Okzident trifft Orient

Als eine der schönsten Städte im Orient bezeichnet Mahdi Imanipour das persische Isfahan. Der Kulturrat der iranischen Botschaft in Berlin hatte die erste Schau der vierteiligen Jahresreihe „Verwebungen. Orient – Okzident“ im Rathaus Dresden im Oktober eröffnet. Diese Woche geht sie zu Ende. Noch bis zum 8. Januar sind unter dem Titel „Reflexionen Dresden – Isfahan“ Fotografien und Ölbilder aus beiden Kulturstädten zu sehen.
Gezeigt werden die Werke zweier Künstler: Der Dresdner Fotograf Thomas Klewe nennt seine Bilderreihe „same but different“ (Alltägliches als Reibungsfläche) und eröffnet klischeefreie Blicken auf Menschen ohne Turban oder Scheier sowie Gegenüberstellungen in Porträts von Dresdnern und Isfahanern, die den gleichen Beruf ausüben. Der offene Blick in die Kamera und die Konzentration auf die Arbeit lassen das Fremde verblassen und machen die Menschen dem Betrachter vertrauter.
Im Kontrast dazu stehen Ölmalereien des Teheraner Malers Babak Nayebi. Seine Impressionen sind gemalte Gedichte aus Farbe und Licht. Sie widerspiegeln Dresden, wo er nach seinem Studium an der Kunsthochschule eine neue Heimat gefunden hat. „Dix und Kokoschka haben mich angezogen.“
Initiiert hat die Reihe der Verein Freunde des modernen Orients. „Als ich 2012 den Iran bereiste“, erzählt Kuratorin Virginia Tutila, „hatte ich erwartet, dass das schwer werden würde: als Frau allein, ohne Englischkenntnisse.“ Statt der befürchteten langen Grenzformalitäten „ging es sogar ohne Visum“. Sie habe „überall Schutz und Respekt erfahren“. Und ihr seien erstaunlich viele Perser begegnet, die Deutsch konnten. 2011 gegründet, will der Verein die Vielfalt der Kulturen des Nahen und Mittleren Ostens vermitteln, um Vorurteile abzubauen und Wissenslücken zu schließen.

Auch die künftigen drei Teile der  Ausstellungsreihe „Verwebungen. Orient – Okzident“ stellen Arbeiten von zeitgenössischen bildenden Künstlern aus unterschiedlichen Genres vor. Es werden sowohl in Deutschland lebende Kunstschaffende ausgestellt, die den Orient bereisten, als auch Künstler, die aus den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens stammen, aber nun in Europa ihre Heimat gefunden haben. Sie verbinden in ihren Arbeiten die Prägungen beider Welten und eröffnen damit den Weg des Dialogs und des Kennenlernens.  Una Giesecke

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