Radkonzept fehlt seit elf Jahren

Ungeräumte Radwege wie hier am Neustädter Bahnhof im vergangenen Winter gehören hoffentlich nicht mehr lange zum halsbrecherischen Radfahreralltag in Dresden. Foto: Una Giesecke

Radfahrer in Dresden sind Kummer gewohnt. Im Winter, wie er an diesem Dienstag noch einmal zurückkehrte, bleibt Schnee auf den Radwegen nicht nur liegen, sondern häuft sich sogar mancherorts dank Räumdienst darauf noch tagelang an.
Obwohl der Durchschnitts-Dresdner 17 Prozent aller Stadtfahrten auf dem Drahtesel absolviert, wartet er seit elf Jahren auf das vom Stadtrat beauftragte Gesamtkonzept für den Radverkehr. „Geplant ist, die Vorlage bis zur Sommerpause 2016 den Gremien des Stadtrats zur Verfügung zu stellen“, antwortete Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain auf DAWO!-Anfrage.
Einer der wenigen, die wie er den Entwurf bereits kennen, ist Nils Larsen, Stadtchef des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ADFC. Er hält die ausgewiesenen Haupt- und Nebenrouten für eine seriöse Planungsgrundlage. „Der Ansatz ist gut, entscheidend bleibt der Umgang damit“, mahnt er eine überfällige Umsetzung an. Denn in der Sachsenhauptstadt existieren im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten „zu viele Gefahrenstellen für Radler, manche Stadtteile sind nur über schlechte Wege zu erreichen.“
An fehlenden Mitteln liegt das erstaunlicherweise nicht. „Wir wissen, dass das Geld für Radverkehrsanlagen seit Jahren nur zu einem Bruchteil ausgegeben wird“, so Larsen. Auf Anfrage des Grünen-Stadtrates Johannes Lichdi bestätigte das Rathaus, dass 2014 wie in den Vorjahren in ähnlicher Größenordnung die eingestellten 1,5 Millionen für Gehwege und 1,65 Millionen für Radwege nicht verbaut wurden.
Das Straßenbauamt schiebt dies auf den Personalmangel an Planern. Daher fordert der ADFC jetzt ein Rathausbüro mit bis zu fünf Mitarbeitern, die sich nur um den Radverkehr kümmern, anstelle der derzeitigen Fahrradbeauftragten Nora Ludwig, „die eine rein repräsentative Rolle spielt, keine Verantwortung, kein Vetorecht in der Straßenbauplanung und auch keine Mitarbeiter hat“, moniert Nils Larsen.

Rathaus reagiert

Tatsächlich ist seit dem Unfalltod der 26-jährigen Radlerin an der Kreuzung Bautzner/Rothenburger Straße am 8. Februar nzwischen etwas Bewegung in die Sache gekommen. Denn der ADFC hatte seit zwei Jahren vor der Gefahr gewarnt, dass die Spur an der Kreuzung faktisch endet. Der Abschnitt bis zur Glacisstraße soll 2017 ausgebaut und mit neuen Radverkehrsanlagen versehen werden. Nun drängte der Bauausschuss an diesem Mittwoch darauf, dass zumindest diese Unfallstelle schneller entschärft werden soll.
Zu weiteren Unfallschwerpunkten und Gefahrenstellen für Radfahrer und Fußgänger gehören aus Sicht der DAWO!-Redaktion neben der Bautzner Straße in Höhe Brockhausstraße oder Mordgrundbrücke auch die fehlende Markierung für die aus Not entstandenen Begegnungen auf den Fußwegen von Blauem Wunder und Marienbrücke oder die Kreuzungen Meißner Landstraße/Cossebauder Straße und Bodenbacher/Marienberger Straße.

Welche Gefahrenstellen kennen Sie und wie könnten diese unkompliziert entschärft werden? Hinterlassen Sie einen Kommentar oder diskutieren Sie mit auf: facebook.com/dawodresden.de

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