Die Eichhörnchen-Retterin

Jaqueline Gräfe, hier mit bereits genesenen Eichhörnchen, die von ihr betreut wurden. Foto: privat

Jaqueline Gräfe kümmert sich seit fast sieben Jahren um Eichhörnchen. Gerade betreut sie wieder elf mutterlose kleine Flaschenkinder.

Vor vier Wochen waren Sid, Manni, Scrat und Scrati noch blind, nackt und eigentlich dem Tod geweiht, wenn ihnen Jaqueline Gräfe nicht zu Hilfe gekommen wäre. Denn der Baum, auf dem ihre Hörnchenmama das Nest (in der Fachsprache Kobel genannt) gebaut hatte, musste gefällt werden. Als die Sachsenforst-Mitarbeiter entdeckten, dass dabei auch ein Nest mit vier winzigen Hörnchenbabys zu Boden ging, riefen sie bei der engagierten Dresdnerin an, denn Jaqueline Gräfe arbeitet seit 2015 im bundesweit agierenden Eichhörnchen-Notruf e.V.

Was „päppeln“ bedeutet und warum dies Fachleuten überlassen sein sollte

„Eigentlich hätte die Eichhörnchenmama ihre Jungen selbst gerettet, aber mein Versuch, sie zu ihrem Nachwuchs zu locken, wurde von etwas zu neugierigen Menschen gestört“, erzählt die 53-Jährige. Denn zunächst versucht Jaqueline Gräfe immer, mittels „Babystimmen“ der kleinen Hörnchen die Mutter anzulocken. „Die holt dann ihre Kinder und trägt sie in Ersatzkobel. Denn Eichhörnchen verfügen über mehrere Behausungen, das klappt eigentlich ganz gut. Nur in diesem Fall nicht.“
Weil also die Mama flüchtete, landeten die vier nackten, damals etwa sieben Tage alten und 19 Gramm leichten Tiere im Eichhörnchenzimmer in Frau Gräfes Wohnung. Hier päppelt sie derzeit insgesamt elf Tiere im Alter zwischen vier und sieben Wochen auf. Was bedeutet: Rund um die Uhr aller zwei Stunden mit Spezialaufzuchtmilch füttern. „Das sollte man wirklich Fachleuten überlassen, denn da kann man sehr viel falsch machen, was schnell zum Tod der Tiere führen kann.“

So sehen neugeborene Eichhörnchen aus: Sid, Manni, Scrat und Scrati sind hier etwa sieben Tage alt und wiegen um die 19 Gramm.

„Unser Ziel: Auswildern. Das werden keine zahmen Haustiere“

Sobald die kleinen Sciurus vulgaris, so die lateinische Bezeichnung, von der Flasche ent- und an feste Nahrung gewöhnt sind, kommen sie in Jaqueline Gräfes Garten, wo ihnen große Auswilderungsvolieren zur Verfügung stehen. Hier landen auch verletzte (erwachsene) Tiere, die aus ganz Dresden und Umgebung bei ihr abgegeben werden. „Unser Ziel ist es, die Tiere gesund zu pflegen oder eben soweit aufzupäppeln, dass sie wieder in die Natur entlassen werden können. Wir machen keine handzahmen Haustiere daraus.“ Das ist auch der Grund, warum die Tierschützerin keine anderen Menschen an die putzigen Gesellen lässt – weder an die allerliebsten Hörnchenbabys noch an die putzigen ausgewachsenen Gesellen. „Das sollen Wildtiere bleiben, die allein in der Natur zurechtkommen.“

Immer noch winzig und in der Natur ohne Chance – aber immerhin schon als Eichhörnchen erkennbar. Fotos: Gräfe

Wie Corona sich auf die Eichhörnchen-Rettung ausgewirkt hat

Bundesweit gibt es mittlerweile 240 Rettungsstationen für die beliebten Nager. Der Verein kann mit einem deutschlandweiten Servicetelefon und dem bundesweiten Netzwerk von Ansprechpartnern und Auffangstationen überall dort Hilfe leisten, wo Eichhörnchen in Not sind. „In den beiden Corona-Jahren wurden deutlich mehr Tiere in unsere Stationen gebracht, die Leute hatten im Lockdown mehr Zeit für Spaziergänge. Das habe ich auch in unserer Region deutlich gemerkt“, sagt Jaqueline Gräfe. Bundesweit seien 4.000 bzw. im vergangenen Jahr rund 5.000 Tiere zu den Rettern gebracht worden, rund 100 landeten bei der engagierten Dresdnerin, die für ihren Einsatz im Jahr 2020 mit dem 2. Platz des Deutschen Tierschutzpreises geehrt wurde.
Sid, Manni, Scrat und Scrati sind inzwischen keine kleinen Nackedeis mehr, sondern deutlich als rote Eichhörnchen erkennbar. Und einen neuen Freund haben die Vierlinge auch schon: Balu, ein fast gleichaltriger und ebenfalls elternloser kleiner Kerl, der dank Jaqueline Gräfes Hilfe überleben wird.

Weitere Infos auf www.eichhoernchen-notruf.com
Hotline 0700/200 200 12

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