„Macht doch euern Dreck alleene“

König Sachsen
König Friedrich August III Sammlung Holger Naumann

Es gibt Sätze die verändern die Welt. Oder sie sind zumindest so stark, dass sie im kollektiven Bewusstsein einer Nation auf Jahrhunderte verankert bleiben. Wie zum Beispiel jener, der dem letzten Sachsenkönig zugeschrieben wird. „Macht doch euern Dreck alleene“ soll er bei seiner Abdankung am 13. November 1918 gesagt haben. Ob das stimmt ist nicht eindeutig belegt.

Was aber feststeht ist die Tatsache, dass er einen grauenvollen, teils ordinären sächsischen Dialekt pflegte. Und da dieses breite Sächsisch schon zu jener Zeit außerhalb seines Landes mit einer gewissen Dummheit und Einfältigkeit gleichgesetzt wurde, galt Friedrich August III. gemeinhin als dumm, mindestens aber als infantiler Trottel. Was übrigens noch heute oft miteinander verknüpft wird: Braucht es im Film einen Trottel, Deppen oder Lächerlichen, lässt man ihn sächsisch sprechen.

Natürlich was der letzte König von Sachsen gebildet, er hatte Abitur, Jurastudium, eine militärische Ausbildung und arbeitete sich als Prinz in Vorbereitung auf seine später Rolle als Monarch auch in die sächsische Wirtschaft und Verwaltung ein. Französisch, Latein und Griechisch sprach er fließend. Historiker und Stadtführer Christoph Pötzsch hat sich ausführlich mit dem Leben von Friedrich August Johann Ludwig Karl Gustav Gregor Philipp von Sachsen, so sein vollständiger Name, befasst. „Das war kein Dummer, ganz im Gegenteil“. So hat er sich 1910 als Katholik mit Papst Pius X. angelegt. Der hatte die Enzyklika Editae saepe geschrieben und darin Martin Luther angegriffen. „Das kam natürlich bei den überwiegend protestantischen Sachsen gar nicht gut an und weil Friedrich August III. eine Gefährdung des konfessionellen Friedens fürchtete, reagierte er ziemlich energisch. In einem Handschreiben an den Papst verwahrte er sich gegen dessen Aussagen über den Reformator und dafür zollt ihm wirklich Respekt“, sagt Christoph Pötzsch.

Weniger stark habe er sich allerdings bei der Verteidigung seiner Gemahlin Luise von Toskana gezeigt, denn die lebenslustige Frau wurde von ihrem Schwiegervater Georg ziemlich schwer gemobbt. So stark, dass sie letztlich aus Dresden floh, ihre Kinder zurückließ und auf ihre Stellung als Kronprinzessin und alle weiteren Ansprüche an das Königshaus verzichtete.

Zurück zum Satz „Macht doch euern Dreck alleene“ und der Abdankung im November 1918. „Die ist nämlich sehr bemerkenswert“, weiß Pötzsch. „Denn der König schreibt ’Ich verzichte auf den Thron’, nicht ’Ich verzichte für mich und meine Familie…’. Ist das nun im Stress passiert oder hatte er schlaue Berater, die einen Rückgriff auf den Thron offenlassen wollten?“ Was nun zu der ketzerischen Frage führt: Ist mit dieser Erklärung das sächsische Königreich überhaupt zu Ende gegangen? Christoph Pötzsch wird in seinem Vortrag am 22. Februar (16 Uhr, kath. Pfarrei Dohnaer Str. 53) diese Frage stellen und natürlich noch sehr viele weitere interessante Details aus dem Leben des letzten Königs von Sachsen zum Besten geben.

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