Canaletto, der erste Stadtfotograf

Canaletto
Foto: Pönisch

Wer heute am Neustädter Elbufer unterhalb vom Hotel Bellevue steht und durch den roten Rahmen blickt, hat genau dieses Stadtbild vor Augen, das der Maler Canaletto 1748 malte. Offiziell heißt es ja „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“, aber fast jeder nennt es nur den „Canalettoblick“.
Heute hängt dieses weltberühmte Werk in der Gemäldegalerie Alte Meister und trägt die Galerienummer 606. Man kann sogar soweit gehen zu sagen: Wann immer es um die barocke Pracht dieser Stadt geht, drängt sich dieses Gemälde vors geistige Auge. Und nicht nur dieses: Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, geboren 1722 in Venedig, ist quasi in seiner Dresdner Zeit zum Stadtchronisten geworden.

Ein Stadtfotograf ohne Kamera

„Canaletto war der erste Stadtfotograf, lange bevor Fotoapparate erfunden wurden“, sagt der Dresdner Geschichtsexperte Christoph Pötzsch. Von keinem deutschen Stadtbild im 18. Jahrhundert gäbe es eine so deutliche und getreue Vorstellung wie von Dresden. „Seine Bilder haben bis heute eine ungeheure Wirkmächtigkeit.“ Sie hätten sich quasi im Dresdner Langzeitgedächtnis festgesetzt, seien emotionaler Kompass der Menschen, Handlungsanweisungen und Maßstab bis heute. „Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt nach 1945 hätte anders ausgesehen ohne das künstlerische Vermächtnis dieses Mannes“, ist sich Christoph Pötzsch sicher.

An dieser Stelle sei allerdings Friedrich August II. gedankt. Denn es war der kunstbegeisterte Sohn August der Starken, der um 1747 einen Vedutenmaler suchte, also einen, der Stadt- und Landschaftsansichten beherrschte. Er fand ihn im damals 25 Jahre alten Canaletto, der sich von jährlich 1.750 Talern Grundgehalt (40 mal so viel wie ein normaler Beamter verdiente) plus Entlohnung für jedes Gemälde überzeugen ließ.

Stimmt das Abbild auch wirklich?

Kommen wir zurück auf das wohl berühmteste Bild „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“. Was vielleicht erst auf den zweiten Blick auffällt, ist der Turm der Hofkirche. Der zeigt sich eingerüstet, also noch im Bau befindlich. „Doch da hat Canaletto getrickst, denn als er das Bild malte, stand nur das Kirchenschiff der Hofkirche, den Turm gab es noch gar nicht“, weiß Christoph Pötzsch. Was also tat der Maler? „Er besorgte sich die Baupläne, malte danach den Turm und rüstete ihn ein, falls sich im Bauverlauf Details ändern sollten.“ Ziemlich clever, doch längst nicht die einzige künstlerische Schummelei…

Erwähnenswert sei außerdem der Fakt, dass auch Heinrich Graf Brühl ungeheuer viel Gefallen an den Werken Canalettos hatte, so dass dieser vom ersten Auftragswerk oft noch eine Doublette für Brühl anfertigte. Und weil das zeitlich eben hinter dem jeweiligen Erstlingswerk stattfand, lassen sich heute noch winzige Unterschiede entdecken. Zum Beispiel beim zweiten Bild „Dresden vom rechten Elbufer…“, auf dem der aufmerksame Betrachter in der linken oberen Ecke ein Brühlsches „Belvedere“ entdeckt, das 1748 dort noch nicht gebaut war.

Historische Standorte, Blickachsen und steinerne Biografien

Natürlich ist im Laufe der Jahrhunderte viel von der historischen Bausubstanz Mitte des 18. Jahrhunderts verloren gegangen. Nicht nur der letzte Krieg hat daran schuld, sondern auch jene Epoche zwischen 1870 und 1905, in der Barock verpönt war und abgerissen wurde. Das wiederum hat die Neugier von Christoph und Heidi Pötzsch geweckt. Wo hat Canaletto einst gestanden, als er seine Bilder malte? Was konnte er damals genau betrachten und wo hat er durch Weglassen Blickachsen geschaffen, die es so gar nicht gab? Wo genau standen einst die legendäre Alte Hauptwache, der Malsaal, der Turm des Wilsdruffer Tores? „Wir haben das anhand der Gemälde genau ausgerechnet und von da aus fotografiert, um exakt vergleichen zu können.“ In einem neuen Bildvortrag werden die beiden Kenner der Dresdner Stadtgeschichte ihr Wissen preisgeben.

