Menschenkette am 13. Februar?

Menschenkette am 13. Februar?
Wegen der Pandemie war lange nicht klar, ob die Menschenkette in diesem Jahr stattfinden kann. // Foto: Sven Ellger/Archiv

Noch vergangene Woche hielt die Stadt die Möglichkeit für praktisch ausgeschlossen. Nach den angekündigten Lockerungen sieht das nun anders aus.

Möglichkeiten und Unmöglichkeiten wechseln schnell in diesen Tagen. Noch Ende vergangener Woche hieß es vonseiten der Stadt, eine Umsetzung der Menschenkette durch Dresden am 13. Februar sei angesichts der derzeitigen Infektionslage und der abzusehenden Beschränkungen nahezu ausgeschlossen. Nun jedoch soll das Zeichen für den Frieden womöglich doch umgesetzt werden. „Im Hinblick auf die angekündigten Lockerungen des Versammlungsrechts mit mehr Teilnehmern erscheint die Durchführung der Menschenkette möglich und entsprechende Planungen finden statt“, teilte Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) am Montag mit.

Die Einschätzung von vergangener Woche habe auf dem Stand der Corona-Verordnung des Freistaates vom Dezember basiert. Inzwischen hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) angekündigt, ab 14. Januar die Einschränkungen in Sachsen zu lockern. Hintergrund sind gesunkene Infektionszahlen und die Unterschreitung der Überlastungsstufe bei der Krankenhausbelegung. Konkret ist davon die Rede, dass in Sachsen künftig wieder Versammlungen mit bis zu 1.000 Personen möglich sein könnten.

Annekatrin Klepsch vertritt seit zwei Jahren Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) in der Arbeitsgemeinschaft 13. Februar. Im vergangenen Jahr musste die Menschenkette coronabedingt erstmals seit 2010 abgesagt werden. Stattdessen stellte die AG 13. Februar einzelne kleinere Veranstaltungen auf die Beine.

Mögliche alternative Szenarien für das Gedenken in diesem Jahr wurden bereits entworfen. Auch ohne Moderator sei die AG 13. Februar handlungsfähig und stelle sich gerade neu auf, heißt es aus dem Rathaus. Eine Übersicht über die Planungen soll in Kürze auf der städtischen Website zum 13. Februar zu finden sein.

Joachim Klose, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Sachsen, war bis 2020 der bislang letzte Moderator der AG 13. Februar. Er hofft, dass es in diesem Jahr wieder eine Menschenkette in Dresden geben kann – wenn auch sicher mit Einschränkungen. „Die Menschenkette war am Anfang Ausdruck einer gewissen Sprachlosigkeit der Gesellschaft“, sagt er. Inzwischen sei sie längst von einer Reaktionsform auf die Provokationen der Rechten zu einer Aktionsform geworden.

„Ich habe die Sorge, dass dieses starke Symbol ein Stück weit verloren geht, wenn es mehrfach ausgesetzt wird. Tradition lebt von Rhythmus.“ Ein stillschweigender Konsens in der Gesellschaft lasse sich danach nicht so einfach zurückgewinnen. Das Gedenken solle nicht zu einem Show-Event werden, sondern seine würdige Form behalten, fordert Klose. „Dass die Rechtsextremen ihre Präsenz in Dresden am 13. Februar aufgegeben haben, ist ein Erfolg der AG und der Stadtgesellschaft.“ Als zumindest unglücklich empfindet Klose den Umstand, dass die grundlegende Umstrukturierung der Arbeitsgemeinschaft mit den aktuellen Herausforderungen in der Pandemie zusammenfalle. Die organisatorische Anbindung des Gedenkens bei der Kulturbürgermeisterin statt direkt beim OB sei ein zweifelhaftes Signal nach außen.

„Wir haben es lange geschafft, die gesamte Zeitspanne vom 27. Januar als Tag der Befreiung von Auschwitz bis zum 13. Februar zu bespielen“, sagt Klose. Dieses Gesamtkonzept sei leichtfertig aufgegeben worden. Keinesfalls wolle er „dreckige Wäsche waschen“, jedoch müsse die Stadt seiner Ansicht nach darauf achtgeben, das zivilgesellschaftliche Element beim Gedenken wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

SZ/HBE

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