Dresden erinnert an Einweihung der Neuen Synagoge

Gedenken zum Reichsprogrom: Am 9. November an der Synagoge. Foto: © Maros Mraz, CC-BY-SA-3.0
Foto: © Maros Mraz, CC-BY-SA-3.0/Archiv

Die Jüdische Gemeinde zu Dresden feiert am 9. November den 20. Jahrestag der Weihe der Neuen Synagoge am Hasenberg – wegen der hohen Corona-Inzidenz nur im kleinen Kreis.

Ab 15:30 Uhr lässt sich die Festveranstaltung unter dresden.de/juedisches-leben oder bei Youtube verfolgen. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Dresden Michael Hurshell eröffnet die Feierlichkeiten. Es folgen Grußworte des Vizepräsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland Mark Dainow, des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer und des Dresdner Oberbürgermeisters Dirk Hilbert. Die Festrede hält Dr. Herbert Wagner, der von 1990 bis 2001 Oberbürgermeister in Dresden war.

Anlässlich des Jahrestages der Synagogenweihe sagt Michael Hurshell, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Dresden: „Eine neue Synagoge in Sachsen, in den östlichen Bundesländern fast 60 Jahre nach der Shoah – für dieses Wunder waren und sind wir heute noch dankbar. Der Anschlag von Halle, die Feindseligkeiten gegenüber Juden im Zusammenhang mit den Angriffen gegen Israel im Mai dieses Jahres und wachsender Antisemitismus zeigen uns aber auch, dass jüdisches Leben in Deutschland verletzlich ist und bleibt. Eine Synagoge zu haben ist für die jüdische Gemeinschaft elementar wichtig – wir brauchen aber auch die Solidarität der Dresdner und der Sachsen, heute mehr denn je, damit es in diesem Land auch in Zukunft jüdisches Leben gibt.“

„Der 9. November steht wie kein anderer Tag in der deutschen Geschichte für schlimmste Abgründe und zugleich für Aufbruch und Zuversicht.“ so Ministerpräsident Michael Kretschmer. „Wir erinnern heute sowohl an die Pogrome gegen Juden, an Leid und Zerstörung als auch an die Friedliche Revolution und den Fall der Mauer. Heute denke ich besonders an die Weihe der neuen Dresdner Synagoge vor zwei Jahrzehnten. Es freut mich, dass hier seither wieder Gebete, Begegnungen und Austausch möglich sind. Dass die jüdischen Gemeinden bei uns wieder heimisch geworden sind und ein aktives Gemeindeleben entfalten, ist ein großes Glück. Der Freistaat Sachsen fühlt sich den Gemeinden und allen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern eng verbunden und steht an ihrer Seite. Klar ist auch: Es geht uns alle an, wenn es wieder antisemitische Anfeindungen, Pöbeleien und Gewalttaten gibt in diesem Land. Dem stellen wir uns gemeinsam mit großer Entschlossenheit entgegen.“

Oberbürgermeister Dirk Hilbert erklärt: „Die Neue Synagoge steht nach 20 Jahren als Symbol dafür, wie ein neues Miteinander wachsen kann. Gleichzeitig hält sie die Erinnerung an das lebendig, was wir am 9. November 1938 und in der Zeit des Nationalsozialismus verloren haben: Nicht nur den Bau von Gottfried Semper, sondern einen wichtigen Teil unserer Stadtgesellschaft, unserer eigenen Identität. Beide Facetten prägen Dresden und beide Facetten müssen unser Handeln leiten. Nicht nur an diesem Jubiläum, nicht nur am 9. November. Wir erleben, dass antisemitische Einstellungen in der deutschen Bevölkerung wieder zunehmen. Und wir erleben wieder eine wachsende Gewalt und Ausgrenzung von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Es reicht aber nicht, dies festzustellen und zu beklagen, sondern es erfordert unser Tun. Ich bin der festen Überzeugung:  Wir müssen jüdisches Leben in unserer Stadt sichtbarer werden lassen.“

Erste neugebaute Synagoge Ostdeutschlands

Die Neue Synagoge entstand von 2000 bis 2001 am Rande der historischen Altstadt von Dresden nach Plänen des Architektenbüros Wandel, Hoefer, Lorch aus Saarbrücken mit Nikolaus Hirsch. Eine originalgetreue Rekonstruktion des historischen Bauwerkes erschien nicht sinnvoll. Zum einen, weil es in Dresden ein prägnantes, architektonisches Zeichen der Erinnerung und Mahnung geben sollte. Damit bewusst bleibt: Das millionenfache Unrecht, das Deutsche ihren jüdischen Mitbürgern zwischen 1933 und 1945 angetan haben, ist eine große Schuld, die nicht weggewischt und vergessen werden kann. Zum anderen sollte ein Synagogen-Neubau den heutigen Bedürfnissen der Jüdischen Gemeinde gerecht werden. So entstand am Hasenberg ein modernes Gemeindezentrum aus zwei Baukörpern, das Gottesdienste und Zusammenkünfte für rund 300 Personen erlaubt. Darüber hinaus wurde Raum geschaffen für die religiöse Erziehung der Kinder, eine Bibliothek und das Archiv der Gemeinde.

Der Neubau der Dresdner Synagoge wurde von verschiedenen Seiten gefördert. Besondere Unterstützung erhielt das Projekt von der Landeshauptstadt Dresden und dem Freistaat Sachsen. Sowohl finanziell als auch ideell stellt dies ein Bekenntnis zur Solidarität mit den jüdischen Bürgern Dresdens dar. Zahlreiche Spenden von Bürgerinnen und Bürgern flossen ebenfalls in das Projekt ein.

Der erste Spatenstich erfolgte am 9. November 1998, genau 60 Jahre nach der Zerstörung der Semperschen Synagoge. Auch die Weihe fiel auf den denkwürdigen 9. November, diesmal im Jahr 2001.

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