Singen, bis die Kasse klingelt

Straßenmusiker aus der Slowakei auf der Prager Straße Foto: Steffen Füssel

„Und wenn das Säcklein voll ist, dann gehn wir wieder heim.“ An diesen Kinderliedvers fühlt man sich erinnert, wenn einen der Weg zwangsläufig an jenen Straßenmusikern vorbeiführt, die eher Ohrengraus als -schmaus anbieten. Schnell ein Münzlein ins Säcklein geworfen, damit es bald vorbei ist.
Dabei gibt es unter den Künstlern, die ihr Brot auf öffentlichen Plätzen verdienen, durchaus echte Könner, die regelmäßig eine Traube an freiwillig stehen bleibenden Passanten um sich versammeln und mit ihren Darbietungen zu fesseln vermögen.
Eine elf- bis 16-köpfige Band hingegen nervt seit Wochen mit Gitarrengeschrammel, Cajungewummer und unprofessionellem Gesinge zwischen Prager Straße und Neumarkt Anwohner, Händler und Angestellte, die eben nicht einfach weglaufen können.
„Wir kommen aus der Slowakei und machen einfach Musik für die Leute“, sagt der Patriarch der Großfamilie und kündigt an: „Wir wollen den Sommer lang in Dresden bleiben.“

„Diese Bande quält mich“

„Mich nerven sie, selbst bei geschlossenen Fenstern“, sagt der Chef der Centrum Galerie Dirk Fittkau, der Straßenmusik „eigentlich cool“ findet. „Nur diese Bande quält mich und meine Mitarbeiter. Mieter sagen mir, es sei nicht mehr auszuhalten.“
Zwei Petitionen hat das Rathaus seither erhalten. Auch Citymanager Jürgen Wolf schließt sich an: „Ich hoffe auf ein Handeln der Stadt.“ Die hatte zwar die fast schikanösen Regeln im Juni 2015 gelockert. Aber die dafür mitverantwortliche SPD-Fraktion lässt über ihren Chef Christian Avenarius nun wissen: „Wir fassen uns an die eigene Nase. Die Spielregeln müssen verbessert werden.“ Denn wer den solosingenden Dauerbeschaller von der Alaunstraße vor der Ladentür hat,  wünscht sich vielleicht auch bald dessen Abzug, und sei es mit prall gefülltem Säcklein.

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