Dresdner Schüler entdecken ihre Stärken für Berufswahl

Um Rollenspiele und Perspektivwechsel geht es an der Station „Bühne“. Foto: Luise Schäl

Die Eltern sind ausgegangen – Startschuss für die Party. Im Ergebnis ist die Bude verwüstet. Nun müssen die Schüler an der Station „Sturmfreie Bude“ das Chaos beseitigen. Dabei erfahren sie, dass nicht nur in der Berufswahl, sondern auch im Alltag unterschiedliche Stärken gefragt sind und wie sie Probleme selbstständig lösen können.
Dresdner Kinder und Jugendliche nahmen am Projekt „Komm auf Tour – meine Stärken, meine Zukunft“ teil. An vier Tagen im April war in der Johannstadthalle ein Erlebnisparcours aufgebaut, der sie auf verschiedene Berufsfelder hinführte.
Auf Station „Sturmfrei“ galt es nun, Betten zu machen, Blumen wieder einzupflanzen oder den verstopften Abfluss zu reparieren. Dabei kommen Kondome ans Licht – Anlass für eine Debatte mit dem „Reiseleiter“ genannten Stationsbetreuer zum Thema Verhütung mithilfe der TV-Loveline-Beratung.
Möchte ich eine Familie, Haus und Kinder? Mit diesen Fragen setzten sich die Jugendlichen im Zeittunnel auseinander. Dort wies der Reiseleiter sie darauf hin, dass es auch Perspektiven gibt, die sie nicht erwartet hätten. Zunächst ging es um Familienplanung, bald wurde über geschlechteruntypische Berufe gesprochen.
Hast du den grünen Daumen oder hilfst du gern anderen? Solche Fragen stellt „Komm auf Tour“, damit Schüler „sich früher mit dem Berufswunsch beschäftigen und um die Zahl der Schulabbrüche zu verringern“, sagt Egbert Röhm, Geschäftsführer der Theegarten-Pactec GmbH. Da junge Leute „oft keine Ahnung haben, was sie mal werden wollen“, möchte er sie auf seine Firma aufmerksam machen. Die Unterstützung seines und anderer Unternehmen sei also „reiner Eigennutz“.

Ihr seid die Zukunft

„Die Arbeitgeber suchen euch, ihr seid die Zukunft“, bestätigte Kirstin Klaudia Kaufmann, Dresdner Beigeordnete für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Wohnen. Sie forderte die Schüler auf, sich mehr mit dem Leben nach der Schulzeit zu beschäftigen. „Es ist egal, woher jemand kommt, es ist wichtig, wohin jemand geht.“In der Johannstadthalle waren es am ersten Tag Siebt- und Achtklässler, die am Reiseterminal standen, wo „Futuro“, ein Mensch aus der Zukunft, den Rap 2020 spielte. In Gruppen von rund 15 Personen durchliefen sie die sieben Stationen. An allen standen Reiseleiter bereit, um den Jugendlichen zu helfen, ihre Aufgaben zu erledigen und Fragen zu beantworten.Je nach Lösung und Herangehensweise erhielten die Schüler farbige Aufkleber, die für bestimmte Stärken und Tätigkeitsbereiche stehen. Hatten sie beispielsweise Fantasie bewiesen, bekamen sie einen orangefarbenen Aufkleber; wer gut rechnen konnte und viel am Computer spielt, erhielt einen gelben. Insgesamt gibt es sieben Stärkenfelder.

Im Labyrinth beschäftigten sich die Schüler mit dem Thema Orientierung, fanden heraus, wie man aus scheinbar ausweglosen Situationen herauskommt, Entscheidungen trifft und sich Hilfe holt. Im Anschluss setzten sich die Schüler mit dem Reiseleiter zusammen, der erklärte, dass „jeder gern hilft, man muss nur auf sich aufmerksam machen“.

Da „das Leben manchmal wie eine Bühne ist“, beschäftigten sie sich an der Station Bühne mit dem Thema Rollen- und Perspektivwechsel. Dort fanden sie in kleinen Rollenspielen aus Alltagssituationen heraus, wie sie neue Herausforderungen meistern können.Am trafen sich alle unter dem Lebensmobile wieder, wo sie ihreEnde wurden die gesammelten Stärkepunkte gezählt. In dem jeweiligen Stärke-Schrank, von dessen Farbe sie die meisten Aufkleber in ihrem Logbuch hatten, war eine Materialcollage zum dazu passenden Arbeits- und Alltagsleben zu entdecken. So fanden die Schüler heraus, welche Berufe in dieses Feld gehören., und überlegten, ob diese zu ihnen passen könnten oder nicht. Die Reiseleiter motivierten die Jugendlichen, auch in andere Schränke zu schauen, um herauszufinden, welcher sie am meisten interessiert.
Wer ein Berufsfeld gefunden hatte, mit dem er sich identifizieren konnte, den erwartete an der Informationsstelle ein Flyer mit verschiedenen darin tätigen Betrieben. „Komm auf Tour“ will mögliche Ängste vor der Zukunft nehmen. „Das ist mehr als blanke Berufsberatung, die Schule schafft das allein nicht“, lobt Andreas Finke von der Agentur für Arbeit. Es unterstütze junge Leute in der Wahl der Praktikumstelle und in der späteren Berufswahl.

Mithilfe der zwei großen Schirmherren, der Agentur für Arbeit Dresden und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kurz BZgA, sowie vieler Sponsoren hatte das Sinus-Büro für Kommunikation die Stationen in der Johannstadthalle aufgebaut. Das Projekt wurde 2006 infolge einer Wettbewerbspräsentation in Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen. Die BZgA hatte die Aufgabe gestellt, einen Mitmachparcours mit Stationen zu entwickeln, die durch einen Handlungsstrang miteinander verbunden sind. Nach der Premiere in Dresden tourt das Projekt jetzt durch viele Städte durch ganz Deutschland.
Luise Schäl

http://www.komm-auf-tour.de

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