1852 tauchte erstmals der Begriff „Jugendweihe“ auf. Der Sächsische Jugendweiheverband e.V. feierte jetzt sein 35-jähriges Bestehen.
Nach wie vor feiern vor allem im deutschen Osten viele Achtklässler mit der Jugendweihe den Übergang vom Kinder- ins Erwachsenenleben. Nach wie vor tragen dann die meisten jungen Damen ihr erstes langes Kleid und wie vor 40 oder 50 Jahren steht ein Wunsch ganz oben auf der Geschenke-Liste: Geld. Doch statt dieses in den ersten Kassettenrecorder zu stecken wie zu DDR-Zeiten, heißt es heute Sparen auf den Führerschein, einen eigenen Computer oder die Jugendweihe-Abschlussfahrt nach Paris.
In diesem Jahr feierten in Dresden übrigens 2.646 Jugendliche dieses Fest, sachsenweit waren es 12.184. Feierort sind traditionell die Dresdner Comödie oder das Boulevardtheater Dresden, junge Radebeuler (2025: 142) begehen ihren großen Tag in den Landesbühnen Radebeul.
Jugendweihe hat eine lange Tradition
Initiationsfeste und Weiherituale für Heranwachsende gab es schon bei den Naturvölkern. Es war der humanistische Pfarrer und Demokrat Eduard Baltzer aus Nordhausen, der 1852 den Begriff „Jugendweihe“ prägte. Doch schon um 1835 entstanden erste freireligiöse Gemeinden, die Weihefeiern für die schulentlassene Jugend und einen darauf vorbereitenden Unterricht anboten.
Politisch wurde die Jugendweihe am 14. April 1889, als in Berlin die erste Jugendweihefeier mit proletarischem Charakter stattfand. 37 Mädchen und Jungen gelobten damals im Beisein von 1.500 Gästen, für den politischen und sozialen Fortschritt einzutreten. Das wiederum war den Machthabern ab 1933 zu viel des Guten, Jugendweihen wurden verboten. Erst 1946 wurde diese Tradition wieder aufgegriffen – und zwar deutschlandweit. Allerdings nur bis 1950, denn da stieg die junge DDR aus, wollte etwas Neues kreieren. Der freidenkerische Ansatz war der SED zu suspekt.
Das Neue trat im November 1954 als „Zentraler Ausschuss für Jugendweihe in der DDR“ mit zehn Themen zur Vorbereitung der Jugendlichen auf den Festakt sowie dem Wortlaut des ersten Gelöbnisses auf den Plan.
Der heute agierende Sächsische Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe e.V. wurde am 1. September 1990 in Dresden gegründet. Die damals beteiligten 23 Personen beschlossen die Fortführung der Idee der humanistischen Jugendweihe. Mehr als 474.000 Teilnehmer haben seitdem sachsenweit mit dem Verband ihre Jugendweihe gefeiert und rund fünf Millionen Familienmitglieder nahmen an den feierlichen Zeremonien teil. Heute zählt der Verband, der Anfang September sein 35-jähriges Jubiläum feierte, 13 Mitgliedergruppen mit rund 300 Mitgliedern und angestellten Mitarbeitern. Der Vorstand des Vereins arbeitet ehrenamtlich.
Grundlegend anders, weil ideologiebefreit
Zwei Dinge haben sich natürlich grundlegend geändert: Der verpflichtende Vorbereitungsunterricht auf die Weihe und das feierliche Gelöbnis der 14-Jährigen als Bekenntnis zum sozialistischen Staat sind längst passé. Heute ist alles freiwillig und fern jeglicher politischen Ausrichtung. Jugendweihe ist das, was es sein sollte: ein Fest der Familie zum Eintritt des Nachwuchses in die Welt der Erwachsenen.
Auf die können sich die Kids allerdings auch heute noch vorbereiten. Rund 100 (freiwillige) Kurse und Workshops sind im Heft „Navigator“ des Verbandes aufgeführt. Und statt „Weltall, Erde, Mensch“, „Der Sozialismus Deine Welt“ und „Vom Sinn unseres Lebens“ hat der Verband seit 1990 insgesamt elf ideologiebefreite Bücher herausgegeben. Der Titel des neuesten Buches trägt den Namen im Programm: (K)ein Handbuch zum Erwachsenwerden.
Für alle, die 2026 Jugendweihe feiern wollen, heißt es ranhalten und die letzten Plätze sichern. Denn schon jetzt hat die Anmeldung derjenigen begonnen, die den Eintritt ins Erwachsenenalter 2027 begehen wollen. Die Siebtklässler können sich bis zum Ende von Klasse 8 auf zwei Jahre mit vielen Kursen, Events und Reiseangeboten freuen. Der Startschuss für den Jugendweihe-Jahrgang 2027 fiel vor drei Tagen.
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