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Maßarbeit in Mikrometern mit guten Jobaussichten

Als angehender Zerspanungsmechaniker lernt André Neuhaus vor allem, wie er Maschinen zu bedienen und zu warten hat. Darin werden bestimmte Bauteile produziert, die nicht zur Standardware im Baumarkt gehören. Fotos: dpa/Caroline Seidel Als angehender Zerspanungsmechaniker lernt André Neuhaus vor allem, wie er Maschinen zu bedienen und zu warten hat. Darin werden bestimmte Bauteile produziert, die nicht zur Standardware im Baumarkt gehören. Fotos: dpa/Caroline Seidel

Sie finden sich in Automotoren, Waschmaschinen und vielen Elektrogeräten: kleine Schrauben, Muttern, Zahnräder und Stifte aus Metall, die kaum auffallen. Doch oft sind diese Teile keine Baumarktware. Zerspanungsmechaniker fertigen sie speziell für Produkte an. Dafür braucht es vor allem eines: absolute Präzision. Früher benötigten Zerspanungsmechaniker eher Muskelkraft und handwerkliches Geschick. Seit den 1980er-Jahren übernehmen aber mehr und mehr computergesteuerte Maschinen die schweißtreibenden Arbeiten am Metall. Dennoch ist der Job heute mehr denn je gefragt, auch wenn sich das Aufgabenfeld grundlegend gewandelt hat. „Heute geht es vor allem darum, die Maschinen zu rüsten, zu bedienen und den Fertigungsprozess zu überwachen“, sagt Hermann Rumpel vom Verband der Deutschen Drehteile-Industrie.
Die große Herausforderung in dem Beruf sei es, mit hundertprozentiger Genauigkeit zu arbeiten, sagt André Neuhaus. Er ist im dritten Ausbildungsjahr zum Zerspanungsmechaniker im Unternehmen von Thilo Karrenberg in Velbert in Nordrhein-Westfalen. „In unserem Bereich sind die Toleranzgrenzen sehr, sehr klein. Da kommt es auf wenige Mikrometer an.“ Ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter.
Zerspanungsmechaniker stellen metallene Präzisionsbauteile aller Art her, richten Dreh-, Fräs- und Schleifmaschinen ein und programmieren die Maschinen mit CNC-Programmen. CNC steht für Computerized Numerical Control und bezeichnet ein elektronisches Verfahren zur Steuerung von Werkzeugmaschinen. Deshalb ist mitunter auch von CNC-Fräsern die Rede. 2015 haben 6 288 junge Menschen die Ausbildung begonnen, darunter 366 Frauen.
In Sachsen waren im Oktober über 1 000 Azubis registriert, sagt Steffi Rechenberger von der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz. „Die Einstellungsbereitschaft der sächsischen Unternehmen sinkt ein wenig, allerdings auf einem hohen Niveau.“ Insgesamt sind im Freistaat über 13 000 Arbeitskräfte in dem Beruf tätig, davon über 95 Prozent Männer.
Der Job ist weitaus komplexer, als er auf den ersten Blick erscheint: Bis eine Maschine vorbereitet ist, um ein bestimmtes Drehteil zu produzieren, dauere es häufig mehrere Stunden, sagt Neuhaus. Und wenn die Produktion beginnt, ist die Arbeit noch nicht getan. „Ich muss die ganze Zeit kontrollieren, ob die Maße stimmen und das Teil auch passt.“

Schichtdienste sind Pflicht

Dafür brauchen Zerspanungsmechaniker gute mathematische Kenntnisse. „Unverzichtbar ist auch ein räumliches Vorstellungsvermögen“, sagt Rumpel. Das ist wichtig, um sich neue Bauteile anhand von Plänen vorstellen zu
können. Eine bestimmte Schulbildung ist rechtlich nicht vorgeschrieben. Weit über die Hälfte der Azubis hat einen Realschulabschluss. Doch es finden sich auch Hauptschüler und Abiturienten unter den Lehrlingen. Wer den Beruf lernt, muss sich auf Schicht- und Bereitschaftsdienste einstellen. Darauf weist Axel Kaufmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hin. Während der Ausbildung verdienen Jugendliche laut der Bundesagentur für Arbeit in der Industrie zwischen 860 und 957 Euro pro Monat, im Handwerk sind es zwischen 375 bis 744 Euro. Bis zum vierten Lehrjahr steigert sich das auf über 1 100 Euro (Industrie) und gut 900 Euro im Handwerk. Nach der Ausbildung steigen die Fachkräfte mit einem Lohn von 1 500 bis 2 500 Euro brutto pro Monat ein. Es kann in Einzelfällen aber auch einmal deutlich mehr oder weniger sein.In der Berufsschule geht es für angehende Zerspanungsmechaniker vor allem um mathematische und technische Grundlagen: Wie schnell darf sich ein Werkzeug drehen? Wie verhalten sich verschiedene Materialien in der Bearbeitung?
Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind für die Fachkräfte gut. Laut Axel Kaufmann vom BIBB werden in der Metallbranche derzeit Fachkräfte gesucht. Auch für den Lehrling Andre Neuhaus sieht es derzeit so aus, dass er nach seiner Ausbildung im Velberter Unternehmen übernommen wird. (dpa, hoe) (dawo)

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