Geisterräder in Dresden mahnen zu Rücksichtnahme

Weißes Fahrrad an der Kreuzung Bautzner/Ecke Rothenburger Straße Foto: Una Giesecke

Geisterräder nennt eine anonyme Gruppe ihre Installationen in Dresden: An mindestens vier Stellen in der sächsischen Landeshauptstadt stehen weiße Fahrräder – ähnlich den Kreuzen am Straßenrand, die an tödlich Verunglückte erinnern – und halten das Gedenken an Radfahrer wach, die im Straßenverkehr ihr Leben lassen mussten.

Das erste Ghostbikesteht schon seit vorigem Winter an der Kreuzung Bautzner/Ecke Rothenburger Straße. Dort hatte am 8. Februar ein Lkw eine 26-jährige Radlerin erfasst, die noch an der Unfallstelle verstarb. Gegen den Beschuldigten, der die junge Frau übersehen hatte, verhängte Richter Roland Wirlitsch wegen fahrlässiger Tötung 120 Tagessätze zu je 35 Euro, insgesamt 4 200 Euro. Ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes Gutachten war zu dem Schluss gekommen, dass der Fahrer des Betonmischer-Fahrzeugs die Radfahrerin hätte wahrnehmen müssen. Hätte er den Überholvorgang abgebrochen, wäre es nicht zum Unfall gekommen. Zuvor hatte der ADFC die Stadt bereits mehrmals auf die gefährliche Kreuzung hingewiesen. Inzwischen wurde die Stelle baulich verändert und sicherer gemacht.

Auch an der Kreuzung Reicker Straße/Cäcilienstraße in Strehlen hatte ein Lkw-Fahrer einen Radler übersehen. Der 22-Jährige war bereits am 1. September 2014 tödlich verunglückt, das Gedenk-Rad tauchte vergangene Woche auf.

Zwei weitere Gedenk-Räder befinden sich an der Seidnitzer Straßenbahnhaltestelle Marienberger Straße, wo am 6. August 2015 ein Pkw-Fahrer eine 16-jährige Radfahrerin überholte, und an der Königsbrücker Landstraße in Weixdorf, wo 2015 ein 13-Jähriger starb. Die weißen Fahrräder mit Kunstblumen und den Todesdaten mahnen die Vorbeifahrenden zu Vorsicht und Rücksichtnahme.

In zahlreichen Städten Deutschlands stehen Ghostbikes an Unfallorten, ohne dass Behörden in diesen pietätvollen Gemeingebrauch des Straßenraums  eingreifen. „Wer nicht an getötete Radfahrer*innen erinnert werden will, muss dafür sorgen, dass dies nicht mehr vorkommt“, heißt es beim ADFC München.

ghostbikesdd.blogsport.de

 

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