120 Millionen teurer Kunstschatz kommt bis 2021 ins Blockhaus

Egidio Marzona Foto: Una Giesecke

Egidio Marzona, einer der weltweit bedeutendsten Sammler der Moderne, hat seine Schenkung an Dresden besiegelt. Nach der ersten öffentlichen Absichtserklärung im Juni dieses Jahres (DAWO! berichtete) folgten Monate des Sichtens, der Bestandsaufnahme und Vertragsprüfung. Am Dienstag nun wurde die Gabe offiziell.

Der 72-jährige Marzona, ein Bielefelder Fabrikanten-Erbe und Verleger mit italienischen Vorfahren, überlässt den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) sein Archiv der Avantgarden (AdA), dessen Wert auf 120 Millionen Euro beziffert wird. Seit den Sechzigern hat er sich auf das 20. Jahrhundert spezialisiert.

Neben all dem Drumherum wie Werbung, Kataloge, Briefe, Skizzen oder Filme, die ein Kunstwerk erst in seiner Gänze bilden und begreiflich machen, enthält das Riesenkonvolut auch Gegenständliches wie Gemälde, Skulpturen oder Designerobjekte, insgesamt 1,5 Millionen Stücke, darunter allein rund 1.000 Kunstwerke und 4.000 Ordner. Die Sammlung umfasst große Namen der Moderne vom Jugendstil bis zu den Ismen der Achtziger, darunter Max Ernst, Picasso, Mondrian, El Lissitzky oder Hans Arp. „Das ganze Archiv kann man wie eine Matrix sehen“, freut sich SKD-Chefin Marion Ackermann. Auch Kunstministerin Eva-Maria Stange dankte dem Spender für die Großzügigkeit.

Einen Haken hat die Sache freilich. Bedingung des Gönners ist, dass die Sammlung öffentlich zugänglich gemacht wird. Bis 2021 müssen dafür rund 20 Millionen Euro in den Umbau des Blockhauses auf der Neustädter Seite der Augustusbrücke fließen. Denn dort sollen dann neun zusätzliche Fachkräfte die Sammlung betreuen, sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich am 22. Juni vor Journalisten und bedankte sich für die Entscheidung für Dresden.

Egidio Marzona begründete diese so: „Ich hatte den starken Wunsch, den richtigen Ort zu finden, denn einige der Künstler kannte ich persönlich. Ich möchte das Bürgertum hier unterstützen und ein Beispiel geben für Engagement für die Weiterentwicklung der Kultur in dieser Stadt.“ Ihm gehe es um einen offenen Ort, an dem nicht nur Wissenschaftler, sondern auch normale interessierte Bürger sich tiefer mit Kunst auseinandersetzen können.

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