Schüler sind keine besonderen Corona-Überträger

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Von Mai bis Oktober wurden auch Schulen in Dresden unter die Lupe genommen.

Der Ruf nach der Schließung der Schulen wird derzeit mit Blick auf die hohen Corona-Zahlen auch in Dresden immer lauter. Zu viele Schüler auf zu engem Raum, heißt es, die Gefahr sei groß, dass Schulen so zum sogenannten Corona-Hotspot werden. Denn die Schüler, so die Furcht, tragen das Virus dann in ihre Familien weiter … Aber hält diese Sicht der Realität stand? Die Ergebnisse der zweiten Phase der großen Schul-Studie der Medizinische Fakultät der TU Dresden und des Dresdner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus jedenfalls zeigen: Schulen sind keine Hotspots.

Zwischen Mai und Oktober lief die Testphase mit über 2.000 Teilnehmern an sächsischen Schulen. Neben Lehrern wurden dabei vor allem Schüler im Alter von etwa 15 Jahren auf Corona-Antikörper untersucht. Ziel war es, herauszufinden, wie viele der Getesteten tatsächlich Antikörper in sich tragen und wie sich die Ausbreitung über die Zeit verändert. Die Frage war, wie viele der Schüler und Lehrer sich während des schulischen Regelbetriebs mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. Und nun steht fest: Auch die zweite Phase dieser bundesweit größten Studie bestätigt das Zwischenergebnis der ersten Phase vom Frühjahr. Denn schon damals konnten in lediglich zwölf der über 2.000 Blutproben am Institut für Virologie Antikörper nachgewiesen werden. Und obwohl knapp die Hälfte der Schüler und 16 Prozent der Lehrer nun im Herbst vor der zweiten Blutentnahme angaben, eine Atemwegsinfektion gehabt zu haben, änderte sich diese Zahl bis zu den Herbstferien nicht, so die Wissenschaftler. Und das, während gleichzeitig die gemeldeten 7-Tages-Infektionen in Sachsen von 139 auf 245 pro 100.000 Einwohner stiegen.

Aussagen auch über die mögliche Dunkelziffer

Interessant an den Ergebnissen der Studie ist dabei nicht zuletzt, dass sie auch Aussagen über die mögliche Corona-Dunkelziffer zulassen. Denn in fünf der zwölf erwähnten Infektions-Fälle hatte es zuvor eine bekannte Corona-Virusinfektion gegeben, in sieben Fällen war die Infektion vorab nicht bekannt gewesen. Damit liegt die Dunkelziffer für die Infektion unter den Studienteilnehmern bei zwei.

Schulschließungen sind allenfalls letztes Mittel

Die Studie bestätigt also, dass das Festhalten an offenen Schulen für die Ausbreitung des Corona-Virus’ keine Gefahr darstellt. Studienleiter Professor Reinhard Berner – Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Uniklinikums Dresden: „Unsere Daten zeigen, dass es weder während der ersten Welle noch in den vier Monaten nach Wiedereröffnung der Schulen zu unerkannten Übertragungen gekommen ist und dass es keine Hinweise gibt, dass Schulen sich zu silent hotspots dieser Pandemie entwickelt haben.“

Allerdings gehen natürlich auch Wissenschaftler nun durchaus davon aus, dass mit Blick auf die aktuell stark steigenden Infektionszahlen auch mehr Schüler und Lehrer unter den Betroffenen sein werden. „Allerdings legen die Daten der Studie nahe, dass nicht die Schulen als Quelle und Ausbreitungsort der Pandemie fungieren“, macht Dr. Jakob Armann deutlich. Der Facharzt für Kinderund Jugendmedizin betreut die Studie gemeinsam mit Professor Berner. Schulschließungen seien daher allenfalls als letztes Mittel anzusehen, unterstreicht er. „Vielmehr bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, Infektionsketten in der Bevölkerung insbesondere außerhalb der Schulen zu vermeiden!“

JENS FRITZSCHE

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