Matthaeus Daniel Pöppelmann: Keiner prägte Dresden so wie er

Zwinger
Der Dresdner Zwinger ist bis heute neben der Frauenkirche am Neumarkt das bekannteste Wahrzeichen Dresdens. Foto: Pönisch

Schadensanalysen erarbeiten, Kostenvoranschläge aufstellen und prüfen, Material beschaffen, Arbeitskräfte einstellen und die Bauleitung vor Ort übernehmen – das Kurfürstliche Oberbauamt in Dresden war schon im 17. Jahrhundert eine außerordentlich umfangreiche Behörde. Wo andere Fürstenhäuser sich ein oder zwei Hofarchitekten leisteten, wurde in Dresden längst viel größer gedacht und gebaut.

Bevor Matthaeus Daniel Pöppelmann zum wahrscheinlich größten Baumeister aufstieg, den Sachsen je hatte, wäre er in diesem Oberbauamt jedoch beinah verloren gegangen. Er war gerade 18 Jahre alt, als er 1680 nach Dresden kam. Bauen war da offenbar längst seine große Leidenschaft und in der Residenzstadt war diesbezüglich viel los. Doch irgendwie verschwand dieser junge talentierte Mann zunächst in jener großen Behörde, blieb sechs Jahre lang unbezahlte Hilfskraft und wurde erst 1686 zum Baukondukteur befördert. Seinen Lebensunterhalt verdiente er dann erst einmal damit, schicke Bürgerhäuser zu bauen. Wie es damals üblich war, musste er sich dafür jedes Mal verschulden, denn erst beim Verkauf der Häuser floss Geld in seine Taschen. „Pöppelmann hat damals sehr gelitten“, erzählt Stadtführer Christoph Pötzsch, „denn um 1687 beantragte er auch eine Konzession zum Alkoholausschank. Er wollte also Kneiper werden.“

Zum Glück wendete sich das Blatt. 1705 wurde Pöppelmann Landbaumeister, 1718 schließlich zweiter Oberlandbaumeister. Da galt er längst als Liebling August des Starken, konnte seinen Einfallsreichtum entfalten und die besten Bildhauer des Hofes heranziehen. Der sächsische Kurfürst schickte seinen Baumeister sogar auf Studienreise nach Prag, Wien, Florenz, Rom und Neapel (1710) sowie Frankreich (1715), damit jener sich möglichst vieles von der Pracht der anderen Höfe anschauen und das Beste davon in Dresden umsetzen möge.

Vom Zwinger bis zur Kirche mit eigener Gruft

Pöppelmanns Meisterwerk ist zweifellos der Dresdner Zwinger, den er gemeinsam mit dem Bildhauer Balthasar Permoser schuf. Dieser Prachtbau, in dem 1719 vier Wochen lang die Hochzeit des Kurprinzen Friedrich August mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha gefeiert wurde, ist noch heute das weltweit bekannte Wahrzeichen der Elbmetropole.

Im Laufe der Jahre kamen immer weitere Prachtbauten nach Pöppelmanns Entwürfen dazu – so das Japanische Palais, das Coselpalais, das Dinglingerhaus am Jüdenhof sowie die Häuser Rampische Straße 19 und 33 in Dresden, außerdem Schloss Pillnitz, die Schlossanlage Großsedlitz, das Schloss und Hofgestüt Graditz, die Dresdner Augustusbrücke und der Umbau des Jagdschlosses in Moritzburg. Der Oberlandbaumeister im sächsischen Oberbauamt war aber auch für alle profanen Staatsbauten wie Deiche, Straßen oder Brücken verantwortlich, ließ u.a. Brücken in Grimma, Nossen und Waldheim bauen. Doch auch die Schmuckarchitektur rund um das größte Weinfass Europas auf der Festung Königstein und ein überdimensionaler Stollenofen für das „Zeithainer Lustlager“ gehen auf seine Entwürfe zurück.

Kurzum: Pöppelmann prägte mit seinen Bauten das Land. Dabei blieb er immer ein sozial eingestellter Mensch. Wenn August der Starke mal wieder kein Geld für die Arbeiter (zum Beispiel beim Bau des Zwingers) zahlen wollte, streckte Pöppelmann den Lohn aus eigener Tasche vor. Für die Kirchgemeinde Dresden-Friedrichstadt baute er für sehr kleines Honorar eine Kirche an der Friedrichstraße – mit der Bitte, seine Gruft dort einbauen zu können. Seit 290 Jahren, genauer seit 17. Januar 1736, ist er hier begraben.

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