Bildvortrag „Canalettos Sicht auf Dresden – Ein Vergleich mit dem heutigen Stadtbild“, 19. Oktober um 16 Uhr, Pfarrhaus der kath. Pfarrei Dresden-Strehlen, Dohnaer Str. 53, Eintritt 10 €
www.historisches-dresden.de

DAWO verlost 2×2 Tickets für den Vortrag am 19.10. ab 16 Uhr.  Teilnahme per Kommentar unter diesem Beitrag bis zum 15. Oktober 2025, 12 Uhr.

Veranstalter des Gewinnspiels ist die DAWO! (MVD Medien Vertrieb Dresden GmbH, DAWO!, Ostra-Allee 20, 01067 Dresden). Teilnahmebedingungen: Es gelten die Allgemeine Bedingungen für Gewinnspiele, die Sie hier abrufen können. Datenschutzhinweis: Ihre personenbezogenen Daten verarbeitet die DAWO! für die Gewinnspielteilnahme. Unsere ausführlichen Datenschutzhinweise finden Sie hierWiderspruchsrecht: Wenn ich der Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten für die Gewinnspielteilnahme widersprechen oder eine erteilte Einwilligung widerrufen möchte, genügt jederzeit eine kurze Nachricht per E-Mail an info@dawo-dresden.de oder MVD Medien Vertrieb Dresden GmbH, DAWO!, Ostra-Allee 20, 01067 Dresden.

31 Kommentare

  1. Eine großartige Idee, dieser spannenden Frage nachzugehen! Da wäre ich mit meiner ebenso an Kunst und Stadtgeschichte interessierten Kollegin wirklich gern dabei!
    Danke für den aufschlussreichen Artikel.

  2. Ein Berliner wie ich geht natürlich fest davon aus, im Zentralgestirn der Welt, oder doch wenigstens Deutschlands zu leben. Meine Liebste begann jedoch nachhaltig diesen hübschen Nimbus zu ruinieren. Zm Besipiel mit Ruinen. Ruinen die keine mehr sind. Ehrlichgesagt bin ich fassungslos gewesen und irgendwie bin ichs noch, über das was Ihr Dresdener geleistet habt. Und immer noch leistet. Aus nem Trümmerhaufen das zu errichten. Ich bin dabei. Ob mit der Einladung der DAWO oder ohne. DAS schau ich mir an. Bis dahin seien alle Dresdener oder Wahldresdener herzlich gegrüsst von Jakob. (mit drei von vier Füssen in Dresden)

  3. Der Vortrag klingt sehr interessant!
    Vielen Dank für diesen Hinweis!
    Wir sehen uns im Veranstaltungssaal

  4. Mein Vater ist sehr an der Stadtgeschichte von Dresden interessiert. Ich würde den Vortrag gern mit ihm anschauen.

  5. Wir sind Vortragsfans und oft deswegen in Dresden und Umgebung unterwegs, und das Thema ist sehr interessant

  6. Ein herrlicher Blick. Der Vortrag würde uns sehr interessieren. Bei meiner Geldkarte hatte ich mir genau dieses Motiv herausgesucht. Das darf jetzt weltweit mitreisen

  7. Es war für mich ( Ur-Dresdnerin) und meinen Partner (aus Niederbayern- seit Frühjahr diesen Jahres Dresdner!!) ein wunderschöner 01.Mai- genau an diesem Ort- Sandsteinbank vor wundervoller Stadtansicht.
    Wir sind beide große “ Fan’s“ unserer Stadt und der Vortrag wäre eine tolle Bereicherung an Wissen.

  8. Dresden bietet so viel Historisches . Interessant ist es einen Blick darauf zu haben und mehr von der Dresdner Stadtgeschichte zu erfahren.

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