Zahnarztangst ist ansteckend

Zahnarztangst ist ansteckend
Karies ist im Kindesalter keine Seltenheit. Das kann Dr. Uta Knobloch hat an der TU Dresden in einer Studie gezeigt, dass die Angst vorm Zahnarzt „ansteckend“ sein kann. Fotos: TU Dresden. // Foto: djd/Archiv

Eine Studie Dresdner Wissenschaftler zeigt, dass Mütter mit Furcht vorm Zahnarztbesuch oft auch Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko haben. Dafür gibt es deutliche Gründe.

Karies im frühen Kindesalter ist durchaus weit verbreitet. Aktuelle Zahlen zeigen, dass von 100 Dreijährigen immerhin 14 Kinder betroffen sind. Ein Problem: Denn medizinische Statistiken zeigen, dass sich daraus auch ein hohes Kariesrisiko im bleibenden Gebiss entwickeln kann. Umso wichtiger ist es, frühzeitig regelmäßig auch schon mit kleinen Kindern Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt wahrzunehmen. Genau dabei zeigte sich aber, dass die Angst vorm Zahnarzt „ansteckend“ sein könnte. Mütter, die selbst nur ungern zum Zahnarzt gehen, die selbst Angst haben, übertragen diese Furcht also scheinbar auch auf ihre Kinder. Und sie nutzen wegen ihrer eigenen Ängste auch die Chancen auf Vorsorgeuntersuchungen bei ihren Kindern eher selten.

Bildungsstand wichtig

Dass diese Vermutungen durchaus berechtigt sind, zeigt nun eine Studie der Technischen Universität Dresden. Die Dresdner Zahnmedizinerin Dr. Uta Knobloch hat im Rahmen eines Kooperationsprojektes der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik und der Poliklinik für Zahnerhaltung am Dresdner Uniklinikum Kinder im Alter von drei und vier Jahren untersucht und gleichzeitig deren Mütter zu möglichen psychischen Erkrankungen befragt. Gleichzeitig schaute die Dresdner Medizinerin auf den Bildungsstand, die Berufsausbildung und das Einkommen der Familien.

Dabei verglich sie eine Gruppe von 60 Kindern mit frühkindlicher Karies und eine Gruppe von 60 kariesfreien Kindern. „In der Auswertung der Daten zeigte sich, dass die Mütter von Kindern mit frühkindlicher Karies im Vergleich eine deutlich erhöhte Zahnbehandlungsangst aufweisen“, beschreibt Dr. Uta Knobloch. Gleichzeitig verweist sie darauf, „dass diese Mütter in ihrer Kindheit unter anderem Vernachlässigung erlebt haben, häufiger Raucherinnen sind und einen niedrigeren Sozialstatus haben“. Erkenntnisse, die nun zu ganz speziellen Vorsorgeprogrammen führen sollen, die sich auf genau diese Probleme beziehen, so die Medizinerin. „Das wird eine wichtige Aufgabe“, ist Dr. Knoblauch überzeugt.

Gleichzeitig verweist die Dresdner Forscherin aber auch auf weitere Erkenntnisse aus der Studie: So habe sich beispielsweise gezeigt, dass Alkoholabhängigkeit von Müttern, Essund generalisierte Angststörungen oder auch depressive Störungen offenbar nicht mit der Zahngesundheit der Kinder im Zusammenhang stehen. Vielmehr sei es ein niedrigerer Bildungsgrad der Mütter und ein daraus resultierendes Armutsrisiko wichtige Faktoren, die die Zahngesundheit der Kinder negativ beeinflussen können. Haben Mütter selbst Defizite bei der Mundhygiene oder vermeiden Zahnarztbesuche, kann sich das ungünstig auf die Kleinkinder auswirken. Ängste aufgrund eigener Traumatisierungen oder phobischer Zahnbehandlungsangst erschweren es nicht nur den Müttern, zum Zahnarzt zu gehen, sondern auch mit ihren Kindern Früherkennungsuntersuchungen und Präventionsangebote wahrzunehmen, beschreibt Dr. Uta Knobloch.

Neue Idee für Vorsorge

Daraus nun entsprechende Präventionsstrategien zu entwickeln, sieht auch Prof. Christian Hannig als enorm wichtige Erkenntnis an. Er ist Mitautor der Studie und Studiendekan für Zahnmedizin an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. „Die gewonnenen Erkenntnisse sind wichtig, um Risiken für die Zahngesundheit insbesondere von Kindern zu erkennen“, macht er klar. Vorsorgemöglichkeiten und vor allem die öffentliche Vermittlung dieser Möglichkeiten müsse man mit Blick auf die Ergebnisse der Studie nun auch völlig neu denken. Es sei wichtig, genau an diese Zielgruppe heranzukommen. Es geht darum, Karieserkrankungen frühzeitig zu erkennen, um langfristig die Zahlen von Karieserkrankungen auch im Erwachsenenalter zu senken. Das Thema Kontrolluntersuchungen spiele dabei eine nicht minder große Rolle wie die Mundhygiene insgesamt.

JENS FRITZSCHE

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