Im FriedrichstaTT-Palast „Sind die Wichtel angezündet“

FriedrichstaTT-Palast
"Sind die Wichtel angezündet"" heißt das aktuelle Weihnachtsstück im Dresdner "FriedrichstaTT-Palast. Foto: Fritzsche

Im Dresdner FriedrichstaTT-Palast feierte das Weihnachtsstück „Sind die Wichtel angezündet“ Premiere. Ein mit vielen Überraschungen gespickter Abend, der nachdenklich stimmt.

Die Idee ist spannend. Warum heißt das Fest der Liebe eigentlich Fest der Liebe – und wo ist sie hin, die Liebe in einer Zeit des Hasses, des Neids und des sich gegenseitig nicht mehr Zuhörenwollens?

Und so macht sich im neuen Weihnachtsabend im FriedrichstaTT-Palast „Sind die Wichtel angezündet“ die russische Winterfee Snegurotschka aus dem so gar nicht mehr beschaulichen russischen Winterwald – dem zu allem Überdruss dank Klimawandels auch zunehmend der Schnee fehlt – auf den Weg, die Liebe zu suchen. Sie reist dabei nicht nur um die Welt, sondern auch gleich noch durch die Zeit. Und trifft dabei auf Pharaonen im selbstverliebten Jugendwahn, auf Romulus, der zwar durch die Liebe einer Wölfin überlebte, dann aber seinen Bruder Remus umbrachte, und auf Ruprecht, der als ziemlich deutscher Teufel das Böse liebt und versucht, die Welt noch ein bisschen böser zu machen.

Liebe also, die so nicht gemeint war, findet Snegurotschka. Wunderbar gespielt von Lisa Schettler, die schon unter anderem als schauspielende Sängerin in der „Addam’s Family“ der Comödie Dresden auf Schloss Übigau und vor allem mit der Musical Werkstatt Oh Töne auf der Bühne zu erleben war. Hier im FriedrichstaTT-Palast trägt sie nun einen ganzen Theaterabend auf ihren Schultern. Eine junge Frau, von der sicher noch viel zu hören sein wird, mit einer herrlichen Stimme und jeder Menge schauspielerischen Talent.

Die 19-Jährige ist eine echte Entdeckung, sagt auch Thomas Schuch hörbar begeistert, Chef des FriedrichstaTT-Palasts und auch diesmal so unfassbar wandelbar in zahlreichen verschiedenen Charakteren zu Hause. Vom wirklich bösen Bösen, über ein leicht vertrotteltes Väterchen Frost, das hier und da zum Väterchen Frust mutiert, bis hin zur so gefühlvollen Babuschka, die in typisch russischer Märchenfilm-Manier als Erzählerin durch das Stück führt. Das alles ist näher am Theater als am klamaukverliebten Comedyabend, auch, wenn der Titel mit den angezündeten Wichteln etwas anderes vermuten lassen könnte. Es ist ein Abend voller kabarettistischer Anspielungen, manche leider nur angerissen. Aber bei einer Welt- und Zeitreise ist natürlich auch mit Blick auf die Uhr nicht alles unterzubringen, was sicher irgendwie nötig wäre …

Abgerundet wird der Abend durch Daniel Vedres, der den kaspernden Musikclown gibt, aber zeigt, dass er eigentlich ein richtig guter Musiker ist.

Sehenswert, nachdenklich stimmend und damit durchaus in die Weihnachtszeit passend, ist dieser ungewöhnliche Abend im FriedrichstaTT-Palast. Wer sich vor Lachen ausschütten will, ist hier fehl am Platz, wer Lust auf nachdenklich Besinnliches hat, sollte sich unbedingt Tickets kaufen. Ach so, natürlich findet Snegurotschka die Liebe. Allerdings mit einer sehr überraschenden Wendung. Aber Überraschungen gehören ja zur Weihnachtszeit!

Jens Fritzsche

„Sind die Wichtel angezündet“ läuft im Dezember im FriedrichstaTT Palast, Wettiner Platz 10/Eingang Jahnstraße
Tickets: dresdner-friedrichstatt-palast.de, 0351 – 4904009

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