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Paradegeschoss im Dresdner Residenzschloss wird rekonstruiert

Stich vom Audienzgemach beim Empfang Maria Josephas im Dresdner Schloss 1719 Foto: SLUB / Deutsche Fotothek

Es werde für noch größeres Staunen sorgen als Dresdens Schatzkammerdas Grüne Gewölbe, hofft Ludwig Coulin. Damit meint der Chef der Dresdner Niederlassung des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) das Paradegeschoss des Residenzschlosses. 2019 soll das Herzstück im zweiten Obergeschoss des Westflügels wiedereröffnen.

Dazu gehören Tafelgemach, zwei Vorzimmer, Paradeschlafzimmer und Audienzgemach. Errichtet 1719, dienten die Prunksäle in erster Linie dem Repräsentationsdrang des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs. Denn als August der Starke die Heirat seines Sohnes mit der Schwiegertochter Maria Josepha (1699 – 1757) aus dem Hause Habsburg organisierte, liebäugelte er mittels dieser europaweit beachteten Prachtentfaltung mit nichts Geringerem als der Kaiserkrone für die Wettiner. Die Verbindung mit der ältesten Tochter des österreichischen Monarchen machte den absolutistischen Sachsenherrscher zum Reichsvikar.

Als Teil des immens teuren Empfangs samt vierwöchigen Hochzeitsfeierlichkeiten stellte das Paradegeschoss laut Coulin „die Krönung des Hofzeremoniells auf europäischer Ebene“ dar.
Eine Vorlage für die Restaurierung bilden die überlieferten dokumentarischen Kupferstiche von 1719 sowie jüngere Zeichnungen, Fotos und Dias. Einige Kronleuchter, Spiegel, Silbermöbel, Gemälde und die Toilettenkoffer der Braut wurden im 1945 zerstörten Schlosskomplex geborgen. Auch der Audienzsessel ist noch da sowie geborgene Reste von belgischem Marmor, Versailler Tafelparkett, Gold, Samt und Seide.

„Wir lassen original, was original erhalten ist. Und was neu dazu kommt, wird so hergestellt wie früher“, sagt Coulin. Nachgebaut wird beispielsweise das vier Meter hohe Imperialbett, das die Wettiner 1924 im Rahmen der Fürstenabfindung erhielten.

Auch die glänzenden Goldstoffe aus Paris werden Faden für Faden nachgestaltet. „Die Paradetextilien , die jetzt neu entstehen gehörten zu den größten Kostbarkeiten, die man damals erwerben konnte“, betont Schlossdirektor Dirk Syndram. Die Rekonstruktion der 300 Jahre alten Prunksäle kostet rund 34,4 Millionen Euro; der Bund schießt sechs Millionen Euro zu.

Nachdem der Arbeiter- und Bauernstaat dem Wiederaufbau des Schlosses lange Zeit kritisch gegenübergestanden hatte, konnte sich die Idee eines „Museumskombinates“ 1985 durchsetzen. Bis heute ist es die teuerste Baustelle des Freistaats, der dafür Gesamtkosten in Höhe von 378,6 Millionen Euro veranschlagt. (dawo)

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