
Die „Initiative Carolabrücke“ hat Planungen für eine Hilfsbrücke erarbeiten lassen /Beispiel in Berlin zeigt, dass Provisorium sinnvoll wäre
Wie lange soll Dresden ohne Carolabrücke auskommen? Geht es nach der „Initiative Carolabrücke, die sich in Dresden am 27. Januar gründete, dann soll nicht nur eine Brücke nach historischem Vorbild gebaut werden, sondern zunächst erst einmal ein Provisorium für eine schnelle Elbquerung.
Das Unternehmen SYSTEC hat sich nun im Auftrag der Initiative mit dem Thema befasst und eine Vorplanungen für eine Dresdner Hilfsbrücke vorgelegt. „Diese mit Abstand schnellste und günstigste Brückenlösung ist auch mit Blick auf die angespannten Haushaltsverhandlungen ein interessanter Lösungsvorschlag“, sagt Bertrand Zunker, einer der Sprecher der Initiative.

Ein Berliner Provisorium zeigt, wie es gehen könnte
SYSTEC schlägt eine Systembrücke für Straßenbahn, PKW- und LKW-Verkehr sowie Fuß- und Radwege vor. Das Unternehmen für die Deutsche Bahn ein sogenanntes SBK-System entwickelt, das auch bei der Carolabrücke angewendet werden könnte. „Diese SBK-Brücke ist nicht nur für große Lasten geeignet, sondern kann durch ihre Spannweite von bis zu 120 Metern die Elbe ohne zusätzliche Pfeiler überspannen.“ So eine Stahlverbundbrücke ohne zusätzliche Pfeiler wäre in einem halben Jahr genehmigungsfähig. Das bestätigt auch Arne Huhn, in der Berliner Senatsverwaltung für die Elsenbrücke zuständig: „Für die Errichtung der Behelfsbrücke war kein gesondertes Planrechtsverfahren erforderlich, da keine wesentliche Änderung der bestehenden Verkehrsanlage vorgenommen werden musste.“ Die Berliner Elsenbrücke ist dem Dresdner Problem sehr ähnlich: 2018 mussten die dortigen Brückenstränge gesperrt werden, da Spannungsrisskorrosion im Hennigsdorfer Spannstahl festgestellt wurde. Die Ersatzbrücke sei innerhalb von 15 Monaten geplant und gebaut worden. Es sei „eine kluge und vorausschauende Entscheidung, die Behelfsbrücke schon parallel zu den Abrissarbeiten zu beauftragen und herstellen zu lassen“, sagte damals Senatorin Bettina Jarasch. Nur so sei monatelanges Verkehrschaos auf beiden Seiten der Spree vermieden worden, nachdem auch der westliche Brückenteil aus Sicherheitsgründen gesperrt werden musste. Der Ersatzneubau der Elsenbrücke soll 2028, also zehn Jahre nach der Sperrung, abgeschlossen sein. „Das zeigt, dass auch ein einfacher Ersatzneubau ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen kann“, so die Initiative Carolabrücke.
Die Behelfs-Elsenbrücke in Berlin hat 18 Millionen Euro gekostet. Davon musste die Stadt Berlin nur zehn Prozent tragen, der Rest wurden durch GRW-Mittel gefördert. „Auch Dresden ist GRW-Fördergebiet“, weiß Bertrand Zunker.
Ohne Bahn geht auch das SS80-System
Würde eine provisorische Brücke ohne Straßenbahn gebaut werden, kommt nach Meinung der Initiative alternativ das SS80-System infrage,, das vom Bundesverkehrsministerium verliehen wird. In Bad Schandau wird man für den Bau der Hilfsbrücke voraussichtlich auf das SS80-System zurückgreifen und noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen. „Wir denken, dass eine Systembrücke die einzige Brücke ist, die sich Dresden zur Zeit leisten kann. Sie ist zudem die schnellste Variante.“ Auch langfristig lohne sich eine Überbrückungslösung. „Während der Standzeit einer Hilfsbrücke kann die Carolabrücke bedarfsgerecht und unter demokratischer Beteiligung geplant, finanziert und gebaut werden. Eine Brücke, die Dresdens Stadtbild mindestens die nächsten 150 Jahre prägen soll, muss weitsichtig konzipiert werden. Die Carolabrücke hat nicht nur verkehrliche Bedeutung, sondern ist auch wichtiger Baustein der Kulturstadt Dresden“, so die Initiative Carolabrücke.
Bombensuche beendet, Aufbau von Pontons startet, Gelenkstück verschollen
Inzwischen ist die Suche nach alten Bomben in der Elbe auf Neustädter Seite abgeschlossen. Insgesamt holten die Experten der Dresdner Bohrgesellschaft mbH 79 verdächtige Gegenstände aus dem Wasser. . Neben Zivilschrott wie Teilen von alten Fahrrädern, Rohren oder unkenntlichen Eisenstücken kamen auch mehrere Stabgranaten und Bombensplitter zu Tage. Die wird der Sächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst entsorgen. Die Sucharbeiten auf Altstädter Seite und in der Schifffahrtrinne laufen seit 17. März, sie werden mehrere Wochen dauern.
Anfang dieser Woche hatte der Aufbau von vier Schwerlast-Stützentürmen auf den vorbereiteten Pontons begonnen. Sie werden derzeit mit den Stützentürmen unter die beiden Brückenzüge A und B auf der Neustädter Seite, direkt unter das Gelenk II, gefahren. Das heißt, die Schwerlaststützen werden auf den Elbegrund heruntergelassen und heben danach die Pontons so an, dass die Stützentürme die Brückenunterkante erreichen und das Gelenk stabilisieren.
Die Suche nach einem Gelenk des eingestürzten Brückenzuges C ist inzwischen offiziell eingestellt worden. Die Lage des zehn Tonnen schweren Bauteils aus Stahl und Beton habe nicht ermittelt werden können. Die Elbe sei in diesem Bereich mehrere Meter tief, das Gelenkstück sei vermutlich durch die Strömung der Elbe – dem sogenanntem Geschiebe – überdeckt worden, teilte die Stadtverwaltung mit.
Ein erstes Brückengelenk war Anfang des Jahres geborgen worden.
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