Sieben Könige regierten Sachsen zwischen 1806 und 1918. Einer war so schwach, dass eigentlich sein Neffe regierte. Der brachte Sachsen vor 195 Jahren die erste Verfassung und dem Land sehr viele Reformen.
Das Königreich Sachsen existierte von 1806 bis 1918. Es entstand in den napoleonischen Kriegen und zerfiel nach dem Ersten Weltkrieg in den Wirren der Revolution.
Sieben Könige herrschten in diesen 112 Jahren. Doch wer waren diese sieben Könige? Welche Geschichten – tragische, komische oder auch spannende – verbergen sich hinter ihrer Geschichte? Wer war für Sachsen der bedeutendste König und welcher wäre besser gar nicht erst angetreten? Antworten darauf gibt Historiker Christoph Pötzsch in seiner Führung am 15. März.
Einer starb, einer war ein Komplettausfall und einer ein echter Reformator
Wenn schon die Kurfürsten von Sachsen spannende Zeitgenossen waren, dann gilt das natürlich auch für die sächsischen Könige. Der erste war Friedrich August I. (1750-1827). Als Sachsen 1806 gedemütigt, aber immerhin nicht komplett geplündert aus den Napoleonischen Kriegen herausging, war er zwar erst 56 Jahre alt, aber mental kaum noch handlungsfähig, weil er meinte, Sachsen in die Krise geführt zu haben. Immerhin musste er als Strafe für das Bündnis mit Napoleon die Hälfte des sächsischen Territoriums an Preußen abgeben. Was für eine Schmach! Nicht nur für das Land, sondern auch für den ersten sächsischen König.
Als er 1827 starb, rückte sein Bruder Anton Clemens Theodor Maria Joseph Johann Evangelista Johann Nepomuk Franz Xaver Aloys Januar von Sachsen als Anton I. (1755-1836) nach. „Der war aber eigentlich ein Totalausfall, hatte keinerlei staatsmännische Erfahrung und so gar keine Machtbestrebungen“, weiß Christoph Pötzsch. Die Folge: Die zu lösenden politischen Probleme häuften sich. Die Landwirtschaft war durch ihr Pfründesystem noch immer mittelalterlich, Schulbildung gab es nur auf dem Papier und Sachsen war insgesamt ziemlich verkommen. Doch Anton I. wollte nicht zurücktreten, wie es ihm seine Berater rieten. Er wollte König bleiben. Immerhin ließ er sich auf einen Kompromiss ein: Er blieb im Amt und konnte sein Gesicht wahren, während er seinen Neffen Friedrich August (1797-1854) aus Ermangelung eigener Kinder ab 1830 als Mitregenten akzeptierte.
Bis zum Tode Anton I. gab es quasi eine Doppelspitze in Sachsen – einen nominellen König, der nichts mehr tat, und einen künftigen König, der schon Vollmachten zum Mitreden hatte. „Und der machte sich sofort ans Werk“, sagt Historiker Pötzsch. „Er reformierte die Landwirtschaft, führte die Schulpflicht ein und erließ am 4. September 1831 die erste geschriebene Verfassung Sachsens.“ Die galt dann übrigens bis zur Auflösung der Monarchie 1918 und sie war maßgeblich dafür, dass in kürzester Zeit die feudalistische Ordnung überwunden wurde. „Es gab von da an Berufs- und Gewerbefreiheit, Eigentum an Produktionsmitteln und Privatvermögen wurde möglich, die Rechtsprechung vereinheitlicht und Freizügigkeit und Willkürverbot in allen Rechtsgebieten eingeführt.“
Leider war Friedrich August II. keine allzu lange Regentschaft vergönnt. Während einer Reise in Tirol verunglückte sein Wagen in Karrösten, wobei der König stürzte und einen tödlichen Tritt eines Pferdes gegen den Kopf erhielt.
Führung „Sieben sächsische Könige“: 15. März, 14 Uhr, Treff am Georgentor/Schlossplatz, begrenzte Teilnehmerzahl, da auch die Gruft besucht wird, deshalb zeitig am Treff sein
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