Erste Probefahrt: das ist Dresdens neue „Gelbe“

Erste Probefahrt: das ist Dresdens neue „Gelbe“
Von Gorbitz hinauf nach Gompitz und Pennrich führte die erste Fahrt der neuen Dresdner Straßenbahn. // Foto: © Sven Ellger

Die neue, breite Bahn für Dresden hat am Montag den Betriebshof in Gorbitz verlassen. Was die erste Testfahrt gezeigt hat.

Abfahrt war um 10.32 Uhr und damit 13 Minuten früher als geplant. Im Linienverkehr ist so etwas undenkbar. Doch in diesem Fall passte es, schließlich soll die neue Dresdner Straßenbahn so bald wie möglich einsatzbereit sein. An diesem Montag fand die erste Ausfahrt der Bahn mit der Nummer 2901 statt. Sie dauerte etwa eine Stunde, und das Wichtigste für die Verantwortlichen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) war dabei das Ergebnis: Es gab keine Probleme.

Uwe Kretzschmar hatte die Ehre. Er ist Fahrlehrer und gehört zu den DVB-Mitarbeitern, die bereits erfolgreich die Schulung für die Neue absolviert haben. Kretzschmar durfte die 43 Meter lange Bahn auch schon fahren, bisher aber nur auf dem Betriebsgelände der Verkehrsbetriebe in Gorbitz. „Das ist schon anders, man merkt, dass sie breiter ist“, beschreibt er, was er dabei erlebt hat.

Erste Fahrten in Schrittgeschwindigkeit

Vorn in der Bahn haben Techniker auf den Sitzen zwei Holzplatten mit allerlei Instrumenten und Computeranschlüssen montiert. Dort stehen normalerweise ihre Laptops, mit denen sie Daten wie die Beschleunigung messen und einstellen können. Uwe Kretzschmar muss an diesem Montag keine Zurückhaltung zeigen. Er darf auf den Gleisen neben der Straße die Höchstgeschwindigkeit fahren. Das sind 70 km/h, auch bergab. Mehr geht nicht. Neben Kretzschmar stehen im Führerstand an diesem Montag Jan Silbermann und Holger Seifert. Silbermann ist Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe, verantwortet damit den kompletten Fahrverkehr. Seifert leitet die Straßenbahn-Sparte des Unternehmens, hat die Vorgaben für die Neue federführend mit erarbeitet und kennt sie bereits aus dem Effeff.

Weitere Fahrten ab Anfang Januar

„Die Beschleunigung ist toll“, sagt Silbermann, „ganz weich geht es los und dann zieht sie so richtig an“, hat er am Anstieg nach Gompitz festgestellt. Bergab bremst Fahrlehrer Kretzschmar auf freier Strecke bis zum Stillstand – noch ein Test, der problemlos funktioniert.

Doch es ist noch lange nicht der letzte Test, den die 2901 vor der offiziellen Inbetriebnahme bestehen muss. Voraussichtlich ab dem 5. Januar wird sie regelmäßig in Dresden zu sehen sein – vor allem auf der Strecke der Linie 2 (Gorbitz- Kleinzschachwitz). Dort soll sie ab dem Frühjahr zuerst im Linienbetrieb eingesetzt werden. Dabei geht es erneut um die Haltestellen auf der Strecke und den Platz, den die Bahn dort braucht. Es geht dann auch darum, ob sie überall wie berechnet um die Kurven passt, ob es irgendwo trotz aller anderslautenden Rechenergebnisse Platzprobleme mit entgegenkommenden Straßenbahnen geben könnte und wie sie sich auf den Linienstrecken fährt. Dazu werden Gewichte und Sandsäcke eingeladen, insgesamt rund 28 Tonnen, um die Fahr- und Bremsleistungen mit „Passagieren“ überprüfen zu können.

Zuvor werden in Gorbitz weiter Fahrer auf der Neuen geschult. Dabei werden sie bemerken:. Der „Sound“ der neuen Bahn ist anders. Sie fährt leiser, die Elektromotoren begleiten die Beschleunigung mit einem leisen Pfeifen. Ob sie dennoch zu laut ist, muss übrigens auch noch gemessen werden. Alle anderen der 30 breiteren Straßenbahnen, die die DVB bestellt haben, müssen diesen umfangreichen Tests dann nicht absolvieren. Alle dabei gewonnen Daten werden auf sie übertragen, sodass sie gleich eingesetzt werden können.

SZ

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