DAWO! verlost Tickets für „Hüttenkäse“ in der Herkuleskeule

Foto: Robert Jentzsch

Es ist diesmal nicht das verbale Dartspiel gegen „die da oben“. Im neuen Stück „Hüttenkäse“ im Kabarett-Keller der Dresdner Herkuleskeule bekommen zwar auch „die Politiker“ die satirischen Pfeilspitzen aus der Computertastatur des genialen Autorenduos Philipp Schaller und Michael Frowin zu spüren – aber in erster Linie bekommen diesmal diejenigen ihr politisches Fett weg, die davon ausgehen, für nichts etwas zu können und sich deshalb auch für nichts interessieren oder verantwortlich fühlen zu müssen. Die vermeintlich ganz normalen Leute, wie „du und ich“ sozusagen, die im neuen Streich der Herkuleskeule allerdings alle einen liebenswerten Knall haben. Einen, der sie auf den ersten Blick ganz sympathisch macht. Und auf den zweiten?

Drei „Flüchtlinge“, pilgernd auf dem Jakobsweg, werden zur unfreiwilligen Gemeinschaft. Sie sind auf der Flucht vor sich selbst – und plötzlich auch noch vor dem Dauerregen. In einer engen Hütte stoßen sie nun aufeinander; und müssen miteinander auskommen. Ein Kammerspiel. Eine Metapher für die Gesellschaft. Eine Gesellschaft der Individualisten, die doch ein großes Ganzes ergeben, weil es eben doch irgendwie nur gemeinsam geht und alles Auswirkungen und Wirkungen hat.

Da ist zum Beispiel der typische „kleine Mann“, mit den nervigen Dauer-Grenzerfahrungen zwischen schlecht bezahlt und arbeitslos. Wunderbar schrullig gespielt von Jürgen Stegmann. Dass er in einem Betrieb als Spulenwickler arbeitet, der diese Spulen dann in Waffen einbaut, die in Kriegen zum Einsatz kommen, die wiederum für sich nach Europa ergießende Flüchtlingsströme sorgen, all das ist ihm „egal“, wie er sagt. „Ich muss einfach sehen, dass ich mit dem Arsch an die Wand komme …“ Die Texte reißen an, zu Ende denken muss jeder im Publikum selbst. Und das ist er dann, der erwähnte zweite Blick. Es ist der Blick in den sprichwörtlichen Spiegel, den Schaller und Frowin dem Publikum da vorhalten. Nicht immer nur auf andere zeigen, es sich leichtmachen, weil „die da oben“ sowieso nur machen was sie wollen.

Das ist dem Dresdner Philipp Schaller ohnehin viel zu einfach, wie er immer wieder betont. Und wer seine Texte kennt, weiß, dass die Kabarettisten hier Pointen wie aus einem Satire-Schnellfeuer-Gewehr verteilen. Wer bei Schaller spielt, muss schnell sein und sich eine Menge Text merken können. Da hat Nancy Spiller schon mal einen Satz, der über Minuten geht. Sie spielt eine Lehrerin, die zwar taff mit beiden fitnessstudiogestählten Beinen im Leben steht und die ihrer Umwelt zwar nicht immer pädagogisch wertvoll erklärt, was sie denkt, aber vor allem, was andere zu denken haben.

Der Dritte ist ein nach Ausgleich suchender junger Pfarrer – herrlich naiv gegeben von Hannes Sell -, der in der brandenburgischen Provinz die heile Welt schaffen wollte, aber in ein heilloses Durcheinander zwischen eingeborener Dorfbevölkerung und überfordernd überforderten Flüchtlingen geriet. Der Mensch ist eben scheinbar doch nicht gut? Oder ist er nur gut, wenn es ihm vermeintlich gut geht? Spannende Fragen, die die Drei stellen, ohne immer eine Antwort zu haben. Modernes, frisches und furioses Kabarett, das auch in Sachen Bühnentechnik und Musik eine Menge zu bieten hat. Jens Fritzsche

„Hüttenkäse“ läuft zunächst bis 20. Juli täglich in der „Herkuleskeule“. Tickets unter: www.herkuleskeule.de

DAWO! verlost 5×2 Tickets für „Hüttenkäse“ in der Herkuleskeule für einen Wunschtermin! Wer teilnehmen möchte, beantwortet bitte unter diesem Beitrag die Frage, warum er das Stück gerne sehen würde. Einsendeschluss: Dienstag, 16. Juli 2019. (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Vor der Teilnahme beachten Sie bitte unsere Datenschutzhinweise. Diese finden Sie hier)

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12 Kommentare

  1. haben beide vor über 40 Jahren in Dresden studiert – karten für die herkuleskeule waren fast nicht zu kriegen, inzwischen haben wir sie natürlich schon öfter erleben dürfen – immer wieder toll… danke für die Möglichkeit

  2. Dieses Jahr war für uns schon sehr traurig. Ich würde gern mal wieder richtig herzhaft lachen und meine 90jährige Mutti mitnehmen.

  3. Obwohl ich in Radebeul wohne, war mein Mann und ich noch nie in der Herkuleskeule 😢 dies wäre der perfekte Anlass es endlich mal zu machen und ein Kabarett anzusehen und anzuhören. 👍👍👍

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