DAWO! im Gespräch mit Johanniter-Regionalleiter Dresden Denis Papperitz über Aufgaben, Veränderungen, Projekte, Spenden und Zukunftswünsche.
Der Regionalverband Dresden der Johanniter setzt sich seit 1992 für bedürftige und in Not geratene Menschen ein. Neben den „normalen“ Aufgaben im Rettungswesen bieten die Johanniter viele weitere Angebote für Menschen jeder Altersgruppe und in jeder Lebenslage und vieles davon im Ehrenamt. DAWO! sprach mit Regionalgeschäftsführer Denis Papperitz, der seinen Weg bei den Johannitern einst als Zivildienstleistender begonnen hat.
Herr Papperitz, Sie sind jetzt seit rund dreieinhalb Jahren Vorstand des Regionalverbandes Dresden der Johanniter. Wie würden Sie diese Zeit bilanzieren in Bezug auf Ziele und bisher Erreichtes?
Wir haben gemeinsam enorm viel bewegt. Von Beginn an war es mir wichtig, die Johanniter als modernen, innovativen und verlässlichen Sozialdienstleister weiter zu stärken. Dazu gehören klare Strukturen, zeitgemäße Prozesse, kurze Entscheidungswege und eine Kultur, in der Menschen ihr Potenzial entfalten können. Mit einem engagierten Team an meiner Seite ist es uns gelungen, viele Entwicklungen anzustoßen – im Rettungsdienst, in unseren Kitas, in der Pflege und in den sozialen Diensten. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir jungen Menschen mehr Möglichkeiten eröffnen: über die Johanniter-Jugend, den Schulsanitätsdienst oder Praktika und Ausbildungsplätze. Wer früh bei uns Erfahrungen macht, findet nicht selten auch beruflich seinen Weg zu den Johannitern. So sichern wir langfristig Fachkräfte und gestalten Zukunft nachhaltig – für die Menschen in unserer Region.
In der Wirtschaft, vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, läuft aktuell vieles nicht rund.
Spüren Sie diese Veränderungen auch in Ihrem Verband?
Natürlich beobachten wir die gesamtwirtschaftliche Lage sehr aufmerksam. Doch im Sozial- und Gesundheitswesen sind dynamische Rahmenbedingungen kein neues Phänomen – Krisen, Veränderungen und hohe Anforderungen begleiten uns seit Jahrzehnten. Wir haben gelernt, flexibel zu reagieren, Angebote weiterzuentwickeln und Bedarfe neu zu denken. Das hilft uns heute sehr. Gleichzeitig sind steigende Kosten und Personalmangel branchenweit Herausforderungen, die wir nur mit planbarer politischer Unterstützung nachhaltig bewältigen können.
Von wem wünschen Sie sich hierbei mehr Unterstützung?
Von der Politik – auf allen Ebenen. Wir brauchen mutige Reformen, weniger Bürokratie und eine verlässliche Finanzierung sozialer Arbeit. Wer tagtäglich für Menschen im Einsatz ist, muss dafür auch gute Rahmenbedingungen haben. Kurz gesagt: Entscheidungen dürfen gerne schneller, klarer und praxisnäher werden.
Sie haben Projekte wie Lacrima, die Motorradstaffel oder die Rettungshundestaffel, die sich über Spenden finanzieren. Wozu werden diese Gelder konkret benötigt?
Spenden bedeuten für uns Handlungsfähigkeit – und für Betroffene oft Sicherheit oder Halt. Im Lacrima Kinder- und Jugendtrauerzentrum begleiten wir junge Menschen nach dem Verlust eines nahestehenden Menschen. Präventive Trauerarbeit erhält kaum staatliche Förderung. Spenden finanzieren Gruppenangebote, Materialien, Fortbildungen der Ehrenamtlichen und teilweise auch Personalkosten
Bei der Motorrad- und Rettngshundestaffel sind unsere Helferinnen und Helfer oft dort, wo andere nicht hinkommen – auf unwegsamem Gelände oder bei Großveranstaltungen. Für Fahrzeuge, Schutzausrüstung, Einsatzmaterial oder die Ausbildung der Hunde gibt es keine Pauschalfinanzierung.Ohne die Unterstützung der Bevölkerung oder auch von Unternehmen könnten diese lebensrettenden Projekte nicht bestehen. Jede Spende hat einen direkten Nutzen.
Wie steht es um das Leuchtturmprojekt AKKON in Heidenau?
Wir sind im Zeitplan – und das macht mich sehr stolz. Mit AKKON II erweitern wir unser bestehendes Katastrophenschutzzentrum zu einem der modernsten Standorte in Sachsen.
2026 wird ein besonderes Jahr: Offizielle Eröffnung für geladene Gäste im Mai und am 30. Mai der Tag der offenen Tür mit Blaulichtmeile, Familienprogramm und vielen Einblicken in unsere Arbeit. Dieses Projekt stärkt den Bevölkerungsschutz in der gesamten Region – und zeigt, was starke Partnerschaften möglich machen.
Wie hat sich die Situation im Bereich Personal und Ehrenamt entwickelt? Spüren Sie einen Fachkräftemangel?
Wir erleben ein ausgewogenes Bild: In einigen Bereichen steigt der Zuspruch – vor allem dort, wo flexible Einstiegsmöglichkeiten, gute Ausbildung und eine starke Gemeinschaft spürbar sind. In anderen Bereichen müssen wir intensiver um Unterstützung werben. Entscheidend ist: Wir sind als Arbeitgeber attraktiv, bieten Sicherheit und Sinn – das überzeugt Menschen. Und wir freuen uns über jeden, der sich haupt- oder ehrenamtlich für andere engagiert.
Was wünschen Sie sich für „Ihre“ Johanniter in den kommenden Jahren?
Ich wünsche mir mehr gesellschaftliche Anerkennung für all jene, die täglich für andere da sind – ob im Rettungswagen, in der Pflege, in der Kita oder im Ehrenamt. Niemand erwartet Applaus auf den Balkonen – aber Respekt, Rückhalt und Verständnis sollten selbstverständlich sein. Für die Menschen in der Region ist es ein Versprechen, was ich weitergeben kann: Wir sind da – gestern, heute und morgen.
Spendenmöglichkeit: Johanniter Unfallhilfe e.V., RV Dresden,
Stichwort: RV Dresden „Projekt“ IBAN: DE 84 3702 0500 0004 3318 04, BIC: BFSWDE33XXX