Sommerreifen für moderne Fahrzeuge: Worauf es heute ankommt

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Wer im Frühling die Winterreifen abnimmt, steht jedes Jahr vor der gleichen Frage: Reicht das Profil der alten Sommerreifen noch, oder wird es Zeit für neue? Die Antwort hängt aber von mehr als nur der Profiltiefe ab. Moderne Fahrzeuge stellen ganz andere Anforderungen an Reifen als noch vor Jahren und das merkt man spätestens beim ersten Bremstest auf nasser Fahrbahn.

Was hat sich aber verändert?

Fahrerassistenzsysteme wie ESP, ABS und automatische Notbremssysteme sind heute in nahezu jedem Neuwagen serienmäßig verbaut. Diese Systeme sind auf präzises Feedback vom Reifen angewiesen. Ein Reifen, der zu weich, zu alt oder für ein anderes Fahrzeuggewicht ausgelegt ist, kann die Systemleistung spürbar verschlechtern, selbst wenn die Elektronik einwandfrei funktioniert. Elektrofahrzeuge sind ein besonders deutliches Beispiel in diesem Zusammenhang, denn sie wiegen, auf Grund der recht großen Akkus erheblich mehr, als vergleichbare Verbrenner-Autos und ihr Drehmoment setzt sofort und ohne Verzögerung ein. Herkömmliche Sommerreifen sind dafür schlicht gar nicht ausgelegt so ein Drehmoment in so kurzer Zeit auch auf die Straße zu übertragen. Für E-Autos gibt es mittlerweile speziell entwickelte Varianten, erkennbar am „EV“-Symbol oder an Kennzeichnungen wie „Electric“ in der Produktbeschreibung. Wer sich bei der Auswahl nicht sicher ist, kann sich die frischen Sommerreifen bei ATU kaufen oder sollte dies zumindest einen der optionalen Fachbetriebe erledigen lassen, weil man dort zumindest von entsprechend geschultem Personal ausgehen kann, die bei der Zuordnung zum Fahrzeugtyp helfen und die Montage der Reifen bekommt man im Regelfall auch nicht zuhause in der eigenen Garage hin, daher kann man das alles direkt vor Ort erledigen lassen.

Die gesetzliche Grenze für die Profiltiefe ist keine Empfehlung!

Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter Restprofil. Reifenexperten und Automobilclubs empfehlen jedoch, Sommerreifen spätestens bei 3 Millimeter Profilhöhe schon auszutauschen. Unter 3 Millimetern Reifenprofil steigt die Aquaplaning-Gefahr signifikant an. Ein Reifen mit 2 Millimetern Profil ist im Regen kein „etwas schlechterer“ Reifen, es ist ein grundlegend anderes Fahren, was sich anfühlt, als würde man auf Murmeln fahren.

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Reifenlabel selbst entschlüsseln

Seit 2021 gilt in der EU das überarbeitete Reifenlabel, das nun auch Angaben zur Schneegriffigkeit und zur Reichweite bei Elektrofahrzeugen enthält. Drei Kriterien stehen aber nach wie vor im Mittelpunkt:

  • Kraftstoffeffizienz (A bis E): Ein Reifen der Klasse A spart im Vergleich zu einem der Klasse E über die gesamte Laufzeit mehrere hundert Liter Kraftstoff – das ist kein Marketing, das ist Physik. Der Rollwiderstand macht einen messbaren Unterschied im Verbrauch.
  • Nasshaftung (A bis E): Hier zeigen sich im Alltag die größten Leistungsunterschiede. Ein Reifen der Klasse A benötigt auf nasser Straße beim Bremsen aus 80 km/h bis zu 18 Meter weniger als ein Reifen der Klasse F. Das entspricht gut zwei Fahrzeuglängen – in einer Gefahrensituation ein riesiger Unterschied.
  • Geräuschentwicklung: Vor allem bei neueren Fahrzeugen mit geringerer Motorgeräuschkulisse fällt Reifenlärm stärker auf. Wer viel Autobahnkilometer fährt, sollte diesem Wert mehr Aufmerksamkeit schenken als bisher.
  • Dimension: Die richtige Reifendimension findet sich im Fahrzeugschein oder innen an der Fahrertür. Abweichungen davon können nicht nur den Tacho verfälschen, sondern auch Assistenzsysteme durcheinanderbringen, die mit den angegebenen Dimensionen kalibriert wurden.
  • Die DOT-Nummer: Auf der Reifenflanke befindlich, gibt diese Aufschluss über das Herstellungsdatum: Die letzten vier Ziffern stehen für Kalenderwoche und Jahr. Ein Reifen aus der 18. Woche 2019 trägt die Kennung „1819″. Fachleute empfehlen, Reifen unabhängig vom Profil nach spätestens sechs bis acht Jahren zu ersetzen – denn Gummi altert, auch wenn er kaum gefahren wurde.

Doch wonach wählt man eigentlich das Profil aus?

Wer hauptsächlich in der Stadt fährt, profitiert besonders von guter Nasshaftung und niedrigem Rollwiderstand. Für Vielfahrer auf der Autobahn stehen Langlebigkeit und Geräuschkomfort im Vordergrund. Sportliche Fahrer oder solche mit leistungsstarken Fahrzeugen sollten auf Hochgeschwindigkeitsindizes und Tragfähigkeitswerte achten. Am Ende ist ein guter Sommerreifen keine Ausgabe, sondern eine Investition in die eigene Sicherheit, Fahreffizienz und Fahrkomfort. Und das gilt heute mehr denn je, weil moderne Fahrzeuge das Potenzial guter Reifen inzwischen tatsächlich auch ausschöpfen können.