Keine Weihnachtsmärkte in Dresden?

Der Striezelmarkt wird wegen Corona nicht wie sonst stattfinden können. (Foto: Sven Ellger)

Veranstalter sagen, wegen der Corona-Auflagen seien keine Märkte möglich. Auch OB Dirk Hilbert sieht nun Probleme.

In der vergangenen Woche hat der Stadtrat entschieden, dass die Weihnachtsmärkte länger öffnen dürfen. Doch nun ist ungewiss, ob sie überhaupt stattfinden können. Mehrere Veranstalter sagen, unter den Auflagen zum Schutz vor Corona, die für Großveranstaltungen gelten, sei es unmöglich, Weihnachtsmärkte durchzuführen. Sie fordern andere Lösungen.

Kontaktverfolgung fast unmöglich

Frank Schröder veranstaltet seit mehreren Jahren die Dresdner Winterlichter auf der Prager Straße.„Bei uns laufen in den vier Wochen etwa drei Millionen Menschen durch“, sagt Schröder. „Wie soll ich da die Kontakte zur Nachverfolgung erheben, wie in der Corona-Schutzverordnung gefordert?“ Er könne nicht sicherstellen, dass alle, die über seinen Markt gehen und vielleicht noch nicht einmal dorthin wollen, sondern in ein Restaurant oder Geschäft, sich in Listen für
den Markt eintragen oder sich in eine App auf ihrem Smartphone dafür registrieren. Das sei unrealistisch, sagt Schröder.

Absperren oder einzäunen, wie in der Allgemeinverfügung „Hygiene“ vom Sozialministerium gefordert, könne Schröder den Markt auch nicht. „Damit würde ich die Geschäfte und die Gastronomie auf der Prager Straße beschneiden, weil dort keine Kunden mehr hinkämen.“ Das sei schade, zumal sich die Staatsregierung Ende Juli klar dazu bekannt hat, dass Weihnachtsmärkte trotz Corona stattfinden sollen.

Märkte einmal ganz anders?

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte bereits erklärt, er könne sich vorstellen, den Striezelmarkt als Flaggschiff der Weihnachtsmärkte – der von der Stadt veranstaltet wird – zu „entzerren“ und fließende Übergänge zu den anderen Weihnachtsmärkten in der Innenstadt zu schaffen. Aber auch das dürfte unter den Corona-Schutzvorschriften schwierig werden. Im Stadtrat sagte OB Hilbert nun, die Stadt könne noch kein rechtssicheres Hygienekonzept erstellen.

„Dafür gibt es keine gültige Rechtsverordnung, weil die aktuelle Schutzverordnung bis zum 2. November gilt. Das ist ein Dilemma für alle.“
Dabei hatte der Stadtrat beschlossen, dass die Weihnachtsmärkte bereits
drei Tage früher als geplant öffnen dürfen und bis zum 3. Januar geöffnet bleiben dürfen. Nur der Striezelmarkt soll wie gewohnt am 24. Dezember schließen.

„Wir können aber nicht bis zum 2. November warten“, sagt Holger Zastrow. Der FDP-Fraktionschef ist Veranstalter des Augustusmarktes auf der Hauptstraße. Händler bräuchten die Sicherheit, ob die Märkte stattfinden, aber auch Hotels und Gastronomie, um planen zu können. „Die Vorgaben aus der Verordnung und der Allgemeinverfügung des Ministeriums gehen an der Realität vorbei“, so Zastrow.

Generell müssten Weihnachtsmärkte auch 2020 vom Charakter her so stattfinden wie in den vergangenen Jahren, fordert Zastrow. „Das Sozialministerium erarbeitet für Großveranstaltungen und Märkte derzeit eine Rahmen-Checkliste für Gesundheitsämter, die auf bundesweiten Absprachen beruhen“, sagt Juliane Morgenroth, Sprecherin von Sozialministerin Petra Köpping (SPD). Sie bestätigt, dass die aktuellen Regeln keine Sonderlösungen ausschließlich für Weihnachtsmärkte vorsehen und wahrscheinlich auch keine unterschiedlichen Regelungen geplant sind.

SZ/AW

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