Die zwei Neuzeit-Canalettos von Dresden

Roberto Preußer (li) und Roland Schwenke lernten sich über einen Beitrag in einer Dresdner Wochenzeitung kennen. "Wir sind seelenverwandt", sagen beide. Fotos: Pönisch

Die Gemälde von Bernardo Bellotto sind weltberühmt. Zwei Dresdner können genauso gut mit Farben und Pinsel umgehen und malen Canalettos Werke detailgetreu nach.

Wäre es ein Film, würden viele vielleicht sagen: Wie unrealistisch, so viele Zufälle kann es gar nicht geben. Und doch gibt es in Dresden genau diese Geschichte von den zwei „Canalettos der Neuzeit“. Und die geht so:

Roberto Preußer (59) brachte im Oktober sein bisheriges „Lebenswerk“ zu Ende – „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke“, allgemein bekannt als Canaletto-Blick, in Originalgröße 2,37 mal 1,34m. Roland Schwenke (68) wiederum trägt zwar schon sehr lange den Beinamen „Hochland-Canaletto“, doch sein erster nachgemalter Canaletto – der Canale Grande Venedig – entstand auch erst im Herbst 2021.

Fachsimpeln über ein Gemälde von Roland Schwenke (re.)

Der Medienneuling und der Medienprofi: Zwei vom gleichen Schlag

Über Roberto Preußer war erstmals Ende November in einer Dresdner Zeitung zu lesen. Dass sein Maltalent von seinem Onkel entdeckt und gefördert wurde, dass er lange nur mit Kohle und Aquarell malte, ehe er sich an Öl traute, dass er mit Vorliebe die alten Meister des 17. bis 19. Jahrhunderts nachmalt und dass er sich niemals als Kopist bezeichnet würde, obwohl seine Arbeiten eine 1:1-Kopie des Originals sind. „Da müsste ich viel mehr wissen über Farbanalysen und verwendete Untergründe, aber dieses Wissen habe ich nicht“, sagt Preußer bescheiden.

Roland Schwenke dagegen ist längst medienerfahren, schließlich wurde er schon Anfang der 1990er als Hochland-Canaletto „entdeckt“. „Den Beinamen hat mir damals die Presse während der feierlichen Enthüllung meines ersten Bildes für Schloss Schönfeld verpasst“, erinnert er sich. Dem ersten folgten insgesamt 15 weitere große Ölgemälde für das Schloss. „Nach der Wende war des innen ja quasi ‚nackt‘, da gehörten einfach riesige Bilder an die Wände.“

Inzwischen malt Schwenke für Schloss Proschwitz und Prinz zur Lippe, dort hängt mit dem „Winterkönig“ bald das zwölfte historisch belegte Werk des in Gorbitz lebenden Freizeit-Künstlers.

Erst vor wenigen Tagen hat Roberto Preußer (li) das Canaletto-Werk Rialtobrücke in Venedig originalgetreu fertiggestellt

Erster Kontakt, erster Eindruck: „Wir sind seelenverwandt“

Als Schwenke von Preußer las, war sein erster Gedanke „Wow, der tickt ja wie ich.“ Und schon nach der ersten Mail an Roberto war ihm klar „Wir sind seelenverwandt. Auf so jemanden habe ich schon ewig gewartet.“Nicht nur ihre Vorlieben für die Alten Meister und ihr autodidaktischer Weg seien verbindend, „bei Roberto und mir hängen jeweils zwei alte Säbel an der Wand und beide haben wir eigenhändig Stuck an eine Zimmerdecke angebracht.“

Einen Unterschied gibt es dann doch: Während der jüngere Neuzeit-Canaletto beim Malen absolute Stille braucht, hört der Ältere gern Musik dabei. „Inzwischen sind wir gute Freunde, besuchen uns gegenseitig und tauschen uns über unsere aktuellen Arbeiten aus“, so Schwenke. Während er an den letzten Feinheiten des „Winterkönig“ malt, hat Roberto Preußer gerade mit Canalettos Werk „Dominikanerkirche in Wien“ begonnen – in Originalgröße, versteht sich.

„Das größte für mich wäre jedoch, wenn wir beide gemeinsam eine Art Collage aus Details berühmter Meisterwerken malen könnten“, wünscht sich der jüngere „Canaletto aus Striesen“. Und wer weiß: Das Leben schreibt bekanntlich verrückte Drehbücher. Am Ende erfüllt sich auch dieser Wunsch …

Roland Schwenke (re.) hat inzwischen seinen Freund Roberto im Stile eines Rembrandt porträtiert.

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