Kleiderkammer von Kaleb Dresden floriert

Ein Ehrenamt bringt Wissenszuwachs, soziale Kontakte und gutes Gewissen.

Blick in die Kleiderkammer Foto: Una Giesecke

Dresden. Kisten über Kisten, die ganze Wand hoch. Sie sind geordnet nach Kleidergrößen. Zwei der blauen Plastebehälter stehen auf dem breiten Holztresen davor, dahinter steht eine lächelnde junge Frau. Friederike Bentele absolviert ihren Bundesfreiwilligendienst in der Kleiderkammer des Vereins Kaleb Dresden. Davor stehen zwei Frauen in Kopftüchern, die sich über eine bebilderte Vokabelliste in Deutsch, Englisch und Arabisch beugen. Der Worte braucht es nicht viel, um Jäckchen, Westen und Hosen auszusuchen. Wie das Tauschen und Spenden in dem Erdgeschossladen an der Bautzner Straße funktioniert, erklärt Friederike in flüssigem Englisch, das sie aus ihrer Au-pair-Zeit in Australien drauf hat. Die 21-Jährige will Sozialarbeit studieren und die Zeit bis dahin nutzen, um Erfahrungen zu sammeln. „Hier komme ich in Kontakt zu anderen Kulturen“, begründet sie ihre Wahl, die sie übers Internet getroffen hatte.

Eine knapp 65-Jährige fand zwar nicht online, aber auch über Dritte ins Kaleb-Zentrum. „Bei der Bürgerstiftung hatte ich mich gezielt nach etwas erkundigt, was ich nach dem Berufsleben machen könnte“, erzählt Christiane Wiepning. „Es gab Ehrenämter zur Wanderleitung oder im Museum, dann suchte die Kleiderkammer Hilfe und die hab ich mir angeguckt.“ Seit knapp drei Jahren ist sie nun schon freiwillig dabei.
Was ist es, das Menschen dazu bringt, ehrenamtlich monatlich 12 bis 20 Stunden und mehr zu arbeiten? „Ich hab nur noch die Kür“, lächelt die Rentnerin, „wenn es mir hier nicht gefallen würde, würde ich nicht herkommen.“

Dankbarkeit und Umweltfreundlichkeit

Auch Cornelia Tautz geht es nicht ums Geld. „Ich habe das Glück, Zeit für ein Ehrenamt zu haben“, sagt die 43-Jährige. „Die Kinder sind inzwischen groß genug.“ Hier wird ihr Können gebraucht und anerkannt. „Es hilft den Leuten, sie gehen dankbar lächelnd mit schönen Sachen nach Hause.“ Und hier wird auf die Umwelt geachtet, „weil Dinge wiederverwendet werden.“
Kinder wachsen schnell, oft sind die Sachen zu schade zum Wegwerfen. Vom Babyfon über Kleidung bis zum Kinderwagen kommt eines zum anderen und füllt inzwischen mehrere Regale, Kästen und Garderobenstangen. Für alle vom Frühchen bis zum Teenie finden sich gegen Spende Schuhe und Spielsachen, Babyausstattung und Zubehör, sogar Umstandsmode ist im Angebot.

„Das macht viel Arbeit“, lässt Cornelia Tautz durchblicken. „Jedes Stück wird einzeln angefasst, begutachtet, einsortiert oder entsorgt.“ Rund
20 aktive Ehrenamtliche gehören zum Pool der Kleiderkammer, darunter auch ein Mann: ein Schneider aus Syrien, der ab und zu etwas ausbessert. „Aber in der Regel nehmen wir nur saisonale und saubere Dinge ohne Schäden oder Geruch entgegen“, erklärt die angestellte Sozialpädagogin Kristin Lohr.

Gelebte Menschlichkeit

Sie hat es übrigens in der Hand, ihre Freiwilligen bei der Stange zu halten. Wie ihr das gelingt? „Grundprinzipien sind Toleranz und Respekt, Wertschätzung und flache Hierarchien, jede wird mitgenommen. Wir unternehmen gemeinsam Ausflüge, bilden uns in monatlichen Treffs weiter und: Wir sind eine eingeschworene Gruppe.“ Dies bestätigen die drei Ehrenamtlichen wie aus einem Munde: „Ich freu mich immer drauf, das nette Team zu sehen, die Arbeit hier ist gelebte Menschlichkeit.“ 

Kleiderkammer des KALEB-Zentrums Dresden e.V., Bautzner Str. 52, geöffnet außer 21.12. bis 1.1.19 immer Mo. – Do., 9 – 12, Mo./Mi., 15 – 18 Uhr, Tel. 0351 
8014432, www.kaleb-dresden.de

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