Einblicke in den Dresdner Kreuzchor: Vom Erzgebirge ins Alumnat

Jonathan (links) und Valentin bekommen von ihren Eltern liebevolle Unterstützung. // Foto: Thessa Wolf

Sein großer Bruder hat es ihm vorgemacht: Für Valentin beginnt in diesem Jahr das Leben als Kruzianer.

Wenn Valentin in diesem Spätsommer von seinem Kinderzimmer im Erzgebirge ins Alumnat des Dresdner Kreuzchores zieht, kennt er einen schon besonders gut: seinen Bruder Jonathan. Das ist sicher von Vorteil für den Neunjährigen. Der Ausschlag gebende Aspekt für die Entscheidung war es jedoch nicht. Dieser lag in der Liebe zur Musik und in der klaren Knabenstimme des Jungen. Seit fünf Jahren spielt er Geige, singt in der Kurrende – und natürlich ist er, zusammen mit seinen Eltern und der zwei Jahre jüngeren Schwester Emilia, auch oft in den Konzerten des Dresdner Kreuzchores.

Nicht weggeben, sondern begleiten

Wenn er – in seiner Freizeit – nicht singt, Geige spielt oder Hausaufgaben macht, dann holt er die Legosteine herzu oder bastelt mit seinem Elektrobaukasten. Dafür werde er sicher weiterhin Zeit haben, wenn auch etwas weniger, findet Bruder Jonathan. „Es wird schon eine ziemliche Umstellung.“ Der 15-Jährige weiß, wovon er spricht. Seit der vierten Klasse gehört er zu der besonderen musikalischen Gemeinschaft. Und damit war er sogar etwas spät dran: Eigentlich beginnt die Kruzianer-Vorbereitung mit der dritten Klasse. Aufgefallen war die Begabung des Jungen seiner Klassenlehrerin, die einen Mundartkurs leitete, den Jonathan besuchte, und in dem er hin und wieder auch sang. „Wir haben lange gerungen“, so die Eltern. Schließlich wohnte die Familie etliche Kilometer entfernt von Dresden in der Nähe von Marienberg im Erzgebirge. „Wir wollten unser Kind nicht weggeben, sondern begleiten“, sagt Mutter Constanze.

Freunde als eine Art Familie

„Anfangs haben wir täglich telefoniert und oft ganze Wochenenden in Dresden verbracht, damit Jonathan nicht so viel fahren musste, um seine Familie zu sehen.“ Irgendwann – die Hotelkosten für die Aufenthalte in der sächsischen Landeshauptstadt summierten sich – mieteten sie eine kleine Wohnung in Dresden-Seidnitz. Dort ist Jonathan jetzt auch manchmal in der Woche, „wenn ich mal meine Ruhe haben will“, erklärt er.

Im Moment geht es ihm wie vielen in seinem Alter: Mit dem Stimmbruch fangen die hohen Töne an zu bröckeln. Deshalb pausiert er derzeit und strebt danach eine Countertenorausbildung an. Für Valentin ist all das noch weit weg. Er hat vom Kruzianer-Leben seines Bruders vor allem die Auftritte mitbekommen. Wenn er seinen Bruder im Alumnat in Dresden besuchte, spielten die Jungs manchmal im Hof Fußball. Von Jonathans Startschwierigkeiten, von seinem anfänglichen Heimweh und Konflikten mit einigen Jungen in der Klasse hat er kaum etwas mitbekommen.

„Er wird seine eigenen Erfahrungen machen“, sagt Vater Christian mit Blick auf seinen recht selbstbewussten jüngsten Sohn. Auch Emilia, die siebenjährige Tochter, habe schon Interesse am Mitsingen und gleichzeitig ihr Bedauern bekundet, dass da keine Mädchen genommen werden. Bei Jonathan verflogen die anfänglichen Schwierigkeiten sehr schnell. „Beim Singen war immer alles entspannt“, sagt er. Und die Freunde seien zu einer Art Familie geworden. „Ich weiß, dass es nicht meine Familie ist. Aber es fühlt sich so an.“ Thessa Wolf

Nachwuchstag am 9. März

Interessierte können mit ihren
Familien am 9. März zum Nachwuchstag vorbeischauen.
Von 13 bis 16 Uhr steht das Haus offen. Es gibt eine öffentliche Chorprobe und Zeit für Gespräche mit Gesangs-, Instrumental- und Klassenlehrern sowie Erziehern und anderen Mitarbeitern.
Ort: Alumnat, Ermelstraße 1 in
01277 Dresden
www.kreuzchor.de

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