Gemäldegalerie Alte Meister: „Öffentliche“ Restaurierung eines Gemäldes

Gemäldegalerie Alte Meister
Schau-Atelier im Zwinger Alle Fotos: SKD/Klemens Renner

Bei der Restaurierung der „Madonna des heiligen Sebastian“ darf den Experten in der Gemäldegalerie Alte Meister über die Schultern geschaut werden.

Die „Madonna des heiligen Sebastian“ ist in die Jahre gekommen. Zum einen, weil sie um 1524 von Antonio Allegri, genannt Correggio, erschaffen wurde und damit bald 500 Jahre alt ist. Zum anderen, weil ganz konkret die Malschicht über ihrem Antlitz im Laufe der vielen Jahre Schaden genommen hat und konservatorisch gesichert und stabilisiert werden muss.


Den Restauratoren über die Schultern schauen

Im Rahmen des Forschungsprojekts können kunstinteressierte Besucher der Alten Meister den Restauratorinnen im westlichen Eckraum der ersten Etage über die Schulter schauen und die Arbeiten am Kunstwerk verfolgen.
Bis 2024 wird das Gemälde in einem gläsernen Schau-Atelier untersucht und umfassend restauriert.
Die öffentliche Restaurierung soll auch den Maler Correggio in den Fokus rücken. Bis ins 19. Jahrhundert zählte er neben Michelangelo, Leonardo da Vinci und Raffael zu den bekanntesten Künstlern der Renaissance. Heute ist er relativ unbekannt.


Schäden am Gemälde zum Teil über 400 Jahre alt

Schon 60 Jahre nach der Entstehung des Gemäldes gab es Berichte über Beschädigungen an der Malschicht. In den folgenden Jahrhunderten verschlechterte sich der Zustand weiter. Das ursprünglich kräftige Kolorit der verschiedenen Gewänder sowie die unterschiedliche Farbigkeit der Wolken und der goldenen Glorie sind heute kaum mehr zu erkennen. Zum Schadensbild gehört auch die wellenartige Oberfläche, die sich auf die Verwendung ungeeigneter Bretter bei der Herstellung zurückführen lässt. Dadurch kam es besonders an den Leimfugen zu Farbschichtlockerungen und -verlusten. Notwendige Festigungen, Überzüge und Retuschen ließen die Oberfläche schließlich fleckig, stark vergilbt und deformiert erscheinen.


Ergänzend zum Schau-Atelier werden im gleichen Raum weitere Beispiele von restaurierten italienischen Meisterwerken der letzten Jahre präsentiert, darunter Giulio Romanos „Madonna mit der Waschschüssel“ (um 1525) und Cima da Coneglianos „Segnender Christus“ (um 1505/06).
In den Alten Meistern hängen übrigens drei weitere Werke von Correggio, entstanden zwischen 1514 und 1530. Damit besitzt die Gemäldegalerie den weltweit größten Bestand an Altargemälden Correggios.

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