Dresden setzt kein Glyphosat ein

Unkraut am Fußweg der Marienbrücke Foto: Una Giesecke

Es gibt kein Unkraut. Was in diesem feuchten Sommer an Dresdens Wegrändern, durch Schotter Pflastersteine emporwuchert, sind beispielsweise bis zu einen Meter hoch stehende Goldruten. Die üppig gelben Blüten verwenden Heilkundler gegen Blasenentzündungen, zur Blutreinigung bei Gicht und
als entzündungshemmenden Tee. Auch die verbreiteten Löwenzahnblüten lassen sich zu Honig oder als Aufguss gegen Husten und Fieber verarbeiten.
Dies ist allerdings nicht der Grund, warum das Amt für Stadtgrün diese und andere „Unkräuter“ allerorten ins Kraut schießen lässt. „Es ist ein Gewinn für uns alle, wenn wir bedrohten Vogel- und Insektenarten in einer grünen Stadt wie Dresden Lebensräume und Nahrung geben“, sagt Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen. Daher verzichtet Dresden auf die Verwendung von krebserregenden glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln in der Pflege von Straßenbegleitgrün, in Grünanlagen, auf Spielplätzen und künftig auch auf den städtischen Friedhöfen.
„Gerade in Parkanlagen und auf Spielplätzen kommen insbesondere Kinder mit dem Boden in Berührung. Gift hat deshalb dort nichts zu suchen. Es ist daher richtig, dass wir unabhängig von der weiteren Zulassung von Glyphosat auf das Mittel verzichten“, begründet sie die Entscheidung. „Dies ist auch gut für den Artenreichtum. Denn Glyphosat und andere Breitbandherbizide tragen nachweislich zum Verlust der Artenvielfalt bei. Sie beseitigen jeglichen Wildpflanzenwuchs, so dass Insekten, Schmetterlinge und Vögel keine Nahrung mehr finden.“
Diesen nachhaltigen Weg geht das Umweltamt ohnehin seit Längerem. „Bereits in den zurückliegenden Jahren wurde die chemische Unkrautbekämpfung lediglich ergänzend zu thermischen und mechanischen Verfahren angewandt“, sagt Abteilungsleiter Jörg Lange. Ob der Einsatz von chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln nötig ist, wird laufend im Einzelverfahren geprüft „und auf ein Minimum reduziert“. So würde seit 2015 auf Tennensportflächen ausschließlich mechanisch Unkraut beseitigt.
Ganz verzichten kann die Stadt auf chemische Mittel allerdings noch nicht, so Lange: „Fungizide als Schutz vor Pilzkrankheiten kommen ausschließlich bei Sonderkulturen zur Anwendung, zum Beispiel im Rosengarten.“ Gegen unerwünschte Wildkräuter gehe man mit Pelargonsäure vor. „Und gegen invasive Arten wie Japanknöterich oder Riesenbärenklau auf Wiederaufforstungsflächen wird der Einsatz von Herbiziden in Ausnahmefällen leider auch in Zukunft notwendig sein.“

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1 Kommentar

  1. Das ist ja schon mal ein guter Ansatz, aber Dresden könnte sich ruhig mal bei den hunderten anderen Städten und Kommunen informieren, um zu erfahren, wie die auch ohne Glyphosat aus kommen. Eine Liste von glyphosatfreien Stadtgebieten aktualisiert das PAN-Network regelmäßig hier:

    http://www.pan-uk.org/news/pesticide-free-towns-around-the-world

    Denn nicht nur Hamburg, Barcelona und New York sondern auch Saarbrücken und Münster verzichten seit 20 Jahren auf den Einsatz von glyphosathaltigen Pestiziden wie RoundUp und Co und teilen ihre Erfahrungen bestimmt gerne:


    https://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/chemie/130411_bund_chemie_broschuere_pestizidfreie_kommunen.pdf

    Und auch den Riesenbärenklau kann man ökologisch ohne Glyphosat entfernen, z.B. mit Schafen wie in NRW:

    http://www.ruhrnachrichten.de/staedte/schwerte/Bekaempfung-von-Riesen-Baerenklau-Aetzende-Pflanze-ist-Leckerbissen-fuer-Schafe;art937,2769442

    oder die Verantwortlichen in Dresden können sich bei der Stadt Darmstadt kostenlos erkundigen:

    http://darmstadt.bund.net/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/landschaftspflege/plage_baerenklau_und_knoeterich/

    Denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und wenn man weiß, dass ein Wasserwerk alle 3 Monate 100.000€ investieren muss, um mit neuen Aktivkohefiltern 1 Liter Glyphosat aus dem Wasser zu entfernen, das den Landwirt oder die Kommune vielleicht 10€ kosten verlagern sich die Kosten der Kommunen nur auf die steigenden Trinkwasserpreise.


    https://www.br.de/mediathek/video/video/galgenfrist-fuer-den-oekokiller-die-unendliche-glyphosat-story-100.html

    Schließlich investieren die Wasserwerke deutschlandweit jedes Jahr 1,7 Mrd. Euro um die 100 landwirtschaftlichen Pestizide im Grundwasser so weit zu reduzieren, dass die Grenzwerte eingehalten werden, so dass wieder der Bürger die Rechnung bezahlen muss.


    http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/unser-land/umwelt-und-natur/pflanzenschutzmittel-trinkwasser100.html

    Daher sollten auch die Kommunen nun anfangen, ganz ohne Glyphosat auszukommen, bevor das Herbizid in 14 Monaten dann endlich ganz verboten wird, denn die langfristigen Folgen für Mensch, Tier und Ökosystem sind fatal.

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