Vom Schaf zur Stricksocke

Kinder- und Jugendbauernhof
Sylvia Jeschke am Spinnrad. Fotos: Pönisch

Zu Besuch auf dem Kinder- und Jugendbauernhof Nickern e.V., wo eine Gruppe talentierter Frauen mit Spinnrädern, Handwebstühlen, Strick- und Häkelnadeln hantiert.

Spinnräder sind leise Arbeitsgeräte. Zumindest jenes, an dem Elke heute Schafwolle zu Garn verspinnt, gibt keinen Mucks von sich. Die beiden Handwebstühle sind da schon etwas geräuschvoller in der Bedienung, doch leider sitzt gerade niemand davor.

Trotzdem geht es natürlich nicht still zu in dieser fröhlichen Runde, in der sich montags bis zu acht handarbeitsaffine Frauen zusammenfinden. Sie kommen dafür extra aus Bannewitz, Omsewitz, Laubegast oder Johannstadt. Nur Doris wohnt nur wenige Gehminuten entfernt in Kauscha. Weben, spinnen und Nadeln schwingen eint sie. Und so klappern an jenem Montagnachmittag Ende Februar hier auch einige Nadelspiele und zwei der sechs anwesenden Damen agieren routiniert mit ihren Häkelnadeln. Zum Beispiel Angelika, die aus hellblauem Garn gerade etwas Rundes häkelt, aus dem später ein Osterküken werden soll. Doris und Sibylle wiederum stricken einfache Rechtecke, die von Kinder  bei späteren Bastelnachmittagen in niedliche Osterhasen umgeformt werden. Beate hat Socken auf ihrem Nadelspiel und Sylvia hantiert mit fünf Stricknadeln an einem größeren Projekt.

Kinder- und Jugendbauernhof

Zurück zu Spinnrädern (es gibt sechs davon) und den zwei Webstühlen. Die Wolle, die an diesen Geräten verarbeitet wird, stammt von den Schafen, die auf dem Kinder- und Jugendbauernhof leben. 38 sind es derzeit und natürlich liefern sie viel mehr Wolle, als die Frauengruppe je verarbeiten könnte. Überhaupt: Bevor die handgestrickten Socken oder handgewebten Läufer verschenkt oder bei den Hoffesten zum Kauf angeboten werden, ist eine Menge Arbeit zu erledigen. „Das beginnt schon beim Waschen und Trocknen der Rohwolle“, klärt Elke. Die wird in großen Zinkwannen in Wasser eingeweicht und immer wieder gedrückt, um den Schmutz herauszuwaschen. Sind die Wollklumpen getrocknet, werden sie in der Kardiermaschine bearbeitet und ergeben danach einen flauschig weichen Flor. Der wird (naturbelassen oder mit Naturfarben eingefärbt) zu einem hauchdünnen Faden versponnen und erst wenn zwei dieser Fäden wiederum zu einem gedreht sind, ergibt sich die Strickwolle, die von den Frauen oft in Socken verwandelt werden. Und weil Selbstgestricktes gerade wieder sehr im Trend ist, verkaufen sich selbige zum Beispiel zur Walpurgisnacht oder beim Hoffest im September sehr gut. „Wir nutzen aber auch Rohwolle zum Filzen, das ist bei den Kindern hier sehr beliebt“, sagt Sylvia, die zu den Gründern des Kinder- und Jugendbauernhofes gehört und das Werden und Wachsen dieser Idylle in Kauscha am Rande der Großstadt schon seit über 30 Jahren begleitet.

Bleibt die Frage: Wo lernt man eigentlich weben und spinnen? Elke und Sibylle zum Beispiel haben VHS-Kurse und Kurse beim Dresdner Künstlerpaar Havekost besucht.  Beate hat es im „Haus Spinnwebe“ in Kottmar bei Eibau gelernt und Angelika ist zur Gruppe gestoßen, weil sie unbedingt wissen wollte, wie Wolle gewaschen wird.

Wer die Frauen und ihre Fingerfertigkeiten kennenlernen will, hat dazu beim nächsten Walpurgisfest am 30. April Gelegenheit. Dann ist Trubel auf dem Hof und bestimmt werden sich auch Spinnräder drehen.