Der Dresdner Verein „Sonnenstrahl e.V. – Förderverein für krebskranke Kinder und Jugendliche“ sitzt auf gepackten Koffern. In wenigen Wochen wird das größte Projekt in der über 35-jährigen Vereinsgeschichte Realität: Der Umzug in einen Neubau, der endlich den dringend notwenigen Platzbedarf des Vereins deckt.
Alles ist neu hier, überall riecht es nach frischer Farbe, stehen erste Umzugskisten bereit, werden Möbel aufgebaut, Küchenzeilen angeschlossen und Räume eingerichtet. Hier und da fehlt noch einiges, die schönen Bilder in den Beratungsräumen zum Beispiel, die Sprossenwand im Sporttherapieraum oder die Holzpaneele zum Anpinnen der Arbeiten im Kunsttherapiezimmer. Aber so nach und nach nimmt alles Gestalt an. „Wir sitzen auf gepackten Kisten. In der 12. Kalenderwoche, also Mitte März, wollen wir hier unsere Arbeit aufnehmen“, sagt Falk Noack, Geschäftsführer des Sonnenstrahl e.V. Bis dahin werden wohl auch die Temperaturen dauerhaft über fünf Grad liegen, damit endlich auch das Glasfaserkabel für den Internetanschluss eingezogen werden kann.

Ein Traum geht in Erfüllung: Mehr Platz für Therapieangebote
Der Verein Sonnenstrahl betreut derzeit rund 300 Familien, in denen ein Kind akut an Krebs erkrankt ist oder sich in der Krebsnachsorge befindet. Das liegt einerseits am größeren Einzugsgebiet des Universitätsklinikums, aber auch am medizinischen Fortschritt. Die durchschnittliche Heilungsrate – gemittelt über alle Krebsarten bei Kindern und Jugendlichen – beträgt heute fast 90 Prozent. Daraus resultiert der große Therapiebedarf in der Nachsorge, die sich oft über viele Jahre erstreckt.
Kein Wunder also, dass die Kapazitäten am bisherigen Standort auf der Goetheallee längst nicht mehr ausreichen. Doch nun, nach nur 20 Monaten Bauzeit, ist zumindest die Platzfrage für den Verein positiv geklärt. In unmittelbarer Nähe zur Kinderonkologie wartet der Neubau auf seine neuen Nutzer. Im Erdgeschoss und in der ersten Etage werden das Kinderschutzhaus Dresden und das Sächsische KinderPalliativ Zentrum als Mieter einziehen, die drei Etagen darüber gehören dem Sonnenstrahl-Verein: Hier gibt es mehrere Beratungsräume, ein Kunst- und Musikzimmer für bis zu zwölf Kinder, den 70 qm großen Sportraum mit Kletterwand und Sportgeräten inklusive großem Umkleidebereich mit rollstuhlgeeigneten Duschen und ganz ober unterm Dach den José-Carreras-Begegnungsraum, der bis zu 70 Personen Platz bietet. „Wenn wir bisher Elterntreffen, Geschwistertage oder unsere Mitgliederversammlung veranstalten wollten, mussten wir größere Räume oft anmieten. Jetzt können wir hier auch kleine Konzerte, Kinoabende oder Sponsorentreffen organisieren“, freut sich Sozialtherapeutin Ulrike Grundmann. „Und in der extra großen Küche nebenan können Kinder, Jugendliche oder Eltern gemeinsam kochen und backen.“ Nicht zu vergessen die fast 60 qm große Terrasse, die vor allem im Sommer zum Verweilen einlädt.

Vier Säulen der Finanzierung und riesige Spendenbereitschaft
Für den Neubau auf der Schubertstraße musste der Sonnenstrahl e.V. 7,1 Millionen Euro aufbringen. „Dafür haben wir über viele Jahre vorausschauend zweckgebundene Rücklagen aufgebaut und dann hat uns natürlich das Erbe von Olaf Böhme sehr geholfen“, sagt Vereinsvorsitzender Andreas Führlich. Der 2019 an Krebs verstorbene Dresdner Künstler hatte dem Sonnenstrahl e.V. 1,2 Millionen Euro vererbt. „Einen weiteren großen Anteil, rund 1,2 Millionen Euro, machen Zuwendungen aus sechs Stiftungen aus“, sagt Führlich. Dazu gehören die Deutsche Kinderkrebsstiftung, die Deutsche Fernsehlotterie, die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung, der Verein „Bild hilft e.V. Ein Herz für Kinder“, die „Tour der Hoffnung“ und die „Hildegard Wünsche Stiftung“. Und dann sei da noch die unglaublich große Spendenbereitschaft vieler Menschen: Über 1,3 Millionen Euro warb der Verein selbst mit vielfältigen Spendenaktionen ein. Allein 370.000 Euro kommen von den 25 Baupaten, die den Neubau mit mindestens 10.000 Euro unterstützten. Für den Bau der beiden Etagen, die das Universitätsklinikum mietet, wurde ein Kredit aufgenommen.
Was wird aus der Villa auf der Goetheallee?
Seit 2003 besitzt der Verein die „Villa Sonnenstrahl“ auf der Gotheallee. Im Laufe der Jahre entstanden hier elf Familienzimmer mit eignem Bad und Gemeinschaftsküchen auf den Etagen. Wenn der Umzug ins neue Domizil gemeistert und der letzte Umzugskarton im neuen Haus eingetroffen ist, dann sollen die frei werdenden Räume auf der Goetheallee mittelfristig zu vier Familienappartements mit eigener Küche umgebaut werden. „Das ist der Wunsch vieler Eltern, die während des Klinikaufenthaltes ihres Kindes hier leben und sich gern zurückziehen und selbst versorgen möchten“, sagt Andreas Führlich.
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