Opulenter Verdi an der Semperoper

Christina Bock gab in der Verdi-Premiere "Die Macht des Schicksals" an der Semperoper ihr Rollendebüt als Wahrsagerin Preziosilla. Foto: Jochen Quast
Christina Bock gab in der Verdi-Premiere "Die Macht des Schicksals" an der Semperoper ihr Rollendebüt als Wahrsagerin Preziosilla. Foto: Jochen Quast

Wie viele Tote? Vier. Ein typischer Verdi also in der Dresdner Semperoper: Liebe und Verrat, Gott und Teufel, Tod und Vaterland, von allem bitteschön gern eine reichliche Portion. Heraus kam zur Premiere an der Semperoper eine unterhaltsame, bildgewaltige, abendfüllende Inszenierung von „La forze del destino“.

In Dresden holen renommierte Profis das Beste aus dem knapp vierstündigen Abend heraus.

Italienisch gesungen, weil es als Gesangssprache nun mal besser klingt, und mit deutschen und englischen Übertiteln serviert Keith Warner – mit Busonis „Dr. Faust“ (DAWO! berichtete) und drei weiteren beachtlichen Regieführungen hat er seine Visitenkarte im Hause abgegeben – „Die Macht des Schicksals“ in einer lebensprallen Fassung. Am Pult steht Mark Wigglesworth, erstmals zu Gast in Dresden, den knapp vierstündigen Abend mit Bravour durch.

Schönes und kraftvolles fürs Auge

Brillant sind sowohl Bühnenbild (Julia Müer) und Kostüme (Tilo Steffens), die auf effektvolle Schwarz-Weiß-Rot-Kombinationen und farbige Zwischentupfer setzen. Auch das Licht (Wolfgang Göbbel) und die Kampfchoreografie (Ran Arthur Braun) sowie der agile Opernchor bieten viel Schönes und Kraftvolles fürs Auge. Fürs Ohr liefert die großartige Staatskapelle erwartungsgemäß Exzellenten Schmaus: von zarten Flötentönen über die lyrische Harfe bis hin zur Perkussion, die verdigetreu mal so richtig auf die Pauke hauen darf. Zu Gehör kommen große Stimmen: Stephen Milling, dessen sonorer Bass den Resonanzraum zu füllen vermag, sowie als Liebespaar Emily Magee und Gregory Kunde, dessen Duette mit Alexey Markov zu den Höhepunkten der Aufführung zählen. Das Klischee leidenschaftlicher, hübscher Turteltäubchen erfüllen Magee und Kunde dank ihrer Leibesfülle nicht, sodass das Melodrama seinen gewichtigen Schicksalslauf nehmen kann.

Denn darum geht es bei Verdi: Himmel oder Hölle, Ehre oder Schande. Kampflust und Kriegsgeschäft, Fanatismus und Rassismus, Hass und Schuld werden zwar als menschengemacht, aber schicksalhaft dargestellt. So wie auch Gnade, Erbarmen und Erlösung einzig von oben kommen können. „Verdi schrieb für Menschen, nicht für aufgewühlte Intellekte“, sagte schon Franz Werfel über den Auftragskomponisten, der wenig von einer Kunst hielt, um arroganten Eliten zu dienen, sondern auch vom einfachen Volk verstanden werden wollte. Und so klingt er denn auch: Mit heutigen Ohren könnte man Vorläufer von Popsongs, Filmmusik oder E-Bassläufen heraushören. Dazu aber braucht es Geduld und Sitzfleisch, um dem überladenen und zusammengepuzzelten Libretto zu folgen. Dank Warner wird es nie zu langweilig.


nächste Vorstelllungen am 5., 8., 11., 16., 19. Mai, 31.8. und 14.9.
Karten unter: Semperoper

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