Kein Platz für Kreative

Das Gelände der alten Teergrube vor Haus 7 ist eingezäunt. Wegen der nötigen Altlastbeseitigung für den Schulneubau auf dem Drewag-Gelände an der Lößnitzstraße müssen auch die letzten 18 Mieter die unsanierten Gewerberäume im Haus 7 verlassen. Foto: Una Giesecke
Das Gelände der alten Teergrube vor Haus 7 ist eingezäunt. Wegen der nötigen Altlastbeseitigung für den Schulneubau auf dem Drewag-Gelände an der Lößnitzstraße müssen auch die letzten 18 Mieter die unsanierten Gewerberäume im Haus 7 verlassen. Foto: Una Giesecke

Er habe nur noch den Hörer am Ohr, erwidert Marco Wildner auf die Frage, wie es nun weitergehe mit der Nikkifaktur. Seit den Inhaber am 21. März die überraschende Kündigung seines Mietvertrags auf dem Drewag-Gelände an der Lößnitzstraße erreichte, ist der junge Mann mit der Wollmütze verzweifelt auf der Suche nach neuen Räumen. Er nimmt die Kopfbedeckung ab, ein flott, aber sorgfältig frisierter dunkler Haarschopf wird sichtbar. Ein halbes Jahr sei Zeit, räumt er ein, das ist alles korrekt und fristgerecht, nur: „Wir kommen genau in diese Welle hinein.“ Denn Wildner ist nicht der einzige Kreative, der gerne ein kleines Plätzchen für sein Geschäft hätte. Der Bedarf liegt im fünfstelligen Quadratmeterbereich. Schon Ende vergangenen Jahres hatte es die Mieter im Anbau getroffen, die der Altlastberäumung für einen geplanten Schulneubau – Planziel: 2020 Eröffnung – Platz machen müssen. Nachdem nun „Untersuchungen ergaben, dass die Teergrube eine größere Ausdehnung hat als angenommen“, berichtet Drewag-Sprecherin Gerlind
Ostmann, „mussten wir weiteren 18 Mietern kündigen, die Nikkifaktur ist der größte darunter“.

Sobald die Gewerbetreibenden das Gebäude geräumt haben, könne im Oktober die Teerbeseitigung beginnen, wodurch Medien und Zufahrt schätzungsweise ein halbes Jahr lang abgeschnitten sein würden. Nach der deshalb erforderlichen kompletten Entmietung und dem Teilabriss „erfolgt die Ertüchtigung des Bestands“, prognistiziert Gerlind Ostmann. Sie wisse von keinem Mieter, der auf das Angebot eingegangen sei, Interesse an Zwischenlösungen anzumelden oder im Anschluss zu neuen Konditionen bevorzugt wieder einzuziehen.

Für Marco Wildner sind das eben keine Optionen. „Wenn wir umziehen mit Druckmaschine und Trocknungsanlage, alles neu einrichten, dann kostet das einen vierstelligen Betrag.“ Er und seine Angestellten wollen aber in Dresden bleiben. „Wir haben unseren Lebensmittelpunkt und unsere Stammkundschaft hier.“ Im neunten Jahr nach Geschäftsgründung hätte der Unternehmer gern mit anderen Akteuren im Haus 7 das Vorkaufsrecht wahrgenommen, die Drewag hatte wohl schon Verkaufsbereitschaft signalisiert. Pfff, macht er nur, vom Tisch. Und versucht es mal, positiv zu formulieren: „Wir finden schon was. Die Frage ist nur, wer
noch nicht weiß, dass er was zu vermieten hat.“ Rund 500 Quadratmeter würden genügen, meint er und nimmt den Hörer ans Ohr. (Una Giesecke)

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