Dresdner Kitas fehlen Erzieher

Die Stadt sucht verzweifelt Kindergärtnerinnen. Der Arbeitsmarkt sei wie leer gefegt, sagt der Sprecher des Eigenbetriebs Kita, Marco Fiedler. Kleinere und mehr Gruppen bei gleicher Zahl von Erziehern, neu eröffnete Kitas sowie viele langzeiterkrankte oder schwangere Mitarbeiterinnen bringen die Stadt zunehmend in die Bredouille. Deshalb helfen die Erzieherinnen gegenseitig in Kitas aus, bei denen Not am Mann ist. Bei den 180 städtischen Kitas sind für solche Dienste allein im März 830 Arbeitsstunden angefallen. Das entspricht 21 Vollzeitstellen.

Jetzt will Stadt viele der Erzieherinnen, die in Teilzeit arbeiten, dazu bewegen, in Vollzeit zu gehen. Doch die wollen nicht immer. Etwa jede zweite pädagogischen Fachkraft lehnt einen Wechsel unter Verweis
auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ab. Der Kita-Eigenbetrieb geht jedoch davon aus, dass die Arbeitszeiterhöhung mindestens bis zum Ende des Schuljahres nötig sein wird. Dann will die Stadt
Erzieher anwerben, die ihre Ausbildung beenden. Bei Kitas von freien Trägern wie der Diakonie Stadtmission Dresden, die in Dresden zehn Einrichtungen betreibt, sieht es nicht besser aus. Es bis zu fünf Monate, ehe freie Stellen wieder besetzt werden könnten, heißt es. Auch dort leisten Mitarbeiter zu zusätzliche Stunden. Bisweilen wird auf Personal von Zeitarbeitsfirmen oder Quereinsteiger zurückgegriffen.
Vor allem während der Erkältungs- und Grippesaison fällt der Fachkräftemangel auf. Auch bei den freien Trägern wollen viele Erzieher in Teilzeit arbeiten – der Familie wegen. Zudem gilt der Beruf als anstrengend.
Bewerber für den Erzieherberuf gibt es jedoch offensichtlich genügend. Im Beruflichen Schulzentrum für Gesundheit und Soziales etwa haben sich laut Schulleiterin Manuela Rühle für das neue Schuljahr mehr als 250 Interessenten beworben – auf 56 Plätze.
Die Zahl habe in schon in den vergangenen Jahren immer zwischen 250 und 300 gelegen, sagt sie. Einen Ausbau der Ausbildungskapazität hält sie aus Platzgründen im Schulgebäude für schwierig. Jetzt soll die
berufsbegleitende Ausbildung wieder aufgenommen werden. Diese umfasst laut Leiterin Manuela Rühle ab Sommer eine Klasse mit 28 Plätzen. Zudem gibt es in Dresden rund zehn private Träger, die Erzieher ausbilden. Wie Manja Kelch vom Kultusministerium erklärt, reagiert der Freistaat und bildet mehr aus. Vor zehn Jahren seien es 350 Absolventen gewesen, seit 2012 seien es jährlich 2.200. Die Eltern müssen damit
rechnen, dass wegen der Tarifauseinandersetzung im Öffentlichen Dienst in den nächsten Wochen in den Kitas gestreikt wird. „Nichts ist unmöglich“, sagt Erik Molkenthin von Verdi Dresden.

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