Fluchtwege: Es fehlen die berührenden Momente

Johannes Krobbach und Julia Rani spielen das Geschwisterpaar in "Fluchtwege". (Foto: Hagen König)

Radebeul. Rausgerissen. Auf einmal. Für die Geschwister Riva (gespielt von Julia Rani) und Andrea (Johannes Krobbach) ändert sich das Leben von einem auf den anderen Moment. Als ihnen ihre Lehrerin eröffnet, sie sollten sofort die Schule verlassen, beginnt für die beiden ein Alptraum. Auf einer drei Jahre andauernden Flucht aus ihrem Heimatland verlieren sie ihren Vater und größtenteils auch ihre Jugend.

Angekommen in Deutschland haben Bruder und Schwester unterschiedlich Mühe, sich in der neuen Gesellschaft zurechtzufinden. Während Riva versucht, möglichst schnell Sprache und Menschen kennenzulernen, sucht Andrea die Isolation, lehnt sich gegen das neue Umfeld auf. Am Ende dürfen sie in Deutschland bleiben, der Brief des Ministeriums beendet das Stück und gibt den Geschwistern ein Stück Sicherheit zurück.
Auch wenn beide Darsteller natürlich nicht mehr im Alter der Protagonisten sind, schaffen es Julia Rani und Johannes Krobbach, sie authentisch und lebhaft zu verkörpern.

Thematisch nur an der Oberfläche

Weil sie in ihren Rückblenden auch Lehrerin, Mutter, Onkel und weitere Akteure des von Nick Wood zu Zeiten des Jugoslawien-Konflikts geschriebenen Romans verkörpern, und somit auch die Erwachsenen-Positionen einnehmen, wirken eben diese oft überzeichnet und nehmen diesen Rollen zu viel von ihrer Ernsthaftigkeit.
Kein Aha-Effekt

Thematisch kratzt das Stück in großen Teilen nur an der Oberfläche, die wirklich berührenden Momente, die beim Zuschauer für einen Aha-Moment sorgen könnten, fehlen. Dass der Vater auf der Flucht starb und was das für die Geschwister bedeutet, wird nur sparsam thematisiert. Auch schaffen es beide Rollen nicht, eine wirkliche Identifikation herzustellen.

Damit vergibt Regisseurin Esther Undisz die Chance, ein emotionales Thema auch ebenso auf die Bühne zu bringen. Dafür gibt es zu viele heitere Momente, die wohl den Schrecken nehmen sollen, aber eher bewirken, dass das Schicksal der geflüchteten Familie zu kurz kommt.


Hinweis: Die Inszenierung kann auch von Schulen und anderen Einrichtungen gebucht werden. Die Theaterpädagogik der Landesbühnen bietet begleitende Workshops, Vor- und Nachbereitungen an. Kontakt per E-Mail über: junges.studio@landesbuehnen-sachsen.de, Tel.: 0351 8954299

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