Dresdens berühmteste Brücke wird wieder zur Großbaustelle: In mehreren Abschnitten wird die Loschwitzer Hälfte des weltberühmten Bauwerkes in den kommenden fünf Jahren instandgesetzt.
Rund 37,8 Millionen Euro werden in den Korrosionsschutz investiert, aber auch in die Instandsetzung von vielen kleineren und mittleren Stahlbauteilen. Die Arbeiten seien laut Baubürgermeister Stephan Kühn dringend nötig. „Durch einen Vergaberechtsstreit hatte sich der Sanierungsbeginn um zwei Jahre verzögert. Ich freue mich, dass es jetzt losgeht.“ Für den dann noch fehlenden Abschnitt auf der Blasewitzer Seite sei das Geld bereits eingeplant. Die Instandsetzung dieser Seite soll ab 2026 parallel zu den nun begonnenen Baumaßnahmen erfolgen.
Welche Arbeiten werden durchgeführt?
Das Blaue Wunder wird ab 2026 auf Loschwitzer Seite einmal komplett vom alten Korrosionsschutz befreit, von Fachleuten begutachtet und schließlich, nachdem eventuell festgestellte Schäden am Stahl ausgebessert wurden, mit einem neuen Korrosionsschutz versehen. Das Bauwerk wird damit unter der bisherigen Verkehrsbelastung für weitere 30 Jahre sicher gemacht.
Wie schon beim Mittelteil geschehen, wird zunächst ein Hängegerüst unter der Brücke aufgebaut. Später folgt eine abschnittsweise Einhausung. Darin werden, vor den Augen der Außenwelt verborgen, die Korrosionsschutz- und Stahlbauarbeiten erfolgen. Parallel werden noch die im Mai aufgemessenen maroden und bis dahin neu gefertigten Stahlbauteile gewechselt. Das wiederum ist eine Voraussetzung für die umfangreichen Gerüstbauarbeiten.
Aus statischen Gründen kann die Einhausung nicht komplett auf einmal über die gesamte Brückenhälfte gebaut werden. Deswegen ist es notwendig, insgesamt sieben Einzelabschnitte herzustellen, von denen immer zwei Abschnitte parallel bearbeitet werden. Nur der Loschwitzer Pylon wird am Ende als einzelner Abschnitt saniert.
Die Korrosionsschutzarbeiten am Loschwitzer Teil sollen ab 2026 parallel zu den nun begonnenen Baumaßnahmen (Stahlteil-Instandsetzung) starten. Als Generalunternehmer agiert das Bauunternehmen Leonhard Weiss GmbH & Co. KG.
Was bedeutet das für den Verkehr?
Für den Verkehr bleibt die Brücke offen – mit wenigen nächtlichen Ausnahmen zum Auf- und Umbau über der Fahrbahn. Der Zustand soll der bereits bekannten Verkehrsführung aus der Baumaßnahme des mittleren Abschnitts von 2022/2023 ähneln. Der motorisierte Verkehr wird in die Brückenmitte verlegt, damit an den Seiten der Fahrbahn gearbeitet werden kann. Radfahrer und der öffentliche Nahverkehr können die Brücke weiterhin wie gewohnt nutzen. Fußgänger können das Bauwerk über den Fußweg auf der elbabwärts gelegenen Seite überqueren. Zu Beginn der Baustelleneinrichtung wurde der Elberadweg am nördlichen Elbufer bereits so angepasst, dass während der Bauzeit eine Durchfahrt unter der Brücke möglich bleibt.
Prüfung einer alternativen Elbquerung erst ab 2050 sinnvoll
Die Arbeit und das Geld, die jetzt ins Blaue Wunder fließen bzw. in den letzten Jahren geflossen sind, sollen das stählerne Bauwerk für die nächsten 30 Jahre fit machen. Eine Standortsuche und -bewertung für mögliche alternativen Brückenstandorte ist nach Aussage der Stadt erst in etwa 20 bis 25 Jahren sinnvoll, wenn die Frage einer erneuten Sanierung versus Neubau erneut betrachtet werden muss. Denn heute wisse keiner, wie sich Verkehrsaufkommen und gesetzliche Vorschriften entwickeln und ändern. Demzufolge seien entsprechende Untersuchen aktuell nicht zweckmäßig und vor allem angesichts der städtischen Haushaltlage auch nicht finanzierbar. Fakt ist: Die Verkehrsmenge auf dem Blauen Wunder ist seit 2009 bis heute um 33 Prozent gesunken – von 34.000 Kfz auf aktuell 23.000 Kfz. Wie sich die Verkehrszahlen bis 2050 und darüber hinaus entwickeln, bleibt abzuwarten.