Auf zur Igel-Stadtpartie: nach Loschwitz

Friedrich Press gestaltete das Grab für Uhrmacher Paul Pleißner gleichzeitig als Mahnmal für die Luftkriegsopfer in Dresden. (Foto: UG)

Eine Friedhofsrunde mit Gewinn für die Lebenden bietet die Igeltour durch Dresden-Loschwitz.

Was hat eine junge, hübsche, lebensfrohe Frau auf einem Friedhof verloren, wo sie weder Trauergast ist noch Angehörigengräber pflegt? Anke Grohmann unterrichtet an der Freien Waldorfschule Kunst, führt Touristen durch die Innenstadt und bei Igeltour vermittelt sie unter der Rubrik „Kunst, Architektur und Literatur“ Loschwitzer Kultur- und Stadt(teil)geschichte.
Man ahnt es schon: Der dortige Friedhof birgt überproportional viele künstlerisch wertvolle Grabdenkmale und große Namen, die die Blicke auf sich lenken. Neben Anke Grohmann zieht dieser besondere Ort immer wieder Kunstinteressierte an, um Handschriften und letzte Ruhestätten überregional bedeutender Maler und Bildhauer zu suchen. Hier lassen sich Groß- und Kleinplastiken aus Metall, Stein und Terrakotta entdecken, die so bekannte Dresdner Kunstschaffende wie Vinzenz Wanitschke, Inge Thiess-Böttner, Otto Griebel, Sascha Schneider oder Josef Hegenbarth für sich oder ihre Freunde schufen. Am Grab Hermann Glöckners beispielsweise erfahren die Rundgangsteilnehmenden, dass Frauen in Deutschland erst ab 1919 Kunst studieren durften. Und dass dessen Frau Frieda diesen „Patriarchen der Moderne“ 49 Jahre lang begleitet hat, Glöckners Entwürfe vor Ort ausführte und sich dabei unter den Bauarbeitern durchaus behauptet hat. Sie war es auch, die einen Serkowitzer Grundstücksbesitzer überzeugte, lieber in Kunst zu investieren, bevor der Krieg sein Vermögen auffressen würde. Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, hatte Frieda Glöckner ihm geraten: „Geben Sie lieber Geld für Verschönerung aus, statt es pfänden zu lassen.“
Dies ist nur eine von zahlreichen Hintergrundgeschichten über „Künstler zwischen den Welten“, die Anke Grohmann auf diesem Spaziergang zum Besten gibt und die den Lebenden helfen können, die Zeit bis zum eigenen endgültigen Abschied besser zu nutzen, sei es nun schöpferisch oder wissenschaftlich, forschend oder aufklärend, aufbauend oder anstoßgebend, begleitend oder lehrend. Wie die junge Pädagogin auf dem alten Friedhof. (Una Giesecke)


www.igeltour-dresden.de

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