Bitterböse Tragikomödie „Toni Erdmann“

Ein ungleiches Paar: Karrierefrau Ines (Sandra Hüller) und ihr Vater (Peter Simonischek) Foto: Komplizen Film

Der Stern platziert den in Cannes gefeierten „Toni Erdmann“ von Maren Ade unter die Top Five seiner Kinocharts: Die Satire mit dem österreichischen Burgtheaterschauspieler Peter Simonischek als verrücktem Vater sahen bisher 75.000 Zuschauer.
Der sozialromantische Alt-68er mit gewöhnungsbedürftigem Helge-Schneider-Humor taucht nach dem Tod seines geliebten Hundes spontan in einer Bukarester Hotel-Lobby auf, wo seine Tochter als knochentrockene, knallharte Unternehmensberaterin im Outsourcing arbeitet. Daher macht Karrierefrau Ines gute Miene zum bösen Spiel des mit Scherzgebiss und Perücke als Coach auftretenden Jeansträgers und schleppt ihn mit zu Empfängen und Baustellenbesichtigungen.

„Wie herrlich ist es, nichts zu tun
Und sich dann davon auszuruhn.“      
Toni Erdmann

Doch welch verrückte Nummer der einsame Erzschelm auch aufführt – ohne sie übrigens konsequent durchzuziehen, denn immer wieder fällt der Papa mit ernsthaften Anmerkungen zum fragwürdigen Leben seiner Tochter aus der Rolle –, sie spielt ihn gnadenlos an die Wand. Sandra Hüller dominiert die knapp drei(!) Leinwandstunden so nachhaltig mit ihren streng nach unten zeigenden Mundwinkeln, dass man die eigenen danach kaum wieder hochbekommt. Zu traurig ist der dekadente Neoliberalismus, zu kalt und inhaltsleer die bespöttelte Businesswelt.

Schauburg, PK Ost, Kino in der Fabrik

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