Mit Zwirn und Charme ins Kopfkino

Mehr Retro geht kaum: (v.l.n.r.) Erik Lautenschläger, Josephin Busch, Tom Krimi. Foto (PR): Werner Huthmacher
Mehr Retro geht kaum: (v.l.n.r.) Erik Lautenschläger, Josephin Busch, Tom Krimi. Foto (PR): Werner Huthmacher

Nora Tschirner fehlt zwar längst auf der Bühne, doch auch ohne den Promi-Bonus scheint sich die Band Prag nun mit neuer weiblicher Stimme auf alte Tugenden zu besinnen.
Josephin Busch heißt die Dame, die für den Sänger Erik Lautenschläger und den Gitarristen Tom Krimi das dritte Element liefert. Aber auch ohne Fokus auf Persönlichkeiten,
verbreitet die Musik von Prag eine filmische Melancholie, die an das Paris der 1960er- und 70er-Jahre erinnert. Und die orchestrale Akustik, gepaart mit hintersinnigen Texten, lässt den Zuhörer förmlich hinwegschweben, in eine filigranere und mitfühlendere Welt.

Das aktuelle Album „Es war nicht so gemeint“ verbreitet eine fast magische Mischung aus süßer Verbitterung und bitterer Süße. Man darf sich auf ein nostalgisches Kopfkino freuen, wenn die Herren wie immer adrett gekleidet auf die Bühne schreiten. Soundtrack zur Sinnsuche „Selbsthilfegruppe Filmmusik der 60er-Jahre“, so bezeichnet Prag ihren Stil.
Dass Nora Tschirner anfangs mal am Mikrofon stand, war eher Zufall. Eigentlich suchte die Schauspielerin nur nach einem Lied für einen Film, doch mit Erik Lautenschläger und Tom Krimi wurde alles anders. Das erste Album „Premiere“ war ein Achtungserfolg und auch mit „Kein Abschied“ knüpften Prag an den orchestralen Vorgänger an.
Veröffentlicht wird ohne viel musikindustriellen Schnickschnack, auf dem eigenen Label Týnská Records. Unvergessen war das erste Dresden-Konzert in der Scheune, als Nora
Tschirner, damals hochschwanger, die Saiten zupfte und im feschen Matrosenkostüm ein regelrechtes Entertainment-Feuerwerk entfachte. Und Bandleader Erik Lautenschläger?
Der ist, so sollte man meinen, neben Gitarrist Tom Krimi die eigentliche Hauptfigur der Band Prag, wirkt aber mit seiner weichen, zurückhaltenden Art wie der introvertierte
Gegenentwurf zur offensiven Tschirner-Verbalattacke. An seinen hochstimmigen, fast säuselnden Gesang müssen sich Ersthörer erst einmal gewöhnen. Doch dann entfaltet die
nostalgisch angehauchte Musik von Prag ihren besonderen Reiz. Nicht nur wegen des Filmmusik-Ansatzes. Mit Streichern und opulenten Arrangements würde das Konzert auch
gut in einen Kinosaal für ein Sitzpublikum passen. Ein Zeit lang waren die beiden adrett gekleideten Herren ohne weibliche Unterstützung unterwegs. Doch eine weibliche Stimme ist eben unerlässlich bei dieser Art von romantisch angehauchter Musik.

Die Neue am Tatort

Mit Josephin Busch hat man den Urzustand zeitweise wiederhergestellt. Die Schauspielerin war in vielen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen, u.a. im ARD-Zweiteiler „Der
Turm“ (2012). Und auch als Sängerin hat sie ausreichend Erfahrung. Sie spielte im Musical „Hinterm Horizont“ über Udo Lindenberg die weibliche Hauptrolle Jessy in der Erstbesetzung. Na, wenn das mal keine Horizonterweiterung für die Fans der Berliner Band ist. (Tom Vörös)

Prag, 23.10., 20 Uhr, Die Tonne im
Kurländer Palais; Tickets ab 20 Euro und weitere Infos gibt es online

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