So gefährlich ist Radfahren in Dresden

Ein weißes Fahrrad erinnert an der St. Petersburger Straße an die Radfahrerin, die dort ums Leben gekommen ist. Inzwischen hat die Stadt die Gefahrenstelle entschärft. (Foto: Sven Ellger)

Die Zahl der Unfälle steigt immer weiter. Wer in der Stadt mit dem Rad unterwegs ist, lebt riskant.

Das vergangene Wochenende war kein gutes für Dresdner Radfahrer. Gleich drei von ihnen verletzten sich bei Unfällen, zum Teil sogar schwer. Auch die Zahl der weißen Fahrräder, die an getötete Radfahrer erinnern, ist in diesem Jahr erneut um eines angestiegen. Es steht an der Kreuzung Stauffenbergallee/Rudolf-Leonhard-Straße, wo ein 54-jähriger Radfahrer von einem Lkw-Fahrer übersehen und überrollt wurde. Damit sich solche Fälle nicht wiederholen, hat die Stadtverwaltung bereits 2016 ein Radverkehrskonzept mit 450 Projekten aufgestellt, damit Radfahren bis 2025 deutlich sicherer und komfortabler wird. Sieben neue Planer wurden eingestellt, um möglichst schnell agieren zu können.

Langsames Ausbautempo

Doch die reichen nicht, um das nötige Tempo vorzulegen. Bisher sind erst 7,5 Prozent geschafft, während von der Zeit bis 2025 schon über ein Viertel verstrichen ist, wie der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) errechnet hat. Zwar sank die Zahl der tödlich Verunglückten, die 2015 und 2016 noch bei jeweils drei lag, 2017 und im Vorjahr auf einen. Doch die Zahl von Unfällen mit Radfahrern und der bei Radunfällen Verunglückten steigen seit 2016 fast kontinuierlich an. Waren es 2016 noch 1 316 Unfälle mit Radfahrerbeteiligung, lag sie im Vorjahr schon bei 1 563. Im ersten Halbjahr dieses Jahres gab es bereits 639 Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren. Sie machen rund zehn Prozent aller Unfälle in Dresden aus. Dabei verletzten sich 77 Radfahrer schwer und 423 leicht.

Gefährliche Innenstadt

Nach Aussage der Polizeidirektion Dresden konzentrieren sich die Unfälle vor allem auf den Innenstadtbereich, da dort die meisten Radfahrer unterwegs sind. Seit Langem weist der ADFC dort auf gefährliche Strecken hin.
Wie auf den den kombinierten Fuß- und Radweg am Terrassenufer. Der frühere Straßenbauamtsleiter Reinhard Koettnitz hatte vorgeschlagen, den Pflasterstreifen ebenfalls mit breiten Gehwegplatten zu belegen, damit Fußgänger und Radfahrer dort beide ausreichend Platz haben.
Doch Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain verfolgte eine andere Strategie. „Wir schauen uns den gesamten Straßenquerschnitt des Terrassenufers an: Aktuell prüfen unsere Planer, ob wir auf der Seite der Brühlschen Terrasse einen Fahrradstreifen anlegen können. Wenn dies möglich wäre, könnten wir die Situation auf der Elbseite entspannen“, sagt er.
Eine andere gefährliche Stelle hat der Baubürgermeister bereits entschärfen lassen: Auf der St. Petersburger Straße darf zwischen Georgplatz und Sidonienstraße nicht mehr geparkt werden. Dort kam 2018 eine Radfahrerin ums Leben, als sich neben ihr eine Autotür öffnete, sie darüber stürzte und von einem Auto überrollt wurde. Völlig unverständlich deshalb, weshalb die Stadt jetzt auf der Tiergartenstraße genau eine solche Radwegführung markiert hat, die neben parkenden Autos verläuft.

Radwege enden im Nichts

Problematisch sind Stellen, an denen es keinen funktionierenden Übergang von vorhandenen Radwegen auf die Straße gibt. Wie in Bühlau kurz hinter der Einmündung Rossendorfer Straße. Dort kommen die Radfahrer aus Weißig und fahren einfach auf dem Fußweg weiter.
Zwar ist die Stelle im Radverkehrskonzept mit höchster Priorität aufgenommen und soll eine gesicherte Straßenquerung bekommen. Die Frage ist nur, wann. Denn die Stadt verweist auf die laufende Planung zur Stadtbahn. Die dauert noch mehrere Jahre. (Kay Haufe)

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1 Kommentar

  1. Gut, dass das Thema aufgegriffen wird.
    Es ist wirklich schlimm mit anzusehen, wie viele Fahrradfahrer sich nicht vernünftig im Verkehr verhalten.

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