Neuer Intendant hält letzte Dresdner Rede

Joachim Klement wird neuer Intendant des Staatsschauspiels Dresden Foto: Ronald Bonß

Nach den ausverkauften Sonntagvormittagen am Großen Haus mit Naika Foroutan, Peter Richter und Giovanni di Lorenzo beendete die diesjährige Reihe der Dresdner Reden einer, der erst in anderthalb Jahren in Dresden neu anfangen wird: Joachim Klement. Der Generalintendant am Staatstheater Braunschweig stellte sich erstmals der Öffentlichkeit als neuer Chef des Dresdner Hauses vor.

Mit Beginn der Spielzeit 2017 übernimmt der 55-Jährige den Staffelstab am Staatsschauspiel. Der jetzige Intendant Wilfried Schulz verlässt es in diesem Jahr, die Übergangszeit wird Wolfgang Engel  gemeinsam mit dem Künstlerischen Betriebsdirektor Jürgen Reitzler meistern. Es ist also noch eine Weile hin bis zu Klements Amtsantritt.

Vielleicht war das der Grund, dass das Haus am gestrigen 6.März nicht komplett gefüllt war. Eindrucksvoll leuchteten hinter dem Rednerpult 99 große Namen, die in den vergangenen 25 Jahren hier vor ausverkauften Rängen gesprochen hatten: Brandt, Schorlemmer, Sloterdijk, Thierse, Aitmatow, Grass, Thierse…

Fast schüchtern leise führte Nummer 100 ebenfalls bekannte Namen ins Feld. In seinem öffentlichen Nachdenken über die Rolle des Theaters in der Gegenwart erinnerte Joachim Klement zunächst an seine Begegnung mit Wolfgang Engels Inszenierungen in Dresden 1986. „Diese ungeheure Freiheit auf der Bühne“ hatte ihn beeindruckt, wusste er doch, dass es sie so im Alltag nicht geben durfte. „Und dieser hier herrschende offene Umgang mit dem Kriegsende in Deutschland war im Westen nicht selbstverständlich.“ Die Dresdner Erfahrungen hatten ihn damals zu einem Perspektivwechsel gezwungen, erzählte er in seiner Rede zum Sonntag.

Darin versprach er dem Theaterpublikum, die Bürgerbühne unter Miriam Tscholl weiterzuführen sowie das Festival fast forward für junge Regietalente aus Europa von Braunschweig hierher mitzubringen. Auf DAWO!-Anfrage, ob er sich am  Wissenschaftsstandort Dresden das auf anderen deutschen Bühnen erprobte  Format Science-Slam vorstellen könnte, reagierte er durchaus aufgeschlossen. Auch Komödien, Romanadaptionen und Dokumentarrecherchen werde es geben. Auf die Frage, ob nun endlich die Klassiker werkgetreu aufgeführt würden, antwortete er verschmitzt: „Bei der Uraufführung von Schillers Räubern in Mannheim kam es zu Tumulten und Schlägereien, eine Schwangere verlor ihr Kind. Ich hoffe nicht, dass Sie das von mir erwarten.“

Una Giesecke

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