Gorbitz und Prohlis besonders belastet

Gorbitz im Wandel der Zeit
Blick auf die Höhenpromenade in Gorbitz. Der Stadtteil hat sich in 40 Jahren bereits stark verändert. // Foto: S. Ellger

In welchen Vierteln leben besonders viele Menschen mit sozialen Problemen? Die Stadtverwaltung hat dafür einen Belastungsindex erstellt.

Die Stadt versucht, ihre Viertel sozial gut zu mischen, wenn sie neue Wohngebiete plant. Das ist zumindest das erklärte Ziel. So soll verhindert werden, dass in einem Stadtteil nur Reiche, in dem anderen nur Arbeitslose und wieder einem anderen nur Ausländer leben. Inzwischen gibt es eine Art Atlas, um die Durchmischung abzulesen.

Welche Stadtteile sind nicht gut durchmischt?

Die Stadt schaut im Belastungsindex unter anderem auf die Jugendarbeitslosigkeit, den Anteil an Hartz IV-Empfängern und die Zahl der Alleinerziehenden. Mit dessen Hilfe soll erkannt werden, wie sich die Bevölkerung in einem Gebiet entwickelt und wo zum Beispiel mehr Schulen, Straßen, Supermärkte oder Beratungsstellen gebraucht werden. Der Belastungsindex für das Jahr 2020 zeigt laut Stadtverwaltung eine überdurchschnittlich niedrige Belastung in Altfranken und Gompitz. Dagegen gebe es „überdurchschnittlich hohe Werte“ in Gorbitz, Prohlis, in der nördlichen Johannstadt, in Reick, Leuben und rund um den Jägerpark. „Auch Teile der Innenstadt wie der Prager Straße und der Südvorstadt wie die Budapester Straße und Hochschulstraße, in denen es Plattenbauten gibt, weisen überdurchschnittlich hohe Werte auf“, so die Stadt. Besonders zugenommen hat die Belastung in den vergangenen Jahren an der Hochschulstraße, an der Budapester Straße sowie am Altgorbitzer Ring.

Wie kommt es dazu?

Bezahlbare Wohnungen sind ein Dauerthema in Dresden. Tausende Dresdner verdienen so wenig oder gar nichts, dass sie staatliche Hilfe bekommen müssen, um überhaupt eine Wohnung anmieten zu können. Das Problem: Diese Menschen müssen auf günstige Wohnungen zurückgreifen, die sich in Stadtteilen wie Gorbitz oder Prohlis eher konzentrieren.

Die sogenannten Kosten der Unterkunft, also das, was das Jobcenter den Menschen für Miete und Nebenkosten zahlt, sind laut Stadt in den letzten sechs Jahren um rund 15 Prozent gestiegen. Für 21.414 in Dresden gemeldete Bedarfsgemeinschaften hat das Jobcenter im Jahr 2020 Kosten der Unterkunft gezahlt. Single-Haushalte machten rund 62 Prozent aus. In Summe reichte die Stadt 9,5 Millionen Euro aus.

Wie viel das Jobcenter für die Miete zahlt, ist keine feste Größe. Vielmehr ändern sich die Richtwerte, also die Mietobergrenzen, regelmäßig. Übersteigt die tatsächliche Miete die festgelegte Grenze, droht den Familien der Umzug in eine preisgünstigere Wohnung. Die neuesten Obergrenzen gelten bis zum 31. Dezember 2022 und sind von Wissenschaftlern berechnet worden. Veränderungen gab es zuletzt bei den Einbis Drei-Raum-Wohnungen. Für einen Ein-Personen-Haushalt zahlen die Ämter nun nur noch 337,74 Euro. Vorher waren es 378,39 Euro. Bei Vier-Personen-Haushalten und größeren Bedarfsgemeinschaften fehlt Wohnraum. „Für sie ist das Angebot an geeigneten preisgünstigen Wohnungen nicht bedarfsgerecht gewachsen. Hier ist das Angebot knapp und die Nachfrage beständig“, so die Stadt. Der Preisanstieg für größere Wohnungen wirke sich auf die Höhe der Obergrenzen aus. Aktuell liegt der Richtwert bei 617,37 Euro für einen Vier-Personen-Haushalt.

Wie sieht es mit ausländischen Einwohnern aus?

Analog zur sozialen Ungleichverteilung gibt es die ethnische Segregation, also die Ungleichverteilung von Menschen nach ihrer Herkunft. In Dresden beträgt der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund 13,1 Prozent. Die meisten von ihnen lebten 2020 in der Seevorstadt-Ost (Prager Straße), der Südvorstadt-Ost (Hochschulstraße) und der Südvorstadt-West (Budapester Straße). Dort hat der Anteil seit 2016 stark zugenommen. Dahinter folgen Neu-Omsewitz, Gorbitz-Süd, das Plattenbaugebiet am Otto-Dix-Ring und Reick.

SZ/JV

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