Dresden 1945: Über den Wahnsinn des Krieges

Das Asisi Panometer "Dresden 1945" erfreut sich großer Beliebtheit. Foto: Tom Schulze
Die Ausstellung "Dresden 1945" im Panometer Dresden zeigt die Stadt kurz nach den Luftangriffen der Alliierten. (Foto: Tom Schulze)

Dresden. Der Besucher steht auf einem Podest in der Mitte des riesigen Raumes. Wie vom Rathausturm am Rande der Altstadt blickt er auf ein etwa 3.000 qm großes Panorama. Es zeigt die zerstörte Innenstadt von Dresden unmittelbar nach den alliierten Bombardements im Februar 1945. Über der Szenerie liegen schwere Rauchschwaden und einzelne Brände erleuchten die apokalyptische Trümmerlandschaft. Das Projekt ist in engem fachlichem Austausch mit dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden entstanden. Der aus international bekannten Film-, TV- und Werbeproduktionen bekannte Komponist Eric Babak konzipierte die Begleitmusik sowie eine auf das Panorama abgestimmte Geräuschkulisse und vervollkommnet den intensiven Raumeindruck im Panorama.

Kein Blick zurück als Opfer

Eine begleitende multimediale Ausstellung führt in die Thematik ein. Entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Historiker Steffen Liebscher als wissenschaftlichem Betreuer und Mathias Thiel, Kreativdirektor der asisi GmbH, spannt sie den Bogen der Stadtgeschichte von der Jahrhundertwende um 1900 über die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus bis hin in die Nachkriegszeit und die Anfänge der DDR. Persönliche Dokumente von Zeitzeugen ergänzen das Konzept. Zahlreiche auf einen Aufruf hin eingereichte seltene Fotoaufnahmen oder persönliche Erinnerungen geben der Arbeit wichtige Impulse. Ein Filmbeitrag schenkt Zeitzeugen der Bombardements und des Weideraufbaus Gehör. Dresdner berichten aus ihren Kindheits- und Jugendtagen und geben dem Antrieb, die zerstörte Stadt zu enttrümmern und ein neues Leben zu beginnen, ein Gesicht.

DRESDEN 1945 stellt nicht die Opfersituation Dresdens in den Vordergrund, sondern lenkt den Blick auf einen weiteren Kontext: Schon mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hatten die innere Zerstörung Dresdens, die Vernichtung von zig Menschenleben und ab 1939 zahlreicher Städte in Europa begonnen. Durch deutsche Angriffe wurden beispielsweise Rotterdam, Coventry, Stalingrad oder Warschau zerstört. Dresden 1945 zollt auch den Leistungen des Wiederaufbaus Respekt, stellt aber auch stadtplanerische Konzepte der Nachkriegszeit in Frage. Nach 1945 wurde eine radikale
Flächensanierung durchgeführt, der zahlreiche ausgebrannte Baudenkmäler wie die Sophienkirche oder das Albert-Theater endgültig zum Opfer fielen. Andere blieben als Mahnmal erhalten und konnten wie die Semperoper oder die Frauenkirche rekonstruiert werden.

Gewinnchance für DAWO!-Leser: Wir verlosen fünf Mal zwei Eintrittskarten für die Ausstellung „Dresden 1945“ im Panometer Dresden. Wer mitmachen möchte, kommentiert den Beitrag auf unserer Homepage mit seinem Lieblingsbauwerk in Dresden. Unter allen Kommentaren werden die Gewinner ausgelost. Teilnahmeschluss ist Mittwoch, 31. Januar 2018, 13 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

„Ich hoffe, dass das Panorama dazu anregt, um über die Schöpferkraft und die Abgründe des Menschen, über die grausame Logik und den Wahnsinn des Krieges nachzudenken. Für mich steht Dresden für die Tragik und die Hoffnung einer Stadt in Europa. Wenige Momente genügen, um über Jahrhunderte gewachsene Strukturen zu Staub und Asche werden zu lassen“, sagt Künstler Yadegar Asisi im Vorwege der Ausstellung.

Und für Joachim Zirkler, von 2002 bis 2013 Pfarrer an der Kreuzkirche in Dresden, steht das zerstörte Dresden beispielhaft für die Folgen eines Feuers, das Jahre zuvor gelegt wurde. „Nach der Krisenzeit, Anfang der 30er Jahre, wurden Gedanken der Schuldzuweisung entzündet. Sie brannten sich ein in immer mehr Köpfe. 1938 brannte die von Gottfried Semper gebaute Synagoge. 1945 brannten die mit seinem Namen verbundene Oper und die ganze Stadt. Das Feuer der Zerstörung beginnt immer in den Köpfen. Es gibt Gedanken, die sind brandgefährlich.“


Die Ausstellung „Dresden 1945“ wird noch bis zum 22. April im Panometer Dresden gezeigt.

Öffnungszeiten: 
montags bis freitag, 10 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise für Einzelbesucher
Vollzahler 11,50 EURO
Ermäßigt1 10,00 EURO
Kind² 6,00 EURO
Kinder unter 6 Jahren ³ frei
Eltern-Kind-Ticket4 ab 29,00 EURO
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43 Kommentare

  1. Frauenkirche, Semperoper, Schloss, Zwinger, Yenidze, Elbhang… – einfach alles in Dresden ist sehenswert!
    Schwer sich für nur ein Bauwerk zu entscheiden…

  2. Frauenkirche, Semperoper usw…
    Dresden ist einfach eine so schöne Stadt!!!
    Am meisten fasziniert mich im Sommer der Blick von den Filmnächten auf die andere Elbseite 🙂

  3. Für mich ist das schönste Gebäude in Dresden die sogenannte „Zitronenpresse“, Vorallem wenn die untergehende Sonne leicht hindurchscheint.

  4. Frauenkirche❤ Als Kind war ich immer mit meiner Oma auf dem Neumarkt und bestaunte das Lager der übrig gebliebenen Steine. Sie wohnte früher als Kind am Gewandhaus und wurde auch 1945 ausgebombt und sie hat mir immer viel von früher erzählt.

  5. Die Frauenkirche -. weil ich mir bis in die 90er Jahre hinein nicht vorstellen konnte, dass die Trauungskirche/Taufkirche meiner Vorfahren jemals wieder auf dem Neumarkt erstehen würde…

  6. Das schönste Kulturhistorisch WIEDERAUFGEBAUTE Bauwerk ist die NACH VON FRAU GÖRING- ECKARDTS REDE- DIE“ VON DEN NAZIS STÖRTE FRAUENKIRCHE“- FÜR MICH und zeigt wieder, wie schlau unsere grünen Politiker wirklich sind…..

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