Faszinierende Einblicke ins Wunderwerk Mensch

Körperwelten Dresden
Ab 6. Mai kommen die „Körperwelten“ in die Zeitenströmung Dresden. // Fotos: jens Fritzsche

Am 6. Mai eröffnet in der Zeitenströmung die KörperweltenAusstellung „Am Puls der Zeit“.

Wenn Rurik von Hagens von seinen Schulfreunden gefragt wurde, was sein Vater eigentlich von Beruf ist, musste er eine Menge erklären. Denn sein Vater – Gunther von Hagens – hat ein Verfahren auf den Weg gebracht, menschliche Organe und Körper quasi für die Ewigkeit haltbar zu machen und sie gleichzeitig durch ins Gewebe eingebrachte Plastik auch in allen Einzelheiten sichtbar werden zu lassen. Damit W können Medizinstudenten die Anatomie des Menschen erkennen – und das auch schichtenweise“, beschreibt Gunther von Hagens, was ihn an diesem Weg so fasziniert. Das Verfahren, die sogenannte Plastination, hatte ihn schon während seines Medizinstudiums an der Universität Heidelberg beschäftigt. Und 1977, als er sein Studium abgeschlossen hatte, war ihm klar, „dass die für die Studenten bereitstehenden menschlichen Präparate nicht die Qualität haben, die sie haben müssten“. Also entwickelte er das Verfahren neu und produzierte so zunächst für die Heidelberger Universität erste Plastinate. Dass Gunther von Hagens später solche Plastinate auch in seinen weltweit für Aufsehen sorgenden Körperwelten-Ausstellungen präsentierte und damit bisher weit über 50 Millionen Besucher erreicht hat, ist hingegen einem Zufall zu verdanken. Und einer Krankenkasse in Pforzheim. Denn wie beschrieben ging und geht es dem studierten Mediziner nicht ums Organisieren von Ausstellungen, sondern um eine bessere Ausbildung von Medizinstudenten.

Im von ihm aufgebauten Plastinarium im brandenburgischen Guben – hier sind rund 100 Menschen damit beschäftigt, diese Plastinate herzustellen – arbeitet von Hagens deshalb daran, das Verfahren weiter zu vervollkommnen „und vor allem preiswerter zu machen, damit sich alle Universitäten diese Plastinate leisten können“.

Anfang der 1980er Jahre hatte dann die AOK Pforzheim bei ihm angefragt, ob man für eine Ausstellung einige der studentischen Ausbildungspräparate bekommen könne – einige in Scheiben geschnittene plastinierte Körper. Die Ausstellung sollte dafür werben, mehr auf die eigene Gesundheit zu achten und nur wenige Tage geöffnet sein. „Doch daran war nicht zu denken“, erinnert sich Rurik von Hagens noch ganz genau. Er war damals noch Teenager und schon „als fünf- bis sechsjähriger Junge immer wieder mal im Labor seines Vaters“. Er wuchs quasi mit dem Thema auf – und so war das Ganze für ihn auch vollkommen normal, „und deshalb war der Ansturm auf diese erste Ausstellung auch für mich total überraschend“. Vier Wochen lang war die Schau in einem kleinen Gemeindezentrum geöffnet und über 20.000 Besucher hatten sie tatsächlich regelrecht gestürmt. Und Rurik von Hagens half mit, diesen Ansturm zu bewältigen – er schenkte Tee an die in langen Schlangen Wartenden aus oder kontrollierte die Eintrittskarten.

Allerdings, auch daran erinnert sich Rurik von Hagens, war die Universität nicht sonderlich begeistert gewesen, dass die Plastinate in der Öffentlichkeit zu sehen waren, die bis dahin ausschließlich für die Ausbildung produziert worden waren. Also hatte Gunther von Hagens Ausstellungen zunächst ad acta gelegt. 1993 dann gründete er sein eigenes Institut, in einer alten Autowerkstatt in Heidelberg. Und schon zwei Jahre später kam eine Anfrage aus Japan. Die dortige anatomische Gesellschaft feierte 100. Jubiläum und bat ihn, dafür Plastinate zur Verfügung zu stellen. Es wurde sozusagen die erste echte Körperweltenausstellung; und ein voller Erfolg. 480.000 Besucher strömten in die Ausstellung, sie nahmen drei bis vier Stunden Wartezeit in Kauf. „Meinem Vater war klar, dass er fortan zweigleisig fahren musste“, beschreibt Rurik von Hagens, der heute das Plastinarium als Geschäftsführer leitet. Und der auch gelernt hat, mit der Kritik an den Körperwelten umzugehen. In einigen Boulevardmedien war er gar als „Sohn von Dr. Tod“ bezeichnet worden. „Ja, es sind echte Menschen, aber es sind Körperspender, die sich ganz bewusst dafür entscheiden, ihre Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen“, sagt er. Und jeder könne sich ja anschauen, was in Guben passiert. „Wir sind sehr transparent und haben neben einer Ausstellung auch die Herstellung unserer Plastinate für Besucher geöffnet!“ Um die 15.000 nutzen alljährlich die Chance, geöffnet ist von Freitag bis Sonntag.

Ab 6. Mai kommen die „Körperwelten“ nun in die Zeitenströmung nach Dresden. „Am Puls der Zeit“, lautet der Titel. Es geht um Stress, ums ständig online zu sein, und was das mit unserem Körper macht.

Mehr Informationen zur Ausstellung unter: koerperwelten.de/stadt/dresden

JENS FRITZSCHE

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