vorbeidampfenden Zug, die anderen sind die Guten und stehen als Virginia Volunteers Anno 1864 den Fahrgästen bei.

In diesem Sommer sollte es noch zwei solcher Fahrten geben. Die sind nun offenbar gestrichen. Warum? Weil man im Kreisordnungsamt Meißen durch einen Zeitungsartikel aufgewacht ist und bemerkt hat, dass es für diese kleine wilde Schießerei mit Platzpatronen gar keine explizite Genehmigung gibt. Dass quasi aus der Hüfte heraus und auf einer Wiese Schießen gespielt wird. Dass Kinder keinen Gehörschutz tragen, wo doch bis zu 140 Dezibel Lautstärke anfallen können. Und jetzt kommts: Dass es keinerlei „Darstellungen in schauspielerischem Sinne“ bei den Schützen gibt. Das haben die Behördenmitarbeiter durch das genaue Studium von Videoaufzeichnungen vergangener Zugüberfälle herausbekommen. Dabei müssen ihnen Stifte aus den Händen gefallen und Brillen von Nasen gerutscht sein. Schießen dürfen schließlich nur Schauspieler und nur auf Bühnen. Punkt.

Dass es 30 Jahre anders war? Solange man im Kreisordnungsamt kein Formular findet, wo draufsteht, dass es Ausnahmen geben kann, bleiben die Schießeisen stumm. Ordnung muss sein. Da kann ich nur sagen: Lasst uns Alternativen finden. Solange die Schützenvereinsmitglieder keine Schauspielausbildung haben, dürfen sie nur noch mit kleinen Schaumstoffbällchen werfen. Sie springen nicht mehr hinter Gebüschen vor, sondern stehen direkt am Gleis. Ohne Gebrüll. Ein Seelsorger pro Waggon beruhigt die total verschreckten Fahrgäste. Und danach wird ein Gruppengespräch mit allen Beteiligten angesetzt. Ooom!

CAROLA PÖNISCH

